Vier neue Spieler für Hannover 96: Diese jungen Profis könnten 96 sofort in der zweiten Liga weiterhelfen

Tim Block hat vier potentielle Neuzugänge für Hannover 96 gescoutet

Einer von vier Spielern, die aufgrund ihrer Spielweise zu Hannover 96 passen und wirtschaftlich realisierbar sind: Der Norweger Mats Møller Dæhli von St. Pauli (links). Foto: Getty Images

Neuzugänge? Bisher Fehlanzeige. Deshalb haben wir unseren Taktikexperten Tim Block auf Scouting-Tour geschickt, um neue Spieler zu identifizieren, die Hannover 96 sofort in der zweiten Liga weiterhelfen können. Tim Block ist mit einer interessanten Wunschliste zurückgekommen: Vier Spieler, deren Verpflichtungen wirtschaftlich realisierbar sind und die Hannover 96 sofort in der zweiten Liga weiterhelfen.

Mit Mirko Slomka und Jan Schlaudraff hat Hannover 96 im strategischen Bereich bereits Klarheit geschaffen. Am 28. Mai wurden sie offiziell vorgestellt und haben eine Menge Arbeit auf dem Schreibtisch liegen. Ein Hauptbestandteil ihrer Arbeit wird es sein, eine Philosophie im gesamten Klub zu etablieren. Man wolle nicht mehr „bei Adam und Eva beginnen“, wenn ein neuer Trainer oder Manager kommt. Es soll eine breite Tragfähigkeit haben, die sich nicht nur auf die Spielertransfers beschränkt, sondern auch im NLZ Früchte trägt.

Kern dieser Philosophie ist natürlich die Frage, wie Hannover 96 in Zukunft Fußball spielen wolle. „Attraktiver Angriffsfußball“ wurde auf der Pressekonferenz deutlich formuliert. „Man wolle ‚die Fans begeistern‘ und eine Mannschaft zusammenstellen, die „marschiert“. Alle drei Dinge müssen sich nicht unbedingt ausschließen. Eher im Gegenteil. Attraktiver Angriffsfußball und Begeisterung sind genau das, was das Niedersachsenstadion schon lange nicht mehr zu Gesicht bekam. Doch nicht nur das NLZ wird von der neuen 96-Philosophie betroffen sein, denn auch die Verpflichtung eines jeden einzelnen Spielers soll das Anforderungsprofil, das in der Philosophie deutlich formuliert sein wird, vollumfänglich erfüllen. Dieses soll zukünftig das Risiko der kostspieligen Fehlentscheidungen deutlich reduzieren. Ich habe mich in den vergangenen Wochen mit möglichen Spielern beschäftigt, die meiner Einschätzung nach die Philosophie und den Spielstil verkörpern könnten.

Adrian Fein (Mitte, am Ball): Fleißig und mit ausgezeichnetem Stellungsspiel zu Ball und Gegner. Foto: Getty Images

Einer dieser Spieler ist Adrian Fein. Der 20-Jährige war in der vergangenen Saison von Bayern München II an Jahn Regensburg ausgeliehen, wo er sich unter Achim Beierlorzer deutlich hervorgetan hat. Sein fleißiger und laufintensiver Spielstil, gepaart mit seinen spielerischen Anlagen ist eine herausragende Basis für eine spannende Karriere. In Regensburg gab es selten die Situation, in der er schlecht zum Ball oder Gegner stand – und das in seiner ersten Saison im Profibereich. Aufgrund seines Umschauverhaltens und Gefühl für die Situation fällt es ihm sehr leicht die Lücken zu schließen und dem Defensivverbund eine Grundstabilität zu verleihen. Seine Chipbälle auf die Außenbahn und hinter die Kette sind eine deutlich zu erwähnende Qualität, die dem Offensivspiel der Roten eine weitere Note verpassen dürfte. Obwohl er eigentlich eher als Sechser wahrgenommen wird, war zunehmend zu beobachten, das Adrian Fein auch mit dem Ball am Fuß in die höheren Räume vordribbelt um gegebenenfalls den Abschluss selbst, oder den freien Mitspieler zu suchen. Die Vielseitigkeit seiner Person und das junge Alter sind nur zwei von vielen Gründen, seine Verpflichtung als sinnvoll einzustufen.

Ein Kreativer mit hohem Tempo: Der Norweger Mats Møller Dæhli (links, am Ball). Foto: Getty Images

Der nächste sehr interessante Spieler, der mir besonders ins Auge fiel, ist Mats Møller Dæhli. Der 24 Jahre alte Norweger steht noch bei St. Pauli unter Vertrag und belebte das Spiel der Hamburger in der vergangenen Saison, insbesondere durch seine Offensivqualitäten. Seine kreative Spielauffassung und das hohe Tempo im Spiel des talentierten Norwegers sind sehr gute Voraussetzungen, um bei 96 den nächsten Schritt zu machen. Auch wenn er tendenziell eher auf den Außen zum Einsatz kam, sehe ich ihn auch im Zentrum als den Spieler, der den entscheidenden Pass spielen kann, und durch eine geschickte Körpertäuschung in den Strafraum vordringt und selbst den Abschluss sucht. Die intelligenten Pässe und seine spielöffnenden Aktionen machen ihn zu einem Spieler, der den Unterschied auszumachen vermag. Besonders zu erwähnen ist die Häufigkeit der gespielten „intelligenten Pässe“ in der abgelaufenen Spielzeit. Ebenfalls positiv zu bewerten ist der Wiederverkaufswert des Spielers, für dessen Profil es jederzeit einen Markt geben wird. Aus den Statistiken der vergangenen Saison geht besonders eindeutig hervor, dass die Rolle des Flügelspielers nicht zu 100 % zu seinen effektivsten Positionen zählt. Seine Dribblings schließt er zu 80 % erfolgreich ab, sein Passspiel weißt eine ähnliche Erfolgsquote auf. Die Zahl der erfolgreichen Flanken und weiteren Hereingaben in den Sechzehner waren minder erfolgreich, weshalb ich zu der These gelange, dass seine Art Fußball zu spielen, sich auf dem Platz zu bewegen und wie er wiederholt die tiefen Räume sucht und die Korridore im Zentrum freisaugt, einen hervorragenden Achter/Zehner in der zweiten Bundesliga und einen soliden zentralen Mittelfeldspieler in der ersten Bundesliga verkörpern könnte.

Niklas Schmidt (links, am Ball) ist quirlig, torgefährlich und belebend für das Offensivspiel. Foto: Getty Images

Ein weiterer sehr interessanter Spieler ist der von Werder Bremen an Wehen Wiesbaden ausgeliehene Niklas Schmidt. Der 21-jährige Mittelfeldspieler ist insbesondere aufgrund seiner Vielseitigkeit für Hannover 96 interessant. Er ist ein beidfüßiger Spieler, der auf der rechten Außenbahn sowie im zentralen Mittelfeld und als hängende Spitze einsetzbar ist. Seine Dynamik im Eins-gegen-Eins als auch im Spiel gegen den Ball macht ihn in vielerlei Szenarien zu einem nennenswerten Faktor in einem Fußballspiel. Er bewegt sich gut aus dem Deckungsschatten seiner Gegenspieler heraus und belebt durch seine kurzen Sprints und die quirlige Art das Offensivspiel, bereits ohne überhaupt einen Ballkontakt gehabt zu haben. Mit 6 Toren und 10 Vorlagen in der abgelaufenen Spielzeit verkörperte er einen großen Anteil am geglückten Aufstieg von Wehen Wiesbaden. Sein noch bis 2020 dotierter Vertrag bei Werder Bremen läuft im nächsten Sommer aus, weshalb eine weitere Leihe eher als unrealistisch einzuordnen ist. Es würde darauf hinauslaufen, Niklas Schmidt fest zu verpflichten.

Kombinationsstark und flink: Jannik Dehm (rechts, am Ball) ist ein starker Außenverteidiger. Foto: Getty Images

Wie ihr mit Blick auf den Kader der kommenden Saison feststellen konntet, wird Hannover 96 durch den Abgang von Oliver Sorg zum 1.FC Nürnberg ein rechter Verteidiger fehlen. Wer in den letzten Monaten verstärkt die zweite Liga verfolgt hat, wird die offensive und kreative Spielweise von Holstein Kiel aufgefallen sein. Unter Tim Walter, der zur neuen Saison bei unserem direkten Konkurrenten VfB Stuttgart anheuern wird, dominierten die Kieler in einigen Partien den Gegner mit ihrer offensiv-dominanten Spielanlage. Auch die Außenverteidiger drifteten hoch ins Feld hinein und generierten offensiv wie defensiv eine Variante im Spiel der Kieler. Besonders auffällig war hierbei Jannik Dehm. Seine reife Spielauffassung und die Kombinationsstärke machen ihn für Offensivfußball sehr interessant. Der eher klassische Ansatz und die Umsetzung einer Außenverteidiger-Rolle sind mit Jannik Dehm vorstellbar. Ebenfalls vorstellbar und um einiges innovativer ist die Idee, Dehm in die zentrale Rolle des Spielaufbaus mit einzubauen. Unter Tim Walter zeigte Dehm, dass er das Spiel von hinten heraus mitgestalten kann.

Das Fazit

Der Neuanfang sollte – und so formulierte es der Chef der KGaA Martin Kind am Tag der Pressekonferenz – „inhaltlich ernst genommen werden“. Sollte sich dieses Vorhaben in die Tat umsetzen lassen, so kann ich auch damit leben, wenn der Neuanfang Zeit in Anspruch nimmt. Jedoch ist nun eine ganze Menge Zeit ins Land gegangen. Zeit, die man meiner Wahrnehmung nach nicht hat. Vor allem dann nicht, wenn der direkte Wiederaufstieg das ausgerufene Saisonziel ist. Wenn ich die Situation und die Zielvorgabe realistisch einschätze, ist davon vermutlich eher nicht auszugehen.  Die Herausforderung Wiederaufstieg scheint mir zur Zeit nicht zu meistern.

Aber es wäre eben nicht der Fußballsport, wenn auch solche kleinen Wunder entgegen aller Erwartungen doch eintreffen. Nach allem, was die kleinen Vögelchen von der HDI-Arena so pfeifen, sind Jan Schlaudraff und Mirko Slomka mit großem Eifer dabei den Kader für die kommende Saison gut aufzustellen und punktuell zu verstärken. Jedoch stimmen die finanziellen Rahmenbedingungen wohl nicht mehr damit überein, was in den Gesprächen vorab klar formuliert worden ist. Eine Frage der Zeit ist meiner Einschätzung nach nur, dass es bald das erste Mal einen ordentlichen Ehekrach geben wird. Aber vielleicht ist das dann auch mal notwendig. Kontroverse Streitgespräche auf einer sachlichen Ebene können allen Beteiligten durchaus gut tun. Voraussetzung ist aber, dass alle offen an einer einheitlichen Lösung interessiert sind, die sich mit den sportlichen Anforderungen der Profis deckt und die die Einschätzungen von Schlaudraff und Slomka ernst nimmt. Denn wenn man den inhaltlichen Neuanfang ernst meint, muss man dafür auch die notwendigen Rahmenbedingungen und Strukturen schaffen. Ich bin gespannt, ob das dieses Mal gelingt.

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