Wie viel ist der Fan in der Kurve noch wert?

Nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk - doch tragen wir selbst darin eine Mitschuld?

Leere Ränge vor dem ersten Geisterspiel in Osnabrück: Ungewohnt auch für 96-Trainer Kenan Kocak. Foto: Imago

Das erste Heim-Geisterspiel steht vor der Tür. Unser Kolumnist Frank hat sich zu diesem Anlass in seiner Kolumne „Frank sieht rot“ ein paar Gedanken gemacht. Lest selbst!

Bevor ich zum Tagesgeschäft komme, wollte ich erstmal ein wenig in Erinnerung schwelgen. Am 24.5 vor 22 Jahren gab es ein denkwürdiges Fußballspiel in unserem Wohnzimmer. Nach dem aus Sicht der Roten schmeichelhaften 2:0 für TB im Hinspiel war die Ausgangsposition alles andere als gut und es brauchte schon ein mittleres Wunder, um noch den Aufstieg perfekt zu machen. Man brauchte nach der frühen Führung irgendwie das zweite Tor, um sich mindestens in die Verlängerung zu retten. Die Fans im ausverkauften Niedersachsenstadion gaben alles für den zweiten Treffer. Und dann kam die 84. Minute und Milo schoss das heiß ersehnte Tor. Ein Tor für die Ewigkeit! Verlängerung, Elfmeterschießen, Aufstieg. Auf den Rängen gab es es nun kein Halten mehr. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, Bierduschen von allen Seiten.

Träumen wird nicht verboten, ist aber sinnlos

Doch kommen wir zum Hier und Jetzt. Da gab es das erste Geisterspiel der Roten gegen Osnabrück. Nach dem frühen Gegentor und dem glücklichen Ausgleich fing die zweite Halbzeit wie die erste an: Wieder ein frühes Gegentor! Danach waren wir wie gelähmt und es ging nichts mehr. Osnabrück war am Drücker. Doch dank Haraguchi, Ducksch und Kocaks klugen Wechseln kam es noch zum Sieg. Wenn man das ganze Spiel sieht, war das 2:4 sicherlich zu hoch ausgefallen. Doch die gute Botschaft: Mit diesem Sieg und dem Nachholspiel gegen Dresden dürfte der Klassenerhalt sicher sein. Nach oben geht realistisch nichts mehr, träumen ist trotzdem nicht verboten, aber es wird beim Träumen bleiben.

Masken und e.V.-Spende: Zwei schöne Aktionen

Apropos Träumen: Da kam man bei Hannover 96 auf die tolle Idee, man könnte ja mal ein paar Masken zum Selbstkostenpreis unter die Fans bringen. Eine wirklich lobenswerte Aktion! Doch Hannover 96 bestellte nicht genug – ich habe die Zahl 2.000 Stück gehört – das reichte natürlich niemals, man kam mit der Lieferung nicht hinterher. Aber jetzt soll jeder seine Maske bekommen. Und fürs Warten bekommt man eine Maske gratis. Erfreulicher Nebeneffekt der Aktion, man konnte Masken an die Diakonie spenden. Ich habe mir natürlich auch Masken bestellt, weil ich gerne soziale Einrichtungen in meiner Heimat unterstützte. Des Weiteren spendeten Baka, Prib und sechs weitere Spieler von 96 noch 30.000 Euro an den eV, was ich nicht für selbstverständlich halte. Das sind doch schöne Nachrichten.

Die eisernen DFL-Funktionäre

Eher ein Albtraum sind für mich die Geisterspiele, die es ja mindestes bis zum Rest der Saison geben wird. Die Fanszene hat sich eindeutig gegen Geisterspiele ausgesprochen. Martin Kind, der die Geisterspiele befürwortete, machte sich immerhin für ein generelles Umdenken des Profifußballs stark. Einige Funktionäre sind auf den Zug aufgesprungen – ich fürchte nur, in einem Jahr wird niemand mehr von diesen Vorschlägen wie dem Salary Cap etwas hören wollen. Die DFL blieb jedenfalls dabei, die Saison auf Biegen und Brechen gegen alle Widerstände durchzubringen. Man erstellte ein sogenanntes Hygienekonzept, dem Restart mit Geisterspielen stand nichts im Weg. Und obwohl sich Kalou einen furchtbaren Fauxpas erlaubte, Dynamo Dresden nochmal in Quarantäne musste, Heiko Herrlich mit Anlauf gegen alle Regeln verstieß und Verstraetes Interview eigentlich Bände sprach, zog die DFL das Konzept eisern durch.

Wie viel ist der Fan in der Kurve noch wert?

Es zeigt sich insgesamt, wie weit sich das Produkt Fußball vom Ursprung entfernt hat. Dass Sky als Bonbon für die Couch Fangesänge aus der Konserve einspielt, dass Gladbach Pappkameraden auf den Sitzen platziert, zeigt doch vor allem eins: Der Fan in der Kurve ist kaum mehr als ein schmückendes Beiwerk im Event Fußball. Aber ganz ehrlich, bei aller Meckerei, trägt nicht jeder von uns, der eine Karte kauft, der sich ein hoffnungslos überteuertes Sky Abo oder DAZN Abo zulegt, der Trikots zum Preis von 80 Euro kauft, auch insgeheim mit dazu bei, dass dieses Produkt Fußball floriert wie nie zuvor? Eigentlich ja, wenn wir ehrlich sind. Im Gegenzug sollten wir uns deshalb aber auch das Recht herausnehmen dürfen, Fehlentwicklungen im Profifußball zu kritisieren – eben weil wir Teil dieser Maschinerie sind, wenn auch nur das kleinste Rad am Wagen.

Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich für heute und wünsche Euch viel Spaß beim Spiel gegen Karlsruhe. Bis bald, Euer Frank

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