Deshalb wurde Salif Sané heute in der HAZ nicht erwähnt – obwohl der Hannover 96-Star mit Senegal bei der WM gewonnen hat

96-Stars Sané und Diouf in der HAZ außen vor gelassen

Hannover 96-Star Salif Sané spielt bei der WM 2018 in der Nationalmannschaft des Senegal. Das erste WM-Spiel gewann Senegal überraschend gegen Polen mit 2:1. Foto: Getty Images

„Merkwürdig“, mag sich so mancher treuer HAZ-Leser heute Morgen gedacht haben, als er den Sportteil aufgeschlagen hat.

In dem langen HAZ-Spielbericht über das Spiel Senegal gegen Polen wurde nicht einmal erwähnt, dass zwei 96-Stars beim überraschenden Sieg Senegals gegen Polen auf dem Platz gestanden haben. Dem Verfasser war es nicht einmal eine Erwähnung wert, dass der 96-Publikumsliebling Salif Sané 90 Minuten in der senegalesischen Innenverteidigung gespielt hat. Auch der ehemalige 96-Star Mame Diouf wurde namentlich nicht erwähnt. Zwei ehemalige Hannover 96-Spieler triumphieren bei der WM 2018 – und nicht einmal die hannoversche Regionalzeitung findet das erwähnenswert? Dabei interessiert es die hannoverschen Zeitungsleser doch ganz besonders, wie die beiden ehemaligen Spieler von Hannover 96, Salif Sané und Mame Diouf, bei der WM gespielt haben. Sollte man zumindest meinen.

Warum wurden die beiden 96-Fanlieblinge Sané und Diouf in dem fast einseitigen Spielbericht ignoriert? Platzgründe können es nicht gewesen sein, denn Platz genug war ja. Sogar die Frau von Bayern Münchens Stürmer Lewandowski kommt direkt am Anfang des Textes vor („Auch ein Küsschen seiner Frau Anna konnte Robert Lewandoswki nicht trösten“).

Warum wird also die Ehefrau von Lewandowski  prominent im Text platziert, aber 96-Star Salif Sané nicht einmal erwähnt? Die Antwort hängt mit Sparmaßnahmen und einer neuen Redaktionsstruktur bei der Verlagsgesellschaft Madsack zusammen. Madsack besitzt nicht nur die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ und die „Neue Presse“, sondern insgesamt 15 regionale Tageszeitungen, wie die „Leipziger Volkszeitung“, das „Eichsfelder Tageblatt“, die „Ostsee-Zeitung“ oder das „Naumburger Tageblatt“. In all diesen Zeitungen, von Leipzig bis Hannover, erscheinen auf vielen Politik- oder Sportseiten ähnliche oder sogar wortgleiche Texte. Sprich: Ein Journalist schreibt für insgesamt 15 regionale Tageszeitungen in Eichsfeld, Naumburg oder Hannover denselben Text. So wurde es auch mit dem Spielbericht Senegal gegen Polen gemacht: Der Spielbericht, der in der HAZ erschien, wurde auch wortgleich in Madsacks Zeitungen in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg veröffentlicht.

Dahinter stehen in erster Linie Kostengründe: Wo früher 15 Sportjournalisten insgesamt 15 Texte für ihre regionale Zeitung geschrieben haben, reicht es jetzt, wenn ein Journalist zentralisiert einen Text verfasst, der dann wortgleich in 15 Zeitungen abgedruckt wird. Das muss per se nicht schlecht sein: Manchmal nutzen Verlage die frei gewordenen Kapazitäten, um andere Bereiche personell zu verstärken – zum Beispiel um eigene Investigativ-Teams aufzubauen, wie es die Süddeutsche Zeitung getan hat. Oftmals sind solche Zentralisierungen aber auch gleichbedeutend mit einem Stellenabbau  – und ziehen damit unter Umständen einen Verlust journalistischer Qualität nach sich.

Die Schattenseite der zentralisierten Madsack-Strukturen zeigt sich beim Spielbericht Senegal gegen Polen: Es kann weniger auf regionale Besonderheiten eingegangen werden. Das ist auch die Erklärung, warum die Hannover 96-Publikumslieblinge Salif Sané und Mame Diouf als ehemalige 96-Spieler keine besondere Erwähnung finden. Denn die Leser in Leipzig, Naumburg oder an der Ostsee interessiert das nicht. Im Gegenteil, es würde die Madsack-Leser in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern wahrscheinlich sogar irritieren, wenn lang und breit auf die ehemalige Hannover 96-Vergangenheit zweier Spieler eingegangen wird. Deshalb hat der Verfasser des Spielberichts die Ex-96er Salif Sané und Mame Diouf lieber außen vorgelassen – und stattdessen das Küsschen von Robert Lewandoskis Frau als Texteinstieg gewählt.

Viele Zeitungsverlage haben im Zeitalter des Internets mit sinkenden Auflagen zu kämpfen –auch die Verlagsgesellschaft Madsack. HAZ und NP verloren im ersten Quartal 2018 insgesamt 4,5% ihrer Käufer (die verkaufte Auflage sank um 6.900 Exemplare auf 147.200). Deshalb erscheinen Sparmaßnahmen und neue Strukturen wie die Zentralisierung der Berichterstattung auf den ersten Blick als logische Maßnahme, um die zurückgegangenen Umsätze zu kompensieren. Fraglich ist jedoch, ob sich der Leserverlust bei Madsack nicht verschärft, wenn – wie bei den 96-Publikumslieblingen Sané und Diouf – die besonderen Interessen der hannoverschen Zeitungsleser nicht berücksichtigt werden. Es ist vielmehr anzunehmen, dass sich der Auflagenverlust bei Madsack mittelfristig beschleunigt, wenn hannoversche Besonderheiten keine Erwähnung finden.

1 Kommentar

  1. Von Meinungsvielfalt und unabhängiger /regionaler Berichterstattung kann inzwischen wohl keine Rede mehr sein.

    Der Bericht trifft genau den Kern.

    Bestes Beispiel:

    Ich bin (noch) Leser der Schaumburger Nachrichten. Was interessiert mich mich aus der Region Hannover irgendein Verein aus der 3. Liga östlich von Hannover? In den letzten Monaten musst ich aber feststellen, das ständig große oder größere Berichte darüber in der Zeitung standen. Alles nur weil ein Hannoverscher Verleger meint, auch Leser in der Region um Peine-Ost mit Lesestoff versorgen zu müssen. Kann er ja auch gern machen, aber warum muss ICH das in meiner Zeitung auch sehen?? Gleichmacherei hat wohl kaum was mit vernünftiger regionaler Berichterstattung zu tun, auch wenn man das aus Kostengründen nachvollziehen kann..

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