Rückblick auf den Sieg gegen Wolfsburg: Die „jungen Wilden“ bei Hannover 96 machen Spaß – der Trainer aber auch

Ein "junger Wilder": Linton Maina machte in dieser Saison bereits auf sich aufmerksam, vor allem aber beim 2:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg. Foto: Getty Images

Eigentlich war die Fragerunde der Journalisten schon beendet. Nach der Pressekonferenz des Wolfsburg-Spiels hatte sich 96-Trainer André Breitenreiter, wie immer, noch Zeit für die Vertreter der schreibenden Zunft genommen. Eine der letzten Fragen beinhaltete, auf welche Spieler der Coach nun in der neuen Woche beim Training wegen der Länderspielabstellungen verzichten müsse. Sieben Kicker zählte Breitenreiter auf, doch der achte Name wollte ihm partout nicht einfallen.

„Jetzt weiß ich es: Henne!“, sagte Breitenreiter und lachte. Die zunächst verdutzten Journalisten verstanden den Spaß, noch ist Hendrik Weydandt kein Mann für die Nationalelf. Was sich am kleinen Witz von Breitenreiter aber deutlich zeigte: Nach den jüngsten Negativerlebnissen inklusive erster Anzeichen von Unruhe im Umfeld, sind nach dem wichtigen 2:1-Sieg im Niedersachsenduell gegen den VfL Wolfsburg gute Laune und Lockerheit zurück.

Ohnehin hatte Breitenreiter gut lachen. Denn nur wer wagt, der gewinnt – so lautet ein bekanntes Sprichwort. Der Coach war ein großes Risiko eingegangen. Linton Maina und Noah Joel Sarenren Bazee in der Startelf – damit hatte er Freund und Feind überrascht. Beide Spieler waren gerade erst wieder fit geworden. Breitenreiter wusste, dass ihre Luft nicht für 90 Minuten reichen und er sie frühzeitig vom Feld würde holen müssen – sein Plan ging aus mehreren Gründen auf.

Einerseits weil sich kein anderer Spieler verletzte oder Auswechslungen aus taktischen Gründen nötig gewesen wären. Ansonsten hätte das Wechselkontingent nicht mehr her gegeben, weil mit Maina und Sarenren Bazee ohnehin zwei sichere Wechsel vollzogen werden mussten. Andererseits weil sich die beiden Außenbahnläufer als „junge Wilde“ präsentierten und an mehreren guten Aktionen beteiligt waren – bei Maina natürlich mit dem sehenswerten Volleyschuss zur 1:0-Führung als Höhepunkt.

Aber die jungen Wilden zeigten sich darüber hinaus auch clever und abgezockt wie alten Hasen – und verschafften ihren Mannschaftskollegen bei ihren jeweiligen Auswechslungen zusätzliche Zeit zum Durchatmen und sorgten dafür, dass weitere wertvolle Sekunden vergingen. Sarenren Bazee (23 Jahre) ging aufreizend langsam vom Platz. Als Schiedsrichter Marco Fritz, der ihn ermahnte und um mehr Tempo bat, kurz nicht hinschaute, blieb der 96er stehen und zog seine Schienbeinschoner aus den Stutzen – fast hätten ihn die verärgerten Wolfsburger zur Seitenlinie getragen. Fünf Minuten später war Dienstschluss für Maina (19). Der Youngster wusste, dass nun seine Auswechslung anstehen würde. Doch noch bevor der vierte Offizielle die elektronische Tafel aktiviert und die Nummer 40 eingegeben hatte, lief Maina in Richtung Außenlinie der Westtribüne – damit der Weg herüber zur anderen Seite möglichst weit ist und sich weitere Sekunden von der Uhr nehmen lassen.

Es waren nicht die einzigen jungen Wilden, die auftrumpften. Im Mittelfeld agierten Walace (23) und Ihlas Bebou (24) überragend, sie sind nicht viel älter. Bebou beantwortete zudem die Frage, die in den vergangenen Tagen und Wochen aufkam: Wer ist eigentlich bei 96 der Führungsspieler? Der Deutsch-Togolese war im extrem wichtigen Wolfsburg-Spiel mit einer Vorlage und einem Tor zur Stelle. Zudem übernahm er auch Verantwortung, als er den Elfmeter zum 2:0 sicher verwandelte.

Apropos Bebou: Er ist übrigens der achte Spieler, der für Länderspiele abgestellt ist. Nach kurzer Überlegung fiel André Breitenreiter der noch fehlende Name ein.

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