Heute vor 28 Jahren: Das DFB-Pokalhalbfinale gegen Werder Bremen – und wie es der Autor selbst erlebt hat

Heute vor 28 Jahren gab es für die 96-Fans einen guten Grund, die Fahnen zu schwenken. Foto: Getty Images

Es handelt sich zwar um keine runde Zahl – aber dennoch um einen guten Anlass zur Erinnerung. Heute vor 28 Jahren, am 8. April 1992, traf Hannover 96 im Halbfinale des DFB-Pokals auf Werder Bremen. Das Resultat des Spiels ist bekannt – ebenso die Geschichten rund um Torhüter Jörg Sievers, der während des Elfmeterschießens mitten auf dem Platz von Trainer Michael Lorkowski gefragt wurde, ob er nicht schießen wolle. Der historische Abriss soll diesmal jedoch aus der Sicht des Autos erfolgen – und dabei auch erörtern, warum er als glühender Fan von Hannover bewusst nicht im Stadion war.

Ach, was lagen wir uns in den Armen – damals im Oktober 1991. Hannover 96 hatte als Zweitligist den nächsten Bundesligisten aus dem DFB-Pokal gekegelt, im Viertelfinale des Wettbewerbs musste der Karlsruher SC dran glauben. Die „Roten“ bezwangen im Niedersachsenstadion den KSC um Torhüter Oliver Kahn durch ein Tor von Mathias Kuhlmey mit 1:0.

Für meinen Schulfreund, ständiger Begleiter bei allen 96-Heimspielen, und mich war das im Alter von 15 Jahren eine ganz besondere Geschichte: Hannover 96 stand nicht nur im Halbfinale, sondern war demnächst auch live im deutschen Fernsehen zu sehen. Denn erst ab der Vorschlussrunde nahmen die öffentlich-rechtlichen Sender Direktübertragungen vor. Nicht wie heute also Live-Fußball mit allen Teams an jedem Spieltag und mindestens eine Begegnung pro Pokalrunde im TV – als Fan eines Zweitligisten konnte man froh sein, wenn man im Ligaalltag überhaupt mal abends bewegte Bilder in der Zusammenfassung bekam.

Dann war der 8. April 1992 gekommen. Werder Bremen hieß der Gegner – der Titelverteidiger zwar nicht als Traumlos, zudem standen die Hanseaten in dieser Zeit im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger und sollten diesen später auch gewinnen, aber immerhin ein Heimspiel. Karte kaufen oder zu Hause gucken? Bei meinem Kumpel ergab sich die Frage von selbst: Die Partie fiel in die Osterferien, der Urlaub auf Djerba war bereits gebucht – das ist eben Pech. Für mich war jedoch von vorneherein klar: 96 live im Fernsehen, das ist alternativlos. Aus heutiger Sicht verrückt, wenn man bedenkt, dass ich auch bei Spielen vor 5000 Zuschauern bei nasskaltem November-Wetter gegen Stahl Brandenburg oder den FC Homburg auf meinem Stammplatz war.

Statt prächtige Stimmung im vollen Stadion also Sofa-Atmosphäre mit meinen Eltern. Cola war normalerweise nicht erlaubt, an diesem besonderen Abend aber schon. Gut, dass ich mein Glas bereits leergetrunken hatte, als Michael Koch in der Verlängerung auf Pass von Milos Djelmas das 1:0 erzielte – so fiel beim Sprung nach oben und dem anschließenden Freudentanz nur die Tüte Chips auf den Boden. So voll war sie aber auch nicht mehr nach 95 Minuten.

Doch die Ernüchterung folgte nur kurz darauf. Bremen glich durch Rune Bratseth aus. „Was für ein Landsmann ist der?“, wollte meine Mutter wissen. Falsche Frage für einen Teenager, der jetzt auf solche Konversationen gar keine Lust hat. Beim dritten Nachfragen schien meine Mutter zu merken, dass es mir die Sprache verschlagen hatte und ließ mich in Ruhe – wobei mein Vater später erzählte, dass er die Situation durch ein leichtes Kopfschütteln beruhigen konnte.

Das Elfmeterschießen ist bekannt und endete 6:5 für die Gastgeber. Dass Sievers trifft und danach den entscheidenden Elfmeter von Marco Bode hält, ist ebenso 96-Basiswissen. Ein weiterer Fehlschütze der Bremer ist jedoch zuvor Rune Bratseth. „Jawoll, der Norweger!“, habe ich gebrüllt und bin wieder aufgesprungen.

Das Endspiel habe ich dann übrigens mit meinem Freund wieder zusammengeschaut. Live im ZDF mit Kommentar von Dieter Kürten. Nach dem Finale sind wir auf unseren Fahrrädern durch die Ortschaft gefahren und haben laut gesungen. Und wir haben sogar Pyro gezündet. Denn den dicken China-Kracher, den wir rund sechs Monate zuvor bei der Silvesterfeier bewusst zurückgehalten und mit dem Namen „Pokalsieger-Böller“ versehen haben, haben wir mit einem lauten Knall im Vorgarten seiner Eltern hochgehen lassen.

 

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