Erst angespannt, dann locker: So präsentierte sich Martin Kind im „Doppelpass“ bei Sport 1

Martin Kind stellte sich im "Doppelpass" auf Sport 1 den Fragen der Experten. Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images.

Es gibt sicherlich angenehmere Termine: Gestern, und damit einen Tag nach dem desaströsen Auftritt von Hannover 96 bei der 0:3-Niederlage in Hoffenheim, war Präsident Martin Kind zu Gast in der Sendung „Doppelpass“ von Sport 1. Zu Beginn wirkte Kind ein wenig angeschlagen, im weiteren Verlauf der Talkrunde vom Flughafen München aber souveräner und teilweise witzig.

Hannover 96 nahm in der von Thomas Helmer moderierten Sendung einen Schwerpunkt ein. Und bevor dieser Themenblock dann abgeschlossen war und es mit dem FC Bayern weiterging, ergriff Stefan Effenberg das Wort. „Respekt, dass Herr Kind sich hier stellt in einer sportlich schweren Situation. Es gibt genug Leute, die vor der Sendung anrufen und absagen“, lobte der Experte, was für Beifall des Publikums sorgte.

Zuvor wurde Kind mit den Fragen konfrontiert, die zu erwarten waren: Zeitpunkt des Trainerwechsels, Bundesliga-Tauglichkeit der Mannschaft, 50 plus 1 und natürlich das Ende seiner Amtszeit als Chef des Breitensportvereins. Und die eklatanten Fehler aus dem Hoffenheim-Spiel wurde sogar mehrfach gezeigt und diskutiert.

Apropos Fehler: Zum Ende eines Einspielfilms stellte die Doppelpass-Redaktion die Frage, auch mit Blick auf die Statistik von 15 Trainern und 10 Managern in der Amtszeit von Kind, welche Mitschuld dieser an der Misere trage. Seine Antwort: „Jeder, der Verantwortung trägt, trägt eine Mitschuld. Wenn kein Erfolg da ist, hat man Fehlentscheidungen getroffen.“ Helmer hakte ein: „Was war ihr größter Fehler?“ Weil Kind überlegte, grätschte Helmer nochmal dazwischen: „Oder waren es so viele?“ Der 96-Präsident zählte die Erfolge aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten auf, sprach dann aber Fehler an, „die Personalentscheidungen betreffen“.

Natürlich ging es auch darum, wie 96 den Kader zusammengestellt hat und welche Einigkeit darüber unter den Verantwortlichen herrschte. In der Talkrunde saß auch der frühere Sportschau-Moderator Reinhold Beckmann. „Herr Kind, Sie greifen gern von oben ein. Sie sind Unternehmer, da müssen Sie das machen. Aber im Fußball läuft das anders.“ Kind hielt inne, machte eine kurze Pause – es war nicht das einzige Mal, erst später wird der Präsident entspannter. „In der letzten Rückrunde haben wir nur 14 Punkte geholt. Da hätten wir schon aufmerksam werden müssen“, gab Kind zu. Glück für ihn: Seine Floskel „Das Leben ist kein Wunschkonzert“ überhört die Talkrunde, ansonsten hätte er drei Euro ins Phrasenschwein einzahlen müssen.

In dieser Phase wurde die Sendung zu einem echten Doppelpass – nämlich zwischen Beckmann, der inzwischen das Ruder an sich riss, und Martin Kind. Beckmann, der seine niedersächsische Herkunft betonte und über die Möglichkeiten der fußballbegeisterten Region Hannover schwärmte, wetterte gegen die geplante Abschaffung von 50 plus 1. „Bei Arsenal können sich manche Fans kein Ticket mehr für Heimspiele kaufen. Das kann doch niemand bei uns wollen.“ Kind konterte elegant. „Das muss ja nicht in Deutschland auch so sein. Bei uns wird sich das Preisniveau zumindest nicht ändern.“

Zurück zum Hoffenheim-Spiel. Effenberg kritisierte: „Wenn du da unten stehst, dann brauchst du Zweikämpfe, dass es knallt.“ Kind war ehrlich. „Wir haben körperlos gespielt.“ Dabei sollte unter Thomas Doll alles besser werden – womit man bei der Auswahl des neuen Trainers war. Kind berichtete von drei Kandidaten. Thomas Helmer fragte nach. „Wer waren die anderen beiden?“ Kind nun in guter Form: „Die Namen habe ich vergessen.“ Lachen und Applaus aus dem Publikum. Der 96-Präsident betonte, dass Doll der Wunschkandidat war. „Er ist gern zu uns gegenkommen“, sagte Kind und schob mit einem Augenzwinkern einen Nachsatz hinterher, der zeigte, dass man auch in angespannten Situationen ein wenig Humor haben darf. „Ich weiß nicht, ob er das jetzt auch noch gemacht hätte – nachdem, was er jetzt so erlebt.“

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