Der Sieg gegen Karlsruhe offenbart die Notwendigkeit des Bijol-Transfers

Der Saisonauftakt verlief ganz nach dem Geschmack der Niedersachsen. Nach dem souveränen Pokalsieg in Würzburg folgte ein 2:0-Auftaktsieg in der Liga gegen den Karlsruher SC. Die Gäste galten vor der Partie noch als eine Art „Angstgegner“, denn aus den vorherigen drei Begegnungen trugen die Roten keinen Sieg davon. Mit Zuversicht dürfte man nun in die neue Woche starten. Besonders erfreulich war das bärenstarke Comeback von Linton Maina, die finale spielerische Raffinesse brachte man jedoch noch nicht auf den Platz…

Shootingstar Linton Maina hat mal wieder (fast) allen die Show geklaut. Nach langer Verletzungspause binnen des Trainingslagers durfte der 21-Jährige am Samstag endlich wieder auf dem Feld gegen das Leder treten und bedankte sich prompt mit einem Treffer für das entgegengebrachte Vertrauen. Für seinen ersten Torjubel der neuen Saison benötigte er nicht einmal 20 Einsatzminuten (Einwechslung in Minute 66, Tor in Minute 85). Auch das vielseits vermisste Tempospiel kehrte mit seiner Personalie zurück an die Leine. Ähnlich wie Genki Haraguchi (welcher Mainas Treffer auflegte) reißt er mit seiner quirligen Spielweise Lücken in die gegnerische Hintermannschaft und sorgt daher nicht nur mit seinen eigenen Aktionen für Gefahr, sondern öffnet die Tür für seine Mitspieler.

Starkes Comeback von Linton Maina beim 2:0-Sieg gegen den KSC

Auch ein anderer Offensivspieler machte auf sich Aufmerksam, allerdings nicht in gewohnter Rolle. Die Rede ist von Stürmer Marvin Ducksch, welcher seinen Worten Taten folgen lässt. In einem Interview vergangene Woche sagte er noch mit Blick auf seine Trefferleistung in der zurückliegenden Spielzeit „…und wenn wir eine erfolgreiche Saison spielen und ich weniger als 15 Tore habe, wäre das auch voll okay.“ Gesagt, getan: Seine neue Rolle ist die des Vorbereiters. Eine Vorlage gegen die Kickers, nun die Vorbereitung vor dem wichtigen Führungstreffer durch Kapitän Kaiser. Seine Übersicht (18 der 23 Pässe sind angekommen) und sein Zweikampfverhalten (65 Prozent gewonnen) haben sich definitiv verbessert. Am Ball agiert er ruhiger und abgebrühter als noch in der letzten Saison.

Und auch Dominik Kaiser blüht in seiner Rolle als Abräumer auf. Bei der Verpflichtung im Januar wurde er als torgefährlicher Mittelfeldspieler angepriesen, diesen Anspruch erfüllt er nun. In zwei Spielen konnte er schon doppelt knipsen und ein Tor auflegen, unter dem Strich sind dies schon zwei Tore mehr als in der zurückliegenden Rückrunde. Seine Läufe in die Schnittstelle sind geschickt getimed und auch sein Passspiel ist eine Bereicherung für das Aufbauspiel. Sein Offensivdrang hängt definitiv mit dem Spiel von Mike Frantz zusammen. In der Rückrunde 19/20 war Kaiser an die Defensivarbeit gebunden und Vorstöße bedeuteten absolutes Risiko. Durch die konstante Arbeit von Mike Frantz wird dieses Risiko abgefangen, das Mittelfeldduo wird uns in dieser Saison noch viel Freude bereiten.

Nichtsdestotrotz wird es im Mittelfeld auch eine Veränderung geben müssen. Die Karlsruher schafften am Samstag zu oft den Durchbruch in das letzte Drittel, nur dank starker Abwehrarbeit und etwas Glück klingelte es nicht im Gehäuse. Im Blickpunkt steht die Position des Sechsers, welche am Wochenende von Josip Elez ausgefüllt wurde. Der Kroate ist zweifelsohne eine Konstante im Team, allerdings in der Verteidigung. Als defensiver Abräumer agierte er unglücklich und wurde folgerichtig in der 57. Minute ausgewechselt. Das Spiel plätscherte am 26-Jährigen vorbei, er konnte nur die Hälfte seiner Zweikämpfe gewinnen und leistete sich zu viele Fehlpässe (23 Prozent). Die Position ist unheimlich wichtig für das Aufbauspiel und auch Trainer Kocak hat erkannt, dass Elez in der Defensive (wo er definitiv gute Leistungen abliefert und der Mannschaft hilft) besser aufgehoben ist.

Hannover 96 leiht Jaka Bijol von ZSKA Moskau aus (Photo by Sputnik/Sputnik/SID/)

An dieser Stelle kommt der zehnte Neuzugang Baka Bijol ins Spiel. Hannover 96 hat den talentierten Mittelfeldakteur zunächst für ein Jahr vom sechsfachen russischen Meister ZSKA-Moskau ausgeliehen. Sofern den Roten der Aufstieg gelingt, besitzen sie eine Kaufoption. Bijol verzichtet somit auf Gehalt und den internationalen Wettbewerb, um sich bei 96 beweisen zu können. Der slowenische Nationalspieler dürfte die Lösung auf der Sechs sein, immerhin ist er hier zu Hause. Der 1,90 Hüne bringt die nötigen „Aufräumqualitäten“ mit, in Russland bissen sich die Gegenspieler an ihm die Zähne aus. In der zurückliegenden Spielzeit bestritt er insgesamt 34 Spiele (Liga, Pokal und Europa League) und sammelte zudem vier Scorerpunkte. Insbesondere sein starkes Passspiel (durchschnittlich 81 prozentige Erfolgsquote) und sein konzentriertes defensives Zweikampfverhalten dürften künftig ein Trumpf sein.

„Jaka Bijol ist das nächste wichtige Puzzleteil für unsere Mannschaft“(…) [Er verkörpert] „genau das, was wir brauchen. Jaka ist technisch versiert, kann aber auch abräumen.“ (Gerhard Zuber)

Man muss bedenken, es war der erste Spieltag. Im Vordergrund steht die exzellente Ausbeute inklusive der durchaus vorhandenen guten Spielansätze. Dass das komplette Spielgeschehen noch nicht perfekt ist, weiß auch Coach Kocak. „Wir waren sehr passiv und nicht aggressiv. Dennoch hat sich die Mannschaft reingebissen, über das Spiel viele Chancen liegen lassen…“ Die angesprochenen Schwächen wird man im Training gut aufarbeiten. Zudem sind die Neuzugänge noch nicht final in das 96-Spiel eingebunden (z.B. Twumasi und Bijol), daher wird es auch hier noch eine Verstärkung geben. Das Umfeld von Hannover 96 neigt gerne zur Schwarzmalerei, diese ist hier jedoch komplett unangebracht. Die Roten vollziehen einen großen Umbruch, daran gemessen hat man den Start mit Bravour gemeistert. Der Blick in die Zukunft sollte die Vorfreude wecken. 

 

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