Frust über den Videobeweis, Frust über die Spieler: Für viele Fans ist Hannover 96 nicht mal mehr Mittelmaß

Verpatztes Heim-Debüt für Kocak in Hannover (Photo by PIXATHLON/PIXATHLON/SID/)

Hannover – Neuer Trainer, alte Probleme: Auch bei der Premiere von Coach Kenan Kocak verpasst Hannover 96 einen Heimsieg.

Was bleibt von der ersten Heimniederlage unter Kocak? Erstens viel Frust über den Videobeweis. Zweitens die Tatsache, dass ein neuer Trainer die alten Probleme nicht einfach wegzaubern kann. Drittens die dumpfe Vorahnung, dass es diese Saison im Abstiegskampf noch eng werden könnte. Und viertens die Erkenntnis, dass die sportliche Leitung einen mittelmäßigen Kader zusammengestellt hat, der strukturell den meisten anderen Zweitligakadern unterlegen ist. Aber der Reihe nach.

Nach einer enttäuschenden Leistung unterlagen die Niedersachsen zum Abschluss des 14. Spieltags in der 2. Bundesliga Darmstadt 98 mit 1:2 (1:2) und konnten damit Relegationsrang 16 nicht verlassen.

Dass die Gäste durch ein Eigentor von 96-Innenverteidiger Waldemar Anton schon in der vierten Minute in Führung gingen, war symptomatisch für die aktuelle Situation des Bundesliga-Absteigers. Zwar konnte Hannover in der 14. Minute durch Genki Haraguchi ausgleichen. Doch Tobias Kempe traf in der 29. Minute zur erneuten Führung für die Hessen.

Schon nach 45 Minuten hatten die 22.100 Zuschauer die Geduld mit den Platzherren verloren, ein Pfeifkonzert begleitete die 96-Profis in die Kabine. Auch Kocak wirkte genervt von den Leistungen seiner Schützlinge und verschwand umgehend in den Katakomben. Der 38-Jährige ist nach Andre Breitenreiter, Thomas Doll und Mirko Slomka bereits der vierte Trainer bei Hannover 96 in diesem Kalenderjahr.

Möglicherweise hätte die Begegnung einen anderen Verlauf genommen, wenn 96-Torjäger Hendrik Weydandt nach 34 Sekunden für die Gastgeber per Kopfball getroffen hätte. Doch insbesondere in der ersten Halbzeit wirkte das Team verunsichert und ideenlos. Am Samstag kommt es für die „Roten“ nun zum Nordduell beim FC St. Pauli.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst wenig am Geschehen auf dem feuchten Rasen. Trotz Feldüberlegenhelt kam Hannover 96 kaum zum Abschluss, nur Marvin Ducksch hatte eine Einschussmöglichkeit (55.), drosch den Ball aber weit über die Querlatte. Kocak reagierte auf die Misere und ersetzte Edgar Prib durch den offensiveren Emil Hansson (58.), der deutich quirliger als Prib agierte.

Ein Tor vor Hannovers Marc Stendera (87.) fand keine Anerkennung, weil der Ball zuvor den Rücken von Schiedsrichter Martin Thomsen berührt hatte. Diese Regel existiert erst seit dieser Saison. Schiedsrichter Thomsen pfiff nicht direkt ab, sondern wurde erst vom Videoschiedsrichter dazu gezwungen, die Aktion zu überprüfen. Stendera sah erst Gelb wegen Protestierens gegen die Toraberkennung, in der Nachspielzeit (90.+2) dann Gelb-Rot, weil er wütend die Eckfahne aus der Halterung trat.

Die Aberkennung des Tores war frustrierend, die neue Regel mutet mehr als merkwürdig an. Zumal die Frage bleibt: Warum nahm Schiedsrichter Thomsen das Tor nicht direkt zurück, wenn er den Ball doch am Rücken gespürt haben muss? War es dann nicht eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters, das Tor trotzdem zu geben?

Genauso frustrierend war jedoch die Leistung der meisten 96-Spieler. Einige gelungene Flanken von Albornoz, ein paar starke Dribblings von Hansson, ein kämpferischer Auftritt von Weydandt – all das konnte nicht kompensieren, dass die meisten Spieler wie Ducksch, Anton, Prib und Muslija nach wie vor weit unter ihren Möglichkeiten blieben. Zwar muss man dem neuen Trainer natürlich noch mehr Zeit zugestehen – doch wieviel Zeit hat Hannover 96 noch? Es riecht mehr nach Abstiegskampf denn nach gesichertem Mittelfeld. Quo vadis, 96?

1 Kommentar

  1. Ja, Herr Kind,

    ich würde es mal mit einem neuen Trainer versuchen. Das Dutzend (Trainer) pro Jahr ist zwar kaum noch zu schaffen (wenngleich der neue Rhythmus – nach jedem verlorenen Spiel ein neuer Trainer – ja schon mal stimmt), aber das halbe Dutzend ist doch locker noch drin, oder?                                                              

    Ein Unternehmens-Führer, dem es an einer entscheidenden Qualität für einen CEO mangelt, nämlich die richtigen Manager für die richtigen Positionen zu finden, der sich seit Jahren dauernd "irrt" und falsche Entscheidungen trifft  – der ist fehl am Platze.

    Oder – wie der Volksmund sagt – "der Fisch stinkt vom Kopf".

    Wenn nicht schon jetzt sowieso – aber in der 3. Liga ist Hannover 96 dann völlig unverkäuflich. Da müßten Sie schon Ihre Sicherheiten verwerten – aber dann auch den Bereich Hannover "weitgehend umfahren".

     

     

     

     

     

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