Warum Linton Maina unverkäuflich ist – auch für „Horn + x Millionen“

3 Gründe, warum Linton Maina unverkäuflich ist - im Gegensatz zu Waldemar Anton

Linton Maina hat sich zum Leistungsträger entwickelt - ein Abgang kann sich Hannover 96 nicht erlauben. Foto: Imago

Offenbar verfolgt Kölns Sportchef Horst Heldt den Plan, ein brisantes Tauschgeschäft mit Hannover 96 einzugehen: Maina und Anton gegen Horn und eine Summe X. Warum Hannover 96 die Finger davon lassen sollte, Linton Maina zu verkaufen – ein Kommentar.

„Köln-Plan: Horn plus x Millionen für Wechsel von Anton und Maina“, lautete das spektakuläre Aufmacherthema der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung am heutigen Montag. Offenbar will der ehemalige 96-Sportdirektor Horst Heldt den Verteidiger Waldemar Anton und den jungen Linton Maina zum 1. FC Köln lotsen – und bietet im Gegenzug Jannes Horn und eine Stange Geld.

Ein Verkauf von Anton würde Sinn machen – ein Verkauf von Maina nicht

Sicherlich kann über ein Tauschgeschäft von „Anton gegen Horn + x Millionen“ nachgedacht werden – ohne Maina. Waldemar Anton ließ bereits letzten Sommer anklingen, dass er sich einen Wechsel vorstellen könne. Seine Leistungen haben seit dem Weggang seines Abwehrpartners Salif Sané nachgelassen, seine Kapitänsrolle in der Abstiegssaison 2018/19 hat er nicht angemessen ausfüllen können. Zweifellos ist Anton kein Schlechter, das hat er unlängst mit engagierten Startelfeinsätzen auf der Sechser-Position bewiesen. Das Label „Unverkäuflich“ für Waldemar Anton wäre aber nicht angebracht, zumal sein Vertrag im Juni 2021 ausläuft. Wenn Köln bereit wäre, Antons Marktwert von 8 Millionen Euro aufzubringen (oder Horn plus 6 Millionen zu bieten), sollte Hannover 96 Anton ziehen lassen. Anton wird im Juli 24 Jahre alt. Es lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt mit einiger Vorsicht die Prognose stellen, dass Anton zwar in den nächsten Jahren ein grundsolider Verteidiger mit Erstligapotential sein wird, aber eben kein zweiter Per Mertesacker.

Anders sieht die Situation bei Linton Maina aus. Der 20-jährige Rechtsaußen steht erst ganz am Anfang seiner Karriere. Es gibt gleich mehrere Gründe, warum es fahrlässig wäre, ihn bereits jetzt gehen zu lassen.

Erstens: Das kritische zweite Jahr nach dem Abstieg steht bevor – ein Aufstieg kann nur mit eingespielten Spielern wie Maina gelingen

Das zweite Jahr nach dem Abstieg ist oft das kritische Jahr, in dem ein abgestiegener Klub entweder die Rückkehr ins Oberhaus schafft – oder für immer im Niemandsland verschwindet. Schaut man sich die Erstligaabsteiger der Jahre 1999 bis 2018 gesammelt an, ergibt sich folgendes Bild: 19 Vereine schafften direkt im ersten Jahr nach dem Abstieg den Wiederaufstieg. Acht Klubs gelang im zweiten Jahr der Wiederaufstieg. Nur einem Verein gelang im dritten Jahr der Wiederaufstieg. Und 16 Vereine schafften es nie wieder zurück in die erste Liga. Grob zusammengefasst: Entweder gelingt in den ersten zwei Jahren der Wiederaufstieg – oder es wird extrem unwahrscheinlich, dass es jemals noch etwas wird.

Für Hannover 96 steht in der kommenden Saison das kritische zweite Jahr nach dem Abstieg bevor.

Natürlich ließe sich argumentieren, dass man mit dem Geld, das ein Linton Maina einbringen wird, neue Spieler kaufen kann. Doch auch in Hannover sollte man seit Jonathas wissen: Geld schießt nicht zwingend Tore.

Warum sollte man einen motivierten, leistungsstarken, in Hannover eingelebten Spieler abgeben, um für das gleiche Geld einen neuen Spieler zu verpflichten, der sich im schlimmsten Fall als zweiter Jonathas entpuppt? Selbst wenn man den etwas abgenutzten Jonathas-Vergleich nicht bemühen will – viele teure Neuverpflichtungen brauchten mindestens ein Jahr, bis sie sich in Hannover eingelebt hatten, siehe Haraguchi. Ein Jahr, das man nicht hat, will man kommende Saison den Aufstieg anpeilen.

Anders gefragt: Wenn man die Gewissheit hat, dass ein Spieler funktioniert, warum sollte man diese Gewissheit gegen einen Risikotransfer tauschen, bei dem man nicht diese Gewissheit hat?

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Zweitens: Mainas Marktwert wird zeitnah steigen – und die U21-EM steht noch bevor

Linton Mainas Marktwert liegt bei 7 Millionen Euro – Tendenz steigend. Im Oktober 2018 war der U21-Nationalspieler noch 3,5 Millionen Euro wert. Und dabei dreht Maina gerade erst richtig auf. In der Rückrunde erzielte er in acht Spielen acht Scorerpunkte (ein Tor, sieben Vorlagen).

Sein Marktwert von 7 Millionen Euro wurde übrigens am 13. Dezember 2019 ermittelt – also bevor Maina in der Rückrunde richtig aufdrehte. Die Vermutung ist nicht vermessen, dass Maina bei der bevorstehenden Marktwertermittlung einen zweistelligen Millionenbetrag erreicht.

Mainas Vertrag läuft noch bis zum Sommer 2022. Im Juni 2021 wird die U21-EM in Slowenien und Ungarn stattfinden. Bei der Nachwuchs-EM, bei der nicht nur Horst Heldt, sondern auch Scouts von englischen und spanischen Königsklasse-Vereinen zuschauen werden, kann sich Maina auf einer großen internationalen Bühne präsentieren. Sein Marktwert dürfte nach der U21-EM im nächsten Jahr nochmals deutlich anziehen, wenn auch englische Premier League-Vereine ein Auge auf den dann 21-Jährigen Stürmer werfen.

Verkauft Hannover 96 jetzt, ein Jahr vor der U21-EM, das junge Ausnahmetalent nach Köln, bringt sich der niedersächsische Klub schätzungsweise um 5 bis 10 Millionen Euro zusätzliche Ablösesumme.

Drittens: Aber Niclas Füllkrug…?

Gerne wird in diesem Zusammenhang auf Niclas Füllkrug verwiesen. Die Entscheidung, Füllkrug nicht im Sommer 2018 für rund 18 Millionen Euro nach Mönchengladbach zu verkaufen, sondern zu halten, erwies sich im Nachhinein als Fehlentscheidung. Füllkrug verletzte sich, Hannover 96 stieg ab und verkaufte Füllkrug für 6,5 Millionen Euro an Jahr später an Bremen.

Ein Vergleich von Füllkrug und Maina liegt scheinbar auf der Hand, jedoch gibt es ein wichtiges Detail, das hierbei nicht übersehen werden sollte. Der heute 27-jährige Füllkrug stand im Sommer 2018 mit 25 Jahren bereits auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Maina hat diesen mit 20 Jahren noch vor sich. Während es bei Füllkrug im Sommer 2018 bereits klar war, dass er keine A-Nationalmannschaftskarriere mehr vor sich haben würde, könnte Linton Maina diese Entwicklung in seinen jungen Jahren ohne Zweifel nehmen.

Der damals 25-jährige Füllkrug und der heute 20-jährige Maina befanden sich in zwei komplett unterschiedlichen Entwicklungsstadien ihrer Karriere. Sie lassen sich kaum vergleichen.



Wenn man nach einem Vergleich sucht, ließe sich eher Salif Sané als Beispiel nehmen. Obwohl Vereine wie Köln und Wolfsburg im August 2016 nach dem Bundesligaabstieg von Hannover 96 anklopften, sprach 96-Geschäftsführer Martin Kind ein Machtwort: Er erklärte den aufstrebenden Salif Sané für unverkäuflich, um die Mission Wiederaufstieg nicht zu gefährden. Es war, wie wir im Rückblick wissen, nicht die schlechteste Entscheidung, Sané damals nicht zu verkaufen: Der Wiederaufstieg in der Saison 2016/17 gelang knapp – auch dank Salif Sané. Der Senegalese entwickelte sich zum Führungsspieler weiter, half Hannover 96 beim Klassenerhalt und konnte anschließend gewinnbringend für acht Millionen Euro an Schalke verkauft werden.

Salif Sané wurde im Sommer 2016 für unverkäuflich erklärt. Der anschließende Aufstieg wäre ohne Sané wohl nicht gelungen.

Fazit

Der junge Linton Maina wird in der kommenden Saison zu einem Schlüsselspieler werden, wenn Hannover 96 um den Aufstieg mitspielen will. Selbst mit Kölns Millionen ist nicht garantiert, dass Hannover 96 auf die Schnelle gleichwertigen Ersatz findet, der sofort einschlägt, ohne sich monatelang in Hannover eingewöhnen zu müssen. Gleichzeitig wird Maina in einem Jahr mehrere Millionen Euro mehr wert sein, wenn er sich als U21-Nationalspieler bei der EM präsentieren kann: Dann werden größere Vereine als der 1. FC Köln anklopfen. Last but not least: Linton Maina fühlt sich ausgesprochen wohl in Hannover. Er selbst wird am besten wissen, was gut für ihn ist.

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