Das große Beben: Ab jetzt bitte nur noch gute Energie!

Das hatte sich die Fanszene in der Nordkurve sicher anders vorgestellt, als sie am Freitagabend mit einer überragenden Choreografie dazu aufrief, Hannover zum Beben zu bringen. Es krachte tatsächlich gewaltig – und das lag nicht nur am emotionalen Heimsieg gegen den Erzfeind aus Braunschweig.

Während ein Großteil von uns am Sonntag noch verkatert auf der Couch lag, platzte am Nachmittag plötzlich auf allen Kanälen die nächste Nachricht herein: Der glorreiche Hannoversche Sportverein hatte sich von Geschäftsführer Jörg Schmadtke getrennt. Was uns unerwartet aus den rosaroten Wolken riss und selbst mit einer schnell eingeworfenen Ibu nicht greifbar war, hatte seinen Ursprung offenbar schon in den Tagen und Wochen zuvor hinter den Kulissen.

Schmadtke soll seinen Trennungswunsch bereits am Nachmittag des Derbys beim Aufsichtsrat eingereicht haben – und erhielt wenig später grünes Licht von Vereinsseite. In nur drei gemeinsamen Monaten schaffte man es also, das Tuch bereits wieder zu zerschneiden und einvernehmlich getrennte Wege zu gehen. Zurück blieb ein verblüffter Fan.

Unruhe rund um Hannover 96 schadet der eigentlichen Mission

So weit, so unerquicklich. Hannover 96 hatte sich gerade einen seltenen Doppel-Derbysieg erkämpft – nicht schön, aber herrlich dreckig, effizient und emotional. Stadt, Verein und Region befanden sich in einem regelrechten Liebesrausch, der ohne Störgeräusche zum Booster für die entscheidenden Wochen hätte werden können. Doch daraus wurde nichts.

Glaubt man den Gerüchten, versuchte Schmadtke, eigene Vorstellungen zu etablieren und präsentierte einen Zukunftsplan – sowohl mit als auch ohne Trainer Christian Titz. In der Folge kam es offenbar zu internen Unruhen, Streit mit der Kapitalseite und Gerüchten über unzufriedene Spieler. Eine Gemengelage, wie gemacht für die nächste Trainerdiskussion.

Doch auch nachdem Hannover 96 am Wochenende die Reißleine zog, kehrt keine Ruhe ein. Am Dienstag nach dem Derby berichtete der Podcast „Podwart“ erneut von unzufriedenen Angestellten und zu geringen Budgets für eine erfolgreiche Zukunft. In dem Format wird vor allem der Seite um den Ex-Geschäftsführer Gehör geschenkt. Es entsteht der Eindruck, dass man in der Causa Schmadtke zwar kurzfristig eine nachvollziehbare Entscheidung getroffen hat, aber weiterhin nicht verstanden hat, warum Markus Mann vor seinem Abgang einen größeren Umbruch mit mutigen Investitionen anstoßen wollte.

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Lieber Leser, du merkst selbst: Dieses Thema ufert aus und sorgt für schlechte Stimmung – etwas, worauf nach diesem rauschenden Derby-Fest wirklich niemand Lust hat. Was wir jetzt brauchen, ist die Euphorie vom Freitagabend, um mit Rückenwind in die kommenden Spiele zu gehen. Unser Trainer hat mit dieser Mannschaft alles reingehauen und bleibt ein heißer Kandidat für den Aufstieg. Die Jungs haben sich auch in schwierigen Phasen aufgerieben und sich unseren kompromisslosen Support verdient.

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Ab jetzt: Voller Fokus auf das Geschehen auf dem Platz

Die Nebenschauplätze abseits des Rasens sollten uns daher aktuell nicht beschäftigen. Es ist Aufgabe der Verantwortlichen, diese Themen intern und mit der nötigen Sorgfalt zu klären. Ende der Durchsage.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle viel lieber über diesen magischen Freitagabend schreiben. Über die Art und Weise, wie wir die Gelb-Blauen niedergerungen haben. Wie Thordarson, Noll und Nawrocki zu Matchwinnern avancierten, während der Rest der Mannschaft arbeitete wie Landmaschinen in der Wedemark. Über die grandiose Stimmung auf den Rängen, während die Nordkurve komplett eskalierte.

Diese Bilder bleiben: Die Mannschaft, die direkt nach Abpfiff zu den Fans rennt und ausgelassen feiert. Der Moment, in dem der ganze Druck der vergangenen Wochen von allen abfällt. Oder Mustapha Bundu, der mit einem riesigen Schwenker vor der Kurve steht – pures Kopfkino, das noch Tage später für Gänsehaut sorgt.

Wer sich das noch einmal vor Augen führen möchte, dem sei die Zusammenfassung von „Hannover hautnah“ auf YouTube empfohlen – ein emotionaler Ritt durch einen Abend voller Magie.

Fußball kann und sollte verbinden

Denn genau das war es: ein Sieg und ein Abend, die sich wie pure Magie angefühlt haben. Eine Euphorie, wie man sie vielleicht nur alle zehn bis fünfzehn Jahre erlebt, wie langjährige Fans berichten. Bis tief in die Nacht zogen die Anhänger durch die Straßen und Kneipen der Landeshauptstadt und feierten sich selbst, die Mannschaft und diesen besonderen Moment.

Sky-Experte und Bielefeld-Legende Fabian Klos brachte es nach dem Schlusspfiff treffend auf den Punkt: Fußball kann gerade in chaotischen Zeiten ein verbindendes Element sein. In einer Welt voller Krisen, Kriege und Unsicherheiten bietet er für viele Menschen einen gemeinsamen Nenner. Selbst Niederlagen geben oft Kraft – und Siege wie dieser erst recht.

Mit dem Derbysieg im Rücken hat Hannover 96 nun die Chance, im Saisonendspurt noch einmal richtig anzugreifen. Also lasst uns diese Energie mitnehmen und Elversberg in der kommenden Woche einen heißen Tanz bereiten – für Stadt und Verein.

Unnützes Wissen:
Das letzte Mal, als Hannover 96 ein Heimderby mit einem Kopfballtor in der ersten Halbzeit gewann, stand am Ende der Saison der Aufstieg.

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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