Was ist das Comeback von Hannover 96 gegen Karlsruhe wert?

Die taktische Überraschung mit Voglsammer als Rechtsverteidiger ist keine Dauerlösung.

Was ist da los und warum hat unsere Mannschaft nach dem gewonnenen Derby scheinbar das Siegen verlernt? Warum macht man sich neuerdings das Leben schwer, verpennt erste Halbzeiten, nur um dann unter Hochdruck nochmal einzelne Punkte zu retten? Und hat das eher mit dem Ausrufen des Aufstiegs durch den Geschäftsführer zu tun, oder sind doch die fehlenden Elfmeter des fehlenden Cedric Teuchert schuld, wie Experten es vorausgesagt hatten…?

Es hätte ein geiler Tag werden können, mit einem Dreier gegen den KSC am Abend als Schaum auf dem frisch gezapften Bier. Feierabend, Wochenende, und der Einkauf am Nachmittag summierte sich bereits auf orakelnde 118,96 Euro. Das Abendessen war lecker und die Startaufstellung mit Oudenne und Tresoldi hätte ein Zeichen an ein versöhnliches letztes Heimspiel vor der Winterpause sein können. Hätte hätte…

Dann aber starte Hannover 96 zu voreilig in den Winterschlaf und schenkte einer mittelmäßigen Truppe aus Baden gleich zwei katastrophale Tore. Mal wieder verpennte Hannover die ersten wichtigen Ballaktionen, um ins Spiel zu kommen. Mal wieder hätte der Gegner sehr schnell ein, zwei oder sogar drei Tore schießen können, weil wir kollektiv am Flattern waren.
30 Minuten lang kamen die nervösen Hausherren überhaupt nicht ins Spiel, ließen die angekündigte Intensität und Aggressivität vermissen. Es klappte einfach nix, was mehr Selbstbewusstsein hätte bringen können. Ballgewinne wurden billig wieder hergeschenkt und hinten war man offen wie ein Hosenstall am Herrenklo. Erst danach, so nach einer halben Stunde, erarbeitete man sich mehr als 60% Ballbesitz, vergab aber die wenigen Chancen durch Köhn und Nielsen schlampig. Im Gegenzug tauchten die Karlsruher immer wieder gefährlich vor dem Sechszehner von Ron-Robert Zieler auf.

Das Spiel im Aufbau war deutlich zu holprig, einmal mehr musste RRZ hellwach sein.

Wo kommt dieser Dusel her, der sich nun schon komplett durch die letzten Spiele zieht? Die Roten leisten sich in den Anfangsphase haarsträubende Auftritte und fangen sich unnötige Tore. Nur durch eine krasse Leistungssteigerung konnte man im Laufe der Spiele noch einzelne Punkte retten, beziehungsweise wie in Paderborn zumindest Einsatzwillen zeigen.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit stellte Stefan Leitl mit der Hereinnahme von Max Christiansen mehr Kompaktheit und damit Ballkontrolle im Mittelfeld her. Der von uns vor kurzen noch gefeierte Bright Arrey-Mbi blieb in der Kabine, auch als Zeichen, dass Bälle in einem Heimspiel gegen einen Gegner wie den KSC mutiger und nach vorne gespielt gehören. Damit switchte Leitl auf eine 4er Kette mit Muroya und Köhn auf Außen um und schaltete die Raute ein. Schob einer der beiden offensiv nach Vorne, ließ sich ein zentraler Mittelfeldspieler nach hinten fallen. Die generierten Ballgewinne konnten aber erst ab Minute 60 allmählich in mehr offensiven Druck umgewandelt werden. Raute hatte Leitl länger nicht mehr spielen lassen, so dass anfangs noch eine fehlerhafte Abstimmung zu bemängeln war und Hannover zunächst auch noch das schmerzliche 0:2 durch Lars Stindl schlucken mußte.

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In Minute 62 setzte Stefan Leitl weitere Impulse, nahm die blassen Nicolo Tresoldi und Enzo Leopold raus und brachte Sebi Ernst und Andreas Voglsammer. Letzterer brauchte genau zehn Minuten, um den Anschluss zu markieren und die Aufholjagd zu eröffnen. Jetzt sah man auch mehr Dampf über die linke Seite und die Ansage an Derrick Köhn im Laufe der Woche schien angekommen zu sein. Von ihm darf man durchaus mehr Risiko und 1-gegen-1-Situationen erwarten. Die letzten Spiele liefen vorrangig über die rechte Seite, doch Leitl schickte Kolja Oudenne zur Verstärkung auf links – und dieses Zusammenspiel mit Köhn klappte durchaus gut.

Hannover intensivierte im zweiten Durchgang die Laufleistung und kam besser zum Ball und mit dem Ball in die Räume, in denen es dann interessant wird.

„Dann hieß es: Leinen los und Feuerwerk-Fußball. Es ist gut, dass wir dann noch den Ausgleich erzielen. Aber die Diskrepanz zwischen erster und zweiter Hälfte war zu groß. Deswegen treten wir momentan auch auf der Stelle und kommen nicht in die Bereiche, in die wir hineinwollen. Wir brauchen eine hohe Intensität von Minute eins an. Es ist einfach wichtig, mutig zu sein. Das war mir von Minute eins an zu wenig und ab Minute 55 war’s dann in Ordnung. Ich glaube, dass wir im Tank haben, das auch ab Minute eins zu spielen.“ So Stefan Leitl nach dem Spiel.

Ein weiterer Faktor war meiner Meinung nach das wenig physische Gegenhalten der Roten. Die erste gelbe Karte gab es erst in der 87. Minute! Dabei hätte es schon in der 87. Sekunde ein Ausrufezeichen gebraucht, dass es an dem Tag nix im Niedersachsenstadion zu holen gibt! 96 zog zu wenige Fouls, das muss man leider so dreckig sagen. Paul Nebel konnte im Mittelfeld machen, was er wollte und rannte uns anfangs schlicht davon. Das zentrale Mittelfeld um Kunze und Leopold erwischte einen seltenschlechten Tag.
Was nützen dir da 540 Pässe bei 85% Genauigkeit, wenn sie meist ertraglose bleiben…

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Christopher Scott kam zu spät – und war dennoch ein Lichtblick im Spiel gegen Karlsruhe.

Ein weiterer Lichtblick war die Hereinnahme von Christopher Scott, der mit einem satten Lattenschuss sofort ein Statement setzte. Auch seine gelbe Karte war mehr Ansage als Ausrutscher. Aggressiv, mutige Körpersprache, Lösungen auf engstem Raum, keine Angst vor Dribblings. Eine echte Option für die Startelf in Kiel!

Nochmal zu Kolja Oudenne:
– Direkt zum Man of the Match gewählt!
– Es gab Lob vom Trainer auf der PK für sein unbekümmertes Auftreten.
– Der Shootingstar aus der Regionalliga brachte von Minute 1 an Intensität auf den Platz, ohne daran zu denken, ob es dann noch bis Minute 70 reichen könnte.
– Es war seine 2. Torvorlage im dritten Zweitligaspiel
– Er legte die drittgrößte Laufleistung auf den Platz (12,1 Kilometer)
– Gab mit 4 Schüssen die meisten aller Spieler ab
– Positive Pass-Effizienz
– Neben Köhn und Nielsen der am meisten gepresste 96er
– 10 gewonnene Zweikämpfe (davor nur Neumann mit 20 und Nielsen mit 18)

Während sich im Internet viele Fans über verpasste drei Punkte auskotzten, war ich nach Abpfiff tatsächlich erleichtert, wenigstens noch das Unentschieden erkämpft zu haben. Mentalität, Wille und Comeback-Qualitäten sind bei dieser Mannschaft schon was Geiles! Wir sollten nicht jede Woche überheblich davon träumen, scheinbar kleinere Vereine immer dominant weg zu fideln. Und mir ist etwas aufgefallen, das ich nach dem letzten Spiel dann in einem gesonderten Text unter die Lupe nehmen würde…
Wie auch immer, ich freue mich auf das Spiel in Kiel (reimt sich so schön…), auf Samstagabend und Leitls „Leinen los und Feuerwerk-Fußball“, diesmal von Minute 1 an…!

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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