Felipe, Jung und Hübers – Die drei Stehaufmännchen in der 96-Defensive

Wirklichen Grund zum Feiern hatte man nach der 0:1-Niederlage gegen Bielefeld nicht. Beim Tabellenführer absolvierte man eine gute Partie, am Ende stand jedoch die zweite Auswärtspleite des Jahres auf der Anzeigetafel. Für Timo Hübers rückt die Partie in ein anderes Licht. Sicherlich schmerzt die Niederlage, im Nachhinein dürfte die Freude über das Comeback nach 21 harten Monaten jedoch überwiegen. Der 23-Jährige gesellt sich zu zwei weiteren Stehaufmännchen im 96-Kader. 

Zwei Kreuzbandrisse konnten Timo Hübers nicht aufhalten. Nach 21 Monaten feierte der gebürtige Hildesheimer gegen Bielefeld sein Comeback – und was für eins! Eine Zweikampfquote von über 73 Prozent, zehn gewonnene Kopfballduelle und elf abgefangene Bälle standen am Ende auf der Habenseite. Nach seiner Verletzungshistorie hätten die Fans mit einem vorsichtig aufspielenden Hübers gerechnet, mit seinem führenden und körperbetonten Spielstil überraschte er auch den Trainer. Kocak warf den Innenverteidiger ins kalte Wasser, der schnelle Einsatz nach seiner Trainingsrückkehr kam auch für ihn überraschend.

Es war schon überraschend für mich. Wenn man so lange verletzt war, trainiert man normal erst mal ein paar Wochen.

Der Einsatz war allemal riskant. Nicht nur, dass ihm die Spielpraxis fehlte, auch das Aufbrechen der alten Verletzung war nicht komplett auszuschließen. Am Ende kam es deutlich besser als erwartet und Timo Hübers dürfte sich direkt in die Startelf für die kommende Woche gespielt haben. Völlig verdient wurde er von den Fans zum Spieler des Spiels gewählt. Der ehemalige U18-Nationalspieler dachte zwischenzeitlich sogar über ein frühzeitiges Karriereende nach – ein Glück ließ er diesen Gedanken recht schnell fallen. In der Bielefeld-Verfassung kann er der Mannschaft definitiv weiterhelfen und die Lücke im Abwehrzentrum schließen! Seine Rückkehr ist schon jetzt die Fußball-Lovestory der Hannoveraner.

Hübers feierte gegen Bielefeld ein starkes Comeback – von „Angst“ war nach den zwei Kreuzbandrissen keine Spur

Im aktuellen Kader  gibt es aber noch zwei weitere Stehaufmännchen. Felipe und Sebastian Jung haben ähnliche Leidenszeiten durchlebt und sich immer wieder zurückgekämpft. Während der Brasilianer aktuell eine Zerrung auskuriert, feierte Letztgenannter erst vor kurzem sein Comeback

Felipe steht bereits seit dem 01.07.2012 bei den Roten unter Vertrag, seine Laufbahn wurde jedoch immer wieder gestoppt. Von 261 möglichen Ligaspielen absolvierte der 32-Jährige nur 60. Kein 96-Spieler zuvor hatte mit einer so niedrigen Spielquote zu kämpfen. Hüftverletzungen, langwierige Knieprobleme, Adduktorenverletzungen, zwei Rippenbrüche, ein Sehnenriss und mehrere Muskelfaserrisse warfen ihn immer wieder zurück. Ein gesunder Felipe ist derweil Gold wert. Er verleiht der Hintermannschaft Stabilität, geht robust in die Zweikämpfe und ergreift auf dem Spielfeld die Initiative. Seine enorme Kämpfermentalität hat er in der vergangenen Sommerpause erneut unter Beweis gestellt. Im 96-Konkurrenzkampf hatte er die schlechteste Ausgangslage, ihm wurde sogar ein Wechsel nahegelegt. Nichtsdestotrotz verlängerte er bei den Roten und biss sich zurück in das Blickfeld des Trainerstabs. Chapeau! Darüber hinaus ist Felipe für den Teamgeist und den Charakter der Mannschaft unersetzbar. Er ist das absolute Mentalitätsmonster im 96-Kader und pusht seine Kollegen auch abseits des Platzes. In dieser Spielzeit ist er ebenfalls nicht beschwerdefrei und kommt bis dato auf nur acht Einsätze. Hiervon wird es sich jedoch nicht unterkriegen lassen.

Die Historie von Sebastian Jung liest sich sehr ähnlich. Bis zur Saison 13/14 lief für den Rechtsverteidiger alles nach Plan, mit seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg begann sein Leiden. Von 193 möglichen Bundesligaspielen absolvierte er nur 24 Prozent, sein Platz in der Nationalmannschaft ging recht schnell verloren. Immer wieder wurde der aufstrebende Jung zur Reserve der Wölfe degradiert, ein absoluter Albtraum. Sein Kreuzbandriss aus der Spielzeit 15/16 leitete seine lange Verletzungsmisere ein, seither kamen mehrere Muskelfaserrisse, ein Außenbandanriss des Sprunggelenks und eine Wadenverletzung hinzu. Zur aktuellen Saison wechselte er innerhalb Niedersachsens zu Hannover 96. Er bezeichnete den Wechsel als einen Neuanfang, doch auch an der Leine ließ sein Pech nicht nach. Elf Spiele verpasste er aufgrund von Adduktorenbeschwerden, hinzu kommen drei verpasste Duelle aufgrund einer Zerrung. Insgesamt fehlte der 29-Jährige 133 Tage. Anfang Februar feierte er in Fürth sein Comeback, seither verpasste er erst 13 Spielminuten. Unter Kocak ist er gesetzt, seine Schnelligkeit und die Ballbeherrschung sprechen für Sebastian Jung. Es scheint, als würde sein geplanter Neuanfang mit Verzögerung doch noch stattfinden.

Hinsichtlich ihrer mentalen Stärke macht den drei Verteidigern keiner etwas vor. Für uns Fans ist es wohl kaum greifbar, welche Qualen sie auf sich genommen haben, um den Traum des Profifußballers nicht frühzeitig verwerfen zu müssen. Hierfür haben sie den größten Respekt verdient und sich so ein besonderes Standing in der Mannschaft erarbeitet.

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