Wir gehen Hand in Hand

Der Verein und die Kapitalseite gehen zukünftig Hand in Hand, um Hannover 96 langfristig nach vorne zu bringen. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen - die Gräben sind zwar tief, aber jetzt ist es an der Zeit, sie zu überbrücken. Foto: Getty Images

In der Länderspielpause ist auch mal Zeit für Themen, die nicht direkt mit dem hannoverschen Fußball zu tun haben. Naja, eigentlich schon. Zumindest indirekt. Eine Kolumne von Frank Meyer zum Hannover 96 Vertrag. 

Heute geht’s mal nicht direkt um Fußball, sondern nur um Hannover 96. Denn ich kam letzte Woche aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Ausgangssituation war nämlich alles andere als übersichtlich: Geschäftsführer Martin Kind hatte den Antrag auf Ausnahmegenehmigung zurückgezogen. Dann geisterte durch die hannoversche Presse, der e.V. stehe kurz vor der Insolvenz. Vom neu gewählten Vorstand um Sebastian Kramer war hingegen monatelang nichts mehr groß zu hören.

Und mitten in dieser unübersichtlichen Situation wird der Hannover 96 Vertrag verkündet. Ich habe mir diese historische Pressekonferenz von e.V. und Kapitalseite angeschaut und ich muss sagen: Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus! Und das meine ich ausnahmsweise rein positiv, ganz ohne einen ironischen Unterton. Ich glaube, die wenigsten 96-Fans sind sich bewusst, welchen Meilenstein sie da erlebt haben!

Die für mich persönlich wichtigste Botschaft ist: 50+1 bleibt bei den Roten bestehen. Keine Ausnahmegenehmigung, ohne Wenn und Aber. Obwohl 50+1 ja jetzt festgeschrieben ist, gab der Geschäftsführer Martin Kind bekannt, dass er neue Investoren in der Hinterhand habe, die in die KGaA einsteigen wollen, um 96 konkurrenzfähig zu halten. Denn es bestehe ja nun Planungssicherheit. Also zusätzliches frisches Geld, aber ganz ohne Ausnahmegenehmigung. Wer hätte das gedacht?

Des weiteren bekommen die 2 vom e.V. in die KGaA entsandten Aufsichtsräte volles Stimmrecht. Es wird eine GmbH gegründet, in der die Markenrechte verwaltet werden und an der der e.V. mit 49 % und die S&S mit 51 % beteiligt sind. Und so ist der e.V. an der Vermarktung beteiligt und erhält Geld von dieser. Darüberhinaus erhält er eine 20-jährige Option auf Rückkauf von Anteilen an der KGaA. Dies alles sind Punkte, an die man nicht im entferntesten gedacht hat. Und es sind die Punkte, für die viele im Vereinsumfeld jahrelang eingetreten sind. Ferner wurde Hannover als Spielort, wo man in roten Heimtrikots spielt, festgeschrieben. Obwohl letzteres für mich nie zur Diskussion stand – ein richtiges Signal, dies nochmal formell festzuschreiben, ist es allemal.

Als Ergebnis kann man feststellen, dass der Vorstand um Sebastian Kramer zusammen mit dem Aufsichtsrat all das erreicht hat, was ich mir gewünscht habe. Und weil man sich mit Martin Kind auf diese Punkte im Einvernehmen geeinigt hat, macht es diesen Hannover 96 Vertrag historisch.

Gerade weil sich jetzt e.V. und die Kapitalseite auf all das geeinigt haben und man nun zusammenarbeiten will, sollten sich jetzt alle Fans der Roten an das erinnern, was man immer im Stadion singt: „Wir gehen Hand in Hand!“ So schwer es auch ist, lasst uns die Gräben zuschütten und wieder gemeinsam für das große Ganze sein. Für unsere Roten und deren Erfolg. Mir ist bewusst, dass das nicht von heute auf morgen geht, dazu sind die Gräben zu tief und es wurde zu viel Porzellan zerschlagen (und das auf beiden Seiten!). Aber wozu noch alte Rechnungen aufmachen. Das ist Vergangenheit. Seit letzter Woche hat die Zukunft angebrochen. Wenn die ehemalige Opposition und Kapitalseite Hand in Hand gehen, warum sollten nicht auch die Fans der Roten das schaffen?

Dann gab es ja noch die Finanzspritze an den e.V. in Form eines Darlehens, das sofort abrufbar ist und eine auf 25 Jahre gestreckte jährliche Spende in Höhe von 6 Mio insgesamt ist. Damit steht der e.V. auf soliden Füssen und kann sich nun ganz der täglichen Arbeit widmen, ohne ständig Angst vor der Insolvenz haben zu müssen. Ob die wirklich akut war, so wie die hannoversche Presse getitelt hat, wissen natürlich nur die unmittelbar Beteiligten. Man könnte ja jetzt die Schuldigen für das finanzielle Desaster Stammestraße suchen, aber der 96-Vertrag steht für Neuanfang und deswegen äußere ich mich jetzt nicht mehr dazu. Dazu ist alles gesagt und geschrieben.

Wenn jetzt beide Seiten den Vertrag mit Leben erfüllen, steht Hannover 96 eine gute Zukunft bevor. Und mit Hannover 96 meine ich beide Seiten. Den e.V. und die Kapitalseite. Vielleicht ist dieser historische Hannover 96 Vertrag ein bisschen im Lärm der sportlichen Misserfolge untergegangen. Was eigentlich schade ist. Denn wir haben letzte Woche den Anfang des Aufbruchs erlebt, auf den wir seit rund fünf Jahren hinfiebern!

Deshalb appelliere ich an alle Fans: Geht auch ihr zukünftig Hand in Hand. Zusammen sind wir groß, stark wie eine Wand. Wenn die Bosse Kind und Kramer das bereits begriffen haben, dann sollten wir das auch tun.

Zur sportlichen Situation werde ich mich die Tage mal äußern. Rote Grüße, euer Frank

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