Verfrühter Frühling statt düsterer Februar: Dieser Samstag hat sich wie Bundesliga angefühlt

Trotz Enttäuschung nach dem Remis: Hannover 96 überzeugt seine Fans

Hannover 96 spielt nicht ansatzweise die Saison, die man sich gewünscht hatte. Viele fürchteten sich vor den Duellen im Februar gegen drei Teams aus dem oberen Drittel. Und trotz vier Punkten aus den ersten zwei Spielen fragen sich viele, wo man zurzeit wirklich steht. Von Maxi Wilsmann.

Im 96-Freunde-Podcast („Die Lage der roten Nation“) prophezeite Gast Kitto den Roten ein düsterer Februar. Gegen Greuther Fürth, die vor dem Duell auf dem vierten Platz standen, gegen den Hamburger SV, aktuell auf Platz zwei, und gegen den Tabellenführer aus Bielefeld hätte es durchaus sein können, dass es ein Februar ohne Punktgewinn wird. Und diese Befürchtung teilten wahrscheinlich einige Fans. Doch bisher kam es ganz anders. Ohne Frage, die Spielweise der Roten gleicht noch nicht der eines Aufstiegsaspiranten, der man vor der Saison eigentlich mal sein wollte. Aber die Ergebnisse stimmen. Zumindest fast.

Nach der späten Wende im Spiel gegen Wiesbaden und dem noch späteren und bitteren Ausgleich der Wiesbadener am 20. Spieltag konnte man trotzdem den Willen erkennen. Hannover 96 hatte sich nicht aufgegeben und das Spiel noch gedreht, auch wenn sie noch den späten Ausgleich kassierten. Diesen Willen nahmen sie mit ins Spiel gegen Greuther Fürth. Trotz der unansehnlichen ersten Halbzeit kämpfte man in der zweiten Hälfte weiter und konnte am Ende trotz Platzverweis, Elfmeter für Fürth (den Zieler parieren konnte) und Antons Eigentor einen 3:1-Auswärtssieg einfahren. Und dieses Spiel schien endgültig was bewegt zu haben.

Voller Einsatz: Der quirlige Haraguchi kämpfte aufopferungsvoll.

Vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV musste Trainer Kenan Kocak wieder viel umbauen. Felipe fehlte verletzt, Elez gesperrt. Dafür durften Miiko Albornoz und Marvin Bakalorz starten, dazu feierte Philipp Ochs sein Debüt – er durfte für Edgar Prib starten. Auf dem Feld sah das dann ungefähr so aus: Eine Dreierkette aus Anton, Bakalorz und Jannes Horn, der als Innenverteidiger mal wieder ein starkes Spiel ablieferte. Davor tauchten Kaiser, Ochs und Haraguchi immer wieder im Zentrum auf, Kaiser meist etwas defensiver. Auf den Außen verrichteten Sebastian Jung und Miiko Albornoz sowohl defensiv als auch offensiv ihre Arbeit, wobei auch die beiden Stürmer, Cedric Teuchert und Linton Maina, öfters zur Unterstützung auf die Flügel zogen.

In der Defensive stand Hannover – vor allem gemessen am Spielanteil der Hamburger – die meiste Zeit ziemlich stabil. Immer wieder zogen sich die Spieler zu einer kompakten Kette zusammen, so dass die (bis Samstag) beste Offensive der Liga bis auf wenige Male nicht wirklich gefährlich zum Torabschluss kam. Und wenn doch, verzog man fahrlässig vor dem leeren Tor (56.) oder scheiterte an Anton, der zwei Mal als letzter Mann auf der Linie retten konnte (58. und 90+5.) Auch Ron-Robert Zieler konnte sich mehrfach auszeichnen (11. und 73.).

Martin Harnik konnte bei seiner Rückkehr nach Hannover keinen Stich setzen.

Auf der anderen Seite reichte eine Aktion aus, um das erstmals seit über einem Jahr ausverkaufte Stadion in Ekstase zu versetzen. Nach einer tollen Hereingabe von Linton Maina scheiterte Cedric Teuchert im ersten Versuch an Hamburgs Kapitän van Drongelen, doch im Nachsetzen konnte der Stürmer den Ball in die Maschen schießen. Wie schon in den letzten beiden Partien durfte Teuchert über einen Treffer jubeln.

In der Folge wurde der Wille und die Kampfkraft der Hannoveraner deutlich: Trotz des großen Drucks der Hamburger schien es den zweiten Heimsieg der Saison zu geben! Doch dann kam die 96. Minute (eigentlich sollte nach fünf Minuten Nachspielzeit bereits Schluss sein). Ecke Hamburg, scharf herein getreten von Sonny Kittel. Wer weiß, vielleicht konzentrierte sich Hannovers Abwehr zu sehr darauf, den nach vorne geeilten HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes zu decken. Und es kam, wie es kommen musste. Ein Aufsetzer-Kopfball in die obere Ecke, kein 96-Verteidiger am ersten Pfosten, Zieler aus kurzer Distanz ohne realistische Chance und die über 15.000 mitgereisten Hamburger bekamen doch noch einen Grund zum Jubeln.

Riesige Enttäuschung bei Hannover 96 nach dem Schlusspfiff.

Was nimmt man nun aus dem Spiel mit? Auf der einen Seite steht mal wieder nur ein Punkt durch einen späten Ausgleich – wie bereits gegen Wiesbaden und Karlsruhe. Auf der anderen Seite steht ein Punkt gegen den Tabellenzweiten, eine kompakte Defensive trotz mehrerer Ausfälle und eine kämpferische Leistung der Mannschaft. Mit etwas Abstand kann man trotz der Enttäuschung wahrscheinlich einen Punktgewinn im Spiel gegen den HSV sehen, was in unserer immer noch brenzligen Lage als Erfolg gewertet werden kann. Wenn man in Sachen Kampfkraft, Wille und Teamgeist so weitermacht und spielerisch, vor allem im Mittelfeld, noch eine Schippe drauflegt, kann es bei den Freunden aus Bielefeld sogar wieder zum Punktgewinn reichen. Und dann kann man wirklich von einem erfolgreichen Februar sprechen.

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