„Sturm und Drang“: Diese Mannschaft wird uns noch richtig Freude machen!

Auf den Spuren von Ralf Rangnick? Dank Sobiech, Schmiedebach, Maier und Albornoz hat 96 eine offensiv überzeugende Leistung im ersten Saisonspiel gezeigt. Aber kann es zum Wiederaufstieg reichen? Ein Kommentar.

Beim verdienten 4:0 gegen Kaiserslautern (Tore durch Maier, Anton und zweimal Sobiech) zeigte das 96-Team eine kämpferisch und offensiv erstklassige Leistung.

Artur Sobiech hat die Chance, in der zweiten Liga zum Star der Mannschaft zu reifen. Dass Sobiech das nötige Handwerkszeug besitzt, sich zu einem guten Stürmer zu entwickeln, hat er einst in den Europa League-Spielen unter Mirko Slomka andeuten können, bei denen er mit schöner Regelmäßigkeit als Joker kurz vor Spielende ein Tor erzielte.

Doch weder Slomkas Nachfolger Tayfun Korkut noch Michael Frontzeck oder Thomas Schaaf förderten den jungen Polen.

Erst Daniel Stendel vertraute Sobiech bedingungslos. Was viele Trainer offenbar lange übersehen haben:




Sobiech besitzt ein sehr gutes Pressingverhalten, ist horizontal ungemein beweglich und schafft es mit seinem intelligenten Stellungsspiel, den Aufbau des Gegners zu stören.

Seine Spielintelligenz demonstrierte Sobiech herrlich beim 1:0-Treffer, als er den Ball mit klugem Körpereinsatz vorm Gegenspieler abschirmte und somit Maiers Torschuss erst ermöglichte.

Wenn jetzt noch Niclas Füllkrug fit wird (der Ricklinger hat gestern mit dem Training wieder angefangen, vielleicht reicht es schon zu einem Einsatz gegen Fürth) und Martin Harnik zu Normalform findet, werden die Gegner von Hannover 96 regelmäßig 3-4 Treffer pro Spiel kassieren. 

Nur die Abwehr war in der ersten Hälfte gegen Kaiserslautern unsicher. Diese Anfangsnervosität wird sich (hoffentlich) bald legen.

Insbesondere Salif Sané schien zu Beginn des Spiels gedanklich in Wolfsburg zu sein – sein Zweikampfverhalten war mäßig, er leistete sich ungewohnte Fehlpässe, ärgerte sich bei misslungenen Aktionen auch über sich selbst. Ärgerlich: Sanés Berater lassen nicht locker, im Gegenteil, sie stören schon den Alltag bei Hannover 96:



Während des Trainings von Hannover 96 stehen sie erstaunlich oft an der Seitenlinie: Es wirkt zuweilen, dass sie mit ihrer ständigen Präsenz Sané aus dem Konzept bringen. Eins steht fest: Salif Sané, der in der vergangenen Hinrunde positiv aus Michael Frontzecks verunsicherter Truppe herausragte und mehrere Tore erzielte, spielt zurzeit weit, weit unter Normalform.

Hervorzuheben sind übrigens nicht nur Neuzugang Sebastian Maier und Stürmer Artur Sobiech, sondern auch der bissige Kapitän Manuel Schmiedebach und Außenverteidiger Miiko Albornoz.

Gerade für Albornoz wird es eine innere Freude sein, unter Daniel Stendels Regie zu spielen:




Denn Stendels System mit zwei hohen Außenverteidigern gibt Albornoz die Möglichkeit, seine ausgeprägten Offensivkünste (scharfe Flanken, schnelle Vorstöße über die Flügel) in Szene zu setzen.

Größter Risikofaktor ist eindeutig, dass das Wechseltheater um Sané anhält. Selbst wenn der 31. August und damit die Transferperiode vorüber ist, wird das ungeliebte Thema in der Winterpause neu aufkochen. Das liegt vor allem daran, dass Hannovers Defensive von Sané abhängig ist.

Wenn mit dem Schweden Alexander Milosevic ein zweiter Innenverteidiger verpflichtet würde, der auf einem ähnlichen Level wie Sané spielt und zur Not den Job des Abwehrchefs übernehmen könnte, wäre die Abhängigkeit von Sané nicht so groß – und Hannover 96 könnte gelassener mit der Causa Sané umgehen.

Fazit: Diese 96-Truppe ist zu gut für die zweite Liga. Ob ein Durchmarch wie einst unter Ralf Rangnick gelingt, scheint aber wegen der Defensivprobleme fraglich. Nicht alle Gegner werden sich so naiv wie Kaiserslautern verhalten.

Nichtsdestotrotz ist der Wiederaufstieg ein realistisches Ziel. Weiter so!

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