Kein Harnik? Panik!

Erneut Fußball zum Abgewöhnen

Seine Tore sind die Lebensversicherung von Hannover 96. Foto: Joachim Sielski/Bongarts/Getty Images.


Hannover – Hannover 96 siegt mit 1:0 gegen die Löwen, kann aber zum dritten Mal Folge nicht überzeugen. Herzlich Willkommen zur 96. Minute – Die Spielanalyse von und mit Tim Block. Hier fassen wir nach jedem Spiel die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Exklusiv für und bei 96Freunde.de.

Seine Tore sind die Lebensversicherung von Hannover 96. Foto: Joachim Sielski/Bongarts/Getty Images.


Wie zuvor schon gegen Bielefeld und gegen Karlsruhe lässt die Mannschaft all das vermissen, was den Sport so begeisterungswürdig macht: Tempo, schön herausgespielte Strafraumszenen und vieles mehr. Dieses Mal jedoch wurden die wichtigen drei Punkte eingefahren und Stuttgart sowie Union sind weiterhin auf Schlagdistanz. Meine Analyse zum Spiel gegen die Löwen. Viel Spaß beim Lesen.

Wille war da

Die Elf von Daniel Stendel versuchte sich spielbestimmend zu organisieren und das Spiel zu dominieren. Der Versuch, sich durch das kompakte Mittelfeldpressing zu kombinieren, wird von den Sechzigern im Keim erstickt. So blieb nur noch, sich drum herum zu spielen. Hauptsächlich über die linke Außenbahn wurden diese in der Praxis stümperhaft ausschauenden Versuche durchgeführt.

Interessante Umstellungen

Edgar Prib, der eine beeindruckende Trainingswoche hinter sich gehabt haben muss, lief gegen die Münchner als Kapitän von Beginn an auf. Ich, der erkältet war und nicht am Stadionerlebnis teilnehmen konnte, holte schonmal den starken Hustensaft hervor. Das könnte lustig werden, dachte ich. Für den verletzten Oliver Sorg lief rechts hinten Marvin Bakalorz  auf. Waldemar Anton hingegen ersetzte den gesperrten Kapitän, Manuel Schmiedebach, auf der zentralen Position. Der Sinn hierfür muss wohl gewesen sein, dass Anton deutlich mehr Kopfballstärke mitbringt und wesentlich ruhigere Vorstöße im Vergleich zu Baka vorweisen kann.

Das Bild der ersten Halbzeit: Viel vom Ball, wenig vom Spiel

Mit etwas besserer und kürzerer Bindung zu den Außenverteidigern, einem zentral aufbaufähigem Sechser und einem öfter nach Halblinks rotierenden Iver Fossum, boten sich Hannover mehrere Kurzpassoptionen im Spielaufbau. 1860 München ging dem entgegen, indem sie hauptsächlich das Zentrum zustellten und abwarteten bis Edgar Prib im Zuspiel, Felix Klaus in der Ballannahme, oder Martin Harnik im Stellungsspiel ein Fehler passierte.  Durch ein nachlässiges Mittelfeldpressing der Münchner Löwen, konnte unsere Mannschaft weitestgehend das Spiel flach aufbauen. Es waren nur wenig hohe Bälle nötig, die durch gutes Pressing provoziert wurden.

Hohes Tempo als Problem

Ab und an ließen sich die Central-Backs dazu hinreißen einen langen Ball auf die Flügel zu schlagen, eine (hypothetische) stümperhafte Verlagerung zu nutzen um das Zentrum wieder anzuspielen. Durch die zurückfallenden Außenstürmer, die abkippenden Sechser und die Verteidiger auf den Außenbahnen war der Weg ins Zentrum versperrt und der Weg nach vorne fast nur durch hohe Bälle auf Harnik zu erreichen. Das ist eben auch der Vorteil einer 5er-Kette. Oft versuchte es Hannover mit solchen Vorstößen um eben dann die in die Lücken laufenden Klaus und Harnik zwischen die Halbverteidiger und die aufgerückten Flügelverteidiger zu bekommen. Hierbei stellte sich das zu hohe Tempo, mit dem der Ball auf die Seiten geschlagen wurde, als Problem dar.

Ein bisschen mehr Hektik nach der Pause

Ohne Grund – keine Wechsel und keine Umstellungen auf beiden Seiten – aber vielleicht wegen der  Flügelstürmer-Rollen bei 96 mit Sarenren Bazee (vor der Pause für Karaman) rechts und Klaus links wurde das Spiel hektischer. Dementsprechend lief die Fünferkette der Gäste etwas passiver auf und das Spiel wurde nach dem Wiederanpfiff schneller und vertikaler. Auch aggressiveres Pressen von 96 nach Rückpässen auf den Torwart oder die Innenverteidiger, führte zu mehr langen Bällen und Klärungsaktionen. Das Aufrücken der 96-Sechser auf den zweiten Ball zeigte die Räume auf, die der TSV durch den Rückzug von Aigner und Amilton  besser schließen konnte.

Glücklich Führung

Das Zurückfallen der Sechser und Stürmer aus dem Aufrücken ins hohe Pressing, dosierte bei der Elf von Daniel Stendel den Zugriff auf Abpraller und Ablagen nach langen Bällen aus der gegnerischen Hälfte. Wie schon in der Angriffsszene zuvor rückte schließlich Klaus nach knapp einer Stunde auf den rechten Flügel zu Sarenren Bazee herüber und leistete so seinen Beitrag zur Entstehung des nicht unbedingt planvoll erspielten Führungstreffers nach einem Einwurf.

Gäste werden nicht belohnt

Die Löwen versuchten im Anschluss das Spiel zu drehen. Die Flügelverteidiger standen wesentlich höher  und vermochten so den Druck auf beiden 96-Außenverteidiger zu erhöhen. Letztendlich jedoch kamen die Bemühungen der Münchner zu spät um eine Wendung herbeizuführen und Hannover 96 konnte das Duell am Ende auch Dank toller Paraden von Philipp Tschauner in der ersten Halbzeit für sich entscheiden.

Fazit:

Hannover 96 versuchte sich wie auch schon im Spiel gegen Bielefeld, mit Ballbesitzansätzen, die nicht konsequent genug verfolgt wurden. Durch ballsichere Spieler wie Iver Fossum und Sebastian Maier, der sich in seiner raumsuchenden Rolle mit dem raumöffnenden Norweger gut zu ergänzen weiß, ist durchaus Potenzial für ein solides Ballbesitzspiel vorhanden. Das passt aber überhaupt nicht zu den hektischen Phasen im Spiel, die man durch feine taktische Änderungen durchaus downgraden könnte. Beispielsweise könnte etwas enger am Mann verteidigt werden und Räume besser angelaufen werden. Man könnte aber auch auf Spieler setzten, die mit dem Ball etwas mehr können. Dafür war der verletzungsbedingte Wechsel von Kenan Karaman auf Sarenren Bazee für das Spiel mit dem Ball echt Gift.

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