Das Derby-Tagebuch

Eintracht Braunschweig vs. Hannover 96

Im Laufe der letzten Woche verdichtete sich das nahende Niedersachsenderby immer mehr zu einer guten alten Euphorie und die Aufregung gipfelte in einem nervösen Magen. So muss das nun einmal sein, wenn sich die Mutter aller Fußball-Duelle ankündigt.

Am Freitag, den 12. April, gab es erstmal den 128. Geburtstag unseres glorreichen Sportvereins zu feiern. In der Nacht zuvor wurde dieser bereits mit dem Auftauchen vieler großer Glückwunsch-Bänder in ganz Niedersachsen angeteasert. Wolfsburg, Göttingen, Hildesheim, Celle, Salzgitter, Uelzen und noch einige andere Städte zeigten sich stabil und rot. Auch Braunschweig als treuer Vasalle und heimlicher Erfolgs-Fan der Landeshauptstadt ließ sich nicht lumpen und machte mitten in seiner tristen, verwahrlosten Innenstadt seine Aufwartung. Es sei Euch gedankt.

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Das Tolle daran war, dass selbst die offiziellen Social Media-Präsenzen von Hannover 96 diese Highlights in Bild und Farbe teilten. Es war halt auch einfach eine geile Aktion unserer aktiven Fanszene! Die Pressekonferenz mit Stefan Leitl am Freitagnachmittag entpuppte sich dann leider als gewisser Downer, nachdem verkündet wurde, dass bis zu sieben Spieler ausfallen könnten. Am Sonntag schafften es die Wackelkandidaten Nielsen und Leopold zumindest in den Kader, während Nico Tresoldi mit nicht ganz verheilter Kopfwunde sogar in der Startelf loslegte. Brooklyn Ezeh, Sebi Ernst und Andreas Voglsammer hingegen mussten komplett passen, was den Optimismus ein wenig trübte.

Auch wenn es in dieser Saison nicht sein sollte: Nicolò wird sich früher oder später in der Derby-Historie verewigen.

Weiter ging’s mit dem Besuch der Fanszene beim Abschlusstraining am Samstag. Diesmal nicht als Zaungäste auf Trainingsplatz B, sondern hochoffiziell im Niedersachsenstadion. 4000 Supporter überreichten stellvertretend für eine ganze Region ihre Unterstützung und Motivation. Bilder, die für Gänsehaut sorgten und auch wieder dankend vom Social Media-Team von Hannover 96 kredenzt wurden.

Hannover 96 gönnte also sich und all seinen Anhängern das maximale Maß an Wohlfühl-Programm und zelebrierte Zusammenhalt. Eine wichtige Geste im Vorfeld des Niedersachsen-Klassikers, genauso wie die Vertragsverlängerung von Harvard Nielsen und der ersehnten Unterschrift Lars Gindorfs unter seinen Profivertrag. Auch in den sozialen Medien waren sich die Fans scheinbar einig, bei einem positiven Ergebnis die Saison als zufriedenstellend ausplätschern lassen zu können. Realistisch hatten wir den Aufstieg mit den letzten Unentschieden abgehakt und wollte uns nur noch mit dem Derby-Dessert belohnen.

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Der Derby-Tag selber startete ruhig und besonnen, die Regionalbahnen nach Peine Ost blieben heile und irgendwo begann sich eine niedersächsische Innenministerin schon zu langweilen. Wer keins der 2100 Gästetickets ergattert hatte, machte es sich bei stabilem Wetter am Grill oder im Biergarten mit Freunden gemütlich. Auch der Schreiber dieser Zeilen ließ es diesmal entspannt und zuhause angehen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich rund um das Spiel immer noch so einige kühle Hannoveraner Biere brauche, um meine Nervosität in den Griff zu bekommen. Das war schon immer so und wird auch im Alter nicht besser…

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Insgesamt wurde es ein vergleichsweise ruhiges und fades Derby. Gab es Anfangs noch einige Schubser und den Versuch von Duftmarken, fuhr sich das Geschehen ziemlich schnell im Mittelfeld fest. Wäre an dem Nachmittag ein Ball auf der einen oder anderen Seite durchgeruscht, hätte er das Spiel wahrscheinlich schon entschieden. Zu voll waren die schwarzen und blauen Buchsen, hier einen Fehler zu machen. Die geringe Zahl der gespielten vertikalen Bälle galt Trainer Stefan Leitl am Ende als ein Grund für die mangelnde Effizienz. Auch eine unterirdische Passquote zeugte von der Nervenbelastung der Spieler. Risiko hatte an dem Tag scheinbar Platzverbot. Druck und Anspannung waren bis durch die TV-Bildschirme hindurch spürbar.

Das Geschehen des Derby verlagerte sich schnell vom Grün auf die Tribünen.

Somit lässt sich der Spielbericht recht schnell abhaken, ich liste dazu nur mal ein paar Worte aus dem Ticker:

  • „Zerfahren“
    „Wenig Torraumszenen“
    „Hannover versucht’s“
    „Zu ungenau“
    „Ausgeglichen“
    „Lange Bälle“
    „Zu zaghaft“
    „Keine Kontrolle“
    „Kein Durchkommen“
    „Zu überhastet“
    „Stark verteidigt“
    „Zu hoch“
    „Stark pariert“
    „Drüber“
    „Kein Abschluss“

Unser Sturm biss sich an der besten Abwehr der Rückrunde die Zähne aus. Die paar wenigen Chancen, die man hatte, landeten vor allem in den glücklichen Armen des Braunschweiger Keepers. Im Mittelfeld wurde viel versucht, am Ende war zumindest das intensive Gegenhalten lobenswert. Passivität und Aufgabe wie beim letzten Besuch in Peine Ost konnte man keinem unserer Kicker wirklich vorhalten, da die Eintracht gut in Schach gehalten werden konnte. Dehm und Muroya egalisierten die starken Außenbahnen des Gegners, leider auf Kosten eigener großer Durchbrüche.

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Ein Harvard Nielsen mit der Extraportion Motivation und Cleverness fehlte an allen Ecken und Enden. Enzo Leopold mit seiner Spielführung kam angeschlagen leider nur zu einigen wenigen Minuten Einsatzzeit. Marcel Halstenberg und seine Abwehr hatten die Minions meistens gut im Griff, den Rest entschärfte dann Ron-Robert Zieler immer irgendwie.
Wie gesagt, man kann über unsere Jungs an diesem Tag eigentlich nichts schlechtes sagen…

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Und damit kommen wir zu einer Sache, die mich persönlich richtig sauer gemacht hat. Nach dem Abpfiff wurden Mannschaft und Spieler dennoch negativ angegangen, als hätten sie gerade das Derby verloren. Niemand der Kritiker wollte mit dem Unentschieden zufrieden sein. Dabei war absehbar, dass dies kein Spiel „mit feiner Klinge“ (Stefan Leitl) wird. Cool zu bleiben schaffte am Sonntag keiner unserer Roten, da gibt’s gar keinen Vorwurf. Aber das 2:0 im Hinspiel war vielen ja auch schon nicht gut genug.

Uns fehlen aktuell im Endspurt einfach ein oder zwei Unterschiedsspieler, so wie sie andere Teams im oberen Drittel haben. Unsere stärksten Kräfte scheinen alle außer Form zu sein. Und trotzdem: Ich persönlich kann sehr gut mit einem Sieg und einem Unentschieden in dieser Saison leben, damit bleiben wir weiterhin Derbysieger! Angesichts der ganzen fehlenden und angeschlagen ins Spiel gegangenen Roten und der Dauerbaustelle auf links, lasse ich die Kirche im Dorf.
Nächstes Wochenende gegen Pauli zuhause, ausverkauftes Wohnzimmer, Tabellenführer ärgern, geil. Weiter geht’s…

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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