Lieber Aufstieg als 10 Millionen: Endlich macht Martin Kind alles richtig. Ein Kommentar.

Kind gibt Fehler zu und ändert öffentlich seinen Kurs: Kommt die Weisheit im Alter? Das mag sich so mancher 96-Fan gefragt haben, als Martin Kind sich in den letzten Monate mit ergrautem Vollbart in der Öffentlichkeit zeigte. Im letzten halben Jahr traf er die richtigen Entscheidungen für 96.

Im April 2016, als die BILD und einige wortlaute prominente Hannoveraner am liebsten Mirko Slomka auf dem Trainerstuhl gesehen hätten, gab Martin Kind dem Druck der Öffentlichkeit nicht nach. Doch nicht nur das, auch brachte er seinen verantwortlichen Manager Martin Bader von seinem Kurs ab, der lieber einen anderen Trainer verpflichtet hätte – wäre es nach Bader gegangen, hätte wohl Kosta Runjaic auf der Trainerbank Platz genommen.



Stattdessen schlug Klubchef Kind den Weg ein, der gewagt war, aber konsequent: Er beförderte 96-Jugendtrainer Daniel Stendel zum Cheftrainer. Ein Offener Brief mit 3.900 Unterstützern aus der 96-Fanszene hatte seine Entscheidung dabei beeinflusst. 



Zudem scheint Kind ein Gespür dafür entwickelt zu haben, was wirklich zählt im Verein. In einem NP-Interview sagte er, dass es für ihn zukünftig nicht mehr in erster Linie um „die Marke 96“ gehen werde.

„Die Fans haben einen Traum, den dürfen wir nicht zerstören. (…) Das habe ich falsch gemacht, aber ich bin lernfähig“, sagte Kind im Interview.

 

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Zaghaft zwar, aber die Botschaft ist klar: Kind will im Umgang mit den Fans vieles richtig stellen. „Das habe ich falsch gemacht“, gibt er zu. Die Fokussierung auf „die Marke 96“ gehört der Vergangenheit an, sagt er.

 

Im Vorfeld der Mitgliederversammlung erkannte Martin Kind zudem, dass er niemals hätte Jörg Schmadtke gehen lassen dürfen („Mein größter Fehler“) und dass die Verpflichtung von Dirk Dufner eine falsche Entscheidung war („Ich weiß ja, was unsere Manager verdient haben, ich würde mehr arbeiten“).

Warum diese späte Einsicht? Dafür gibt es einen klaren Grund:

Martin Kind hat Hannover 96 in den ersten Jahren wie ein normales Unternehmen geführt, ähnlich wie sein Hörgeräteunternehmen. Doch das führt mittlerweile längst sein Sohn: Martin Kind hat hier keine operative Verantwortung mehr. Im Gegensatz zu Hannover 96: Hier ist Kind weiterhin in der Verantwortung.

Während das Kapitel „Kind Hörgeräte“ für ihn abgeschlossen ist, ist Hannover 96 für ihn der letzte und mittlerweile wichtigste Baustein in seinem Lebenswerk. Dieses Lebenswerk will er ruhigen Gewissens – wie „Kind Hörgeräte“ – in einem intakten Zustand hinterlassen und übergeben.

Intakter Zustand – das heißt mindestens Erstklassigkeit.

Deshalb auch dieser Antrieb, mit aller Kraft zurück in der erste Liga zu streben – am besten in diesem Jahr. Bei der wichtigsten Entscheidung war Kind auch konsequent: Die VW-Millionen für Sané haben ihn in keiner Weise locken können.

Das dreckige Spiel von Sanés Beratern (mehr dazu hier) hat er durchschaut und weggelächelt. Und Sané selbst ist motiviert geblieben, ließ sich nicht hängen und gab gegenüber seinen Mitspielern nun auch das Versprechen, nicht zu wechseln.

Drei schwierige Entscheidung, drei richtige Entscheidungen:

1. Die Entscheidung pro Stendel – gegen alle Widerstände.

2. Das langsame, aber doch unverkennbare Zugehen auf die Fans.

3. Das konsequente Ignorieren der Wolfsburg-Millionen für Sané.

Nach all der harten Kritik der letzten Jahre hat Martin Kind in den letzten Monaten vieles richtig gemacht. Hut ab, Herr Kind.

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