Rückblick aus der Sicht eines Balljungen: Als Hannover 96 den KSC mit 8:0 bezwang

Gregor Grillemeier erzielt das 7:0, KSC-Torhüter Alexander Famulla streckt sich vergeblich. Foto: Imago

Warum unser Blog 96Freunde heißt? Weil hier Leute am Werk sind, die Sympathien für Hannover 96 haben. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Und aus den unterschiedlichsten Gründen hat es mal angefangen. Beim Autor dieses Textes lag das vielleicht auch daran, dass er in seiner Jugend selbst für diesen Verein gespielt und daher seine Lieblinge oft beim Training gesehen hat – doch ausgerechnet beim 8:0-Kantersieg gegen den Karlsruher SC nicht im Stadion sein konnte. Ein Rückblick auf eine kuriose Geschichte.

96Freunde-Autor Stephan Hartung spielte in seiner Jugend selbst für die „Roten“. Foto: privat

Auch wenn sich Hannover 96 derzeit in einem positiven Lauf befindet und, Corona-Pause hin oder her, drei Siege im Stück eingefahren und dabei zehn Tore erzielt hat – gegen den Karlsruher SC wird es am Mittwoch (18.30 Uhr, HDI-Arena) mit Sicherheit nicht so deutlich wie damals am 22. November 1986. Damals wie heute handelte es sich um ein Zweitliga-Gastspiel der Badener. Die Hannoveraner gewannen in dieser Höhe sensationell mit 8:0. Dabei muss man erwähnen, dass der KSC in der Spielklasse kein Fallobst war. Er gehörte zwar zu diesem Zeitpunkt der Saison, als die 96er vorzeitig die Herbstmeisterschaft eintüteten, nur zum Tabellenmittelfeld. Dennoch stieg Karlsruhe am Saisonende zusammen mit Hannover auf.

 

Das 8:0 ist bis heute der höchste Pflichtspiel von Hannover 96 im Profibereich. Zwar gab es im Kalenderjahr 1997 sogar noch deutlichere Erfolge (9:1 gegen Concordia Hamburg, 10:0 gegen Göttingen 05). Jedoch spielten die „Roten“ damals in der Regionalliga – zwar drittklassig, aber nicht Bestandteil des Profibereichs wie die 3. Bundesliga heute.

 

Herrlich antik: Der Spielerpass von 1986 mit Wappen des Niedersächsischen Fußballverbands – dazu abgestempelt vom Hannoverschen Sportverein von 1896 e.V. Foto: privat

 

Ein Rekordsieg also, den ich eigentlich hätten miterleben sollen. Nicht auf der Tribüne, das kann ja jeder. Nein, auf der Tartanbahn und damit direkt am Spielfeldrand. Ich war mit meiner D-Jugendmannschaft von Hannover 96, heute würde man wohl „U12“ sagen, als Balljunge eingeteilt. Der Dienstplan war damals ganz einfach: Jede Mannschaft aus der 96-Jugend war einmal pro Saison an der Reihe. In der Spielzeit davor waren wir Kinder beim Bundesliga-Heimspiel gegen Waldhof Mannheim die Zuwerfer, erst Jahre danach habe ich erfahren, dass ich spätere Stars wie Jürgen Kohler, Fritz Walter und Maurizio Gaudino aus nächster Nähe gesehen habe. Und an diesem 22. November 1986 sollte die D1 beim Heimspiel gegen den Karlsruher SC im Einsatz sein. Alle waren dabei. Nur ich nicht. Ich war krank.

 

Sämtliche Überredungskünste fruchteten nicht. Dass es mir doch schon wieder gut geht, dass ich mich auch warm anziehen kann – half alles nichts, meine Eltern blieben hart. Aus dem Bett hörte ich an diesem Sonntagnachmittag Radio und damit die Neuigkeiten aus dem Niedersachsenstadion, geschildert vom begeisterten NDR-Reporter. Und die Nachricht über jedes 96-Tor sorgte für eine süß-saure Freude: Toll… aber wie bitter, dass ich nicht im Stadion bin… Ein Gefühl, dass sich mit jeder Ergebnisveränderung verstärkte.

 

Und Anlass dafür gab es genug. Bis zur Pause führte Hannover durch Tore von Bastian Hellberg (37.) und Siggi Reich (45./Foulelfmeter) mit 2:0. Nach dem Wechsel begann die wilde Fahrt. Binnen acht Minuten erhöhten Karsten Surmann (52.) und Hellberg (54., 59.) auf 5:0 – drei Treffer also des Abwehrchefs, das erlebt man auch nicht alle Tage. Genauso wie den Schlussakkord – den lieferte Gregor Grillemeier mit einem Hattrick binnen 18 Minuten (72., 75., 90.).

 

Der nächste Tag in der Schule – irgendwie ein komisches Gefühl. Eigentlich wurde man von den Klassenkameraden, die um die 96-Sympathien wussten, nur nach Niederlagen auf das Bundesliga- oder Zweitliga-Spiel vom Wochenende angesprochen. Doch diesmal war das anders. 8:0? Stimmt das wirklich? Das ist ja super! Die Komplimente und Schulterklopfer fielen so stark aus, als hätte ich selbst neben Siggi Reich im Sturm gespielt. Hätte ich auch fast, wäre zumindest ganz nah dran am Rasen gewesen. Und deswegen war ich gegenüber meinen verdutzten Mitschülern auch nicht so gesprächig – das kannten sie von mir sonst nur nach weitaus anderen Ergebnissen meiner Lieblingsmannschaft.

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