Gibt es jetzt den „Burgfrieden“ zwischen Ultras, Fanszene und Verein? Ein Kommentar.

Gefühlt lange her: Die 96-Mannschaft feiert mit ihren Fans. Seit dem Stimmungsboykott zeigte sich die Mannschaft von den 96-Fans schwer enttäuscht. Auch aus Enttäuschung feierte sie nach Heimspielen nicht mehr mit den Fans. Da wird sich nächste Saison jedoch hoffentlich wieder ändern! Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images.

Martin Kind hat seine Übernahmepläne aus Eis gelegt. Hat die aktive Fanszene damit ihre Ziele erreicht? Und was bedeutet das für den Stimmungsboykott? Unser Kolumnist Frank Meyer hat sich in seiner neuesten Ausgabe von „Frank sieht rot“ darüber Gedanken gemacht. 

Eigentlich haben ja heute alle 96-Fans auf die Entscheidung der DFL zu Kinds Antrag erwartet. Auch NDR Aktuell wollte darüber berichten. Da ich kurz zum Bäcker wollte, habe ich die Sendung kurzerhand aufgenommen, denn es ist ja für jeden Roten (mehr oder weniger ) von Interesse, was nun rauskommt. Schon allein damit endlich ein bisschen Ruhe einkehrt. Und dann… erstmal nichts. Und plötzlich kommt das Unerwartete: Herr Kind lässt den Antrag bis auf Weiteres ruhen!

Man konnte bis nach Cottbus die Steine plumpsen hören, die den Verantwortlichen bei der DFL vom Herzen gefallen sind. „Puh, wir müssen nicht entscheiden“ – ich kann die DFL-Funktionäre bis nach Hannover durchatmen hören. Die Entscheidung, den Antrag zurückzuziehen, spielt der DFL nur in die Hände. Denn: Hätten sie Kinds Antrag abgelehnt, hätten sie eine Klage von Kind riskiert – mit unabsehbaren Folgen für den Erhalt von 50+1 und die Liga.

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Hätten sie zugestimmt, hätten sie gegen ihre eigenen Statuten verstoßen, was die Glaubwürdigkeit des Verbandes zerstört hätte. Und Kind? Mit dieser „Entscheidung“ wahren beide ihr Gesicht. Gewonnen ist mit dieser Entscheidung der Kampf der Fanszene noch nicht. Für die einen ist das Glas nun halb voll, für die anderen halb leer. Es wird nun spannend werden, wie sich die Diskussion entwickelt und wie sich die anderen Vereine dazu positionieren. Einige wie Borussia Dortmund haben sich ja deutlich pro 50+1 positioniert (wobei man sicher auch in Frage stellen darf, wie glaubwürdig ein börsennotierte Aktienklub in der Frage ist!). Andere warten darauf, dass 50+1 fällt. Da es in den Gremien der DFL eines einstimmigen Beschlusses bedarf, wird es die nächsten Monate noch spannend werden.

Ich bin mal auf das Treffen der Fanszene gespannt , ob sie jetzt den Boykott solange aussetzen. Es wäre ein gutes Signal. Auch um Ruhe zu bekommen und die Fanszene nicht weiter zu spalten. Es ist viel Energie damit vergeudet worden, dass sich Hannover-Fans untereinander bekämpft haben. Natürlich sind noch einige Fragen aus Sicht der Kind-Gegner offen. Markenrechte, Rückkauf an den e.V, eine ordentliche Finanzierung des Vereinszentrums (nur mal um ein paar Schlagworte zu nennen). Und trotzdem wäre ein Aussetzen des Stimmungsboykotts richtig. Wenn die Fans am Samstag mit Stimmung ins eigene Stadion (zurück)kehren, käme das einer Siegesfeier gleich! Es wäre ein Triumphzug.

In meiner letzten Kolumne habe ich mir mehr Respekt unter den beiden Lagern erwünscht. Auch mehr Respekt gegenüber Spielern, die wechseln wollen (Klaus) oder Spielern, die mal gepatzt haben (Tschauni). Umso entsetzter war ich, was danach abging, es spottet jeder Beschreibung. Einige scheinen jeglichen Anstand und Respekt verloren zu haben. Was da anonym in den sozialen Medien an Beleidigungen gepostet wurde, ist unter aller Sau. Und für zivilisierte Menschen mit Verstand unwürdig. Einige scheinen jegliche Hemmungen verloren zuhaben. Zum Abschluss hoffe ich, dass in den nächsten Wochen ein bisschen Ruhe und Respekt einkehrt – so wie es sich für echte Hannoveraner gehört.

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6 Kommentare

  1. Diese Auslassungen und Beleidigungen finden nicht nur anonym statt. Und anders als verlinkte Artikel von Welt oder FAZ, die sich um Merkel, Flüchtlinge oder Kriminalität drehen, werden diese Postings nie Opfer des maas'schen Zensur Gesetzes. Egal, wie ausfallend gegen Martin Kind, aktuelle Spieler oder sportlich Andersdenkende gehetzt wird.

  2. Für viele ist wichtig, dass MK und der Vorstand von H96 mit allen Fans in einem regelmäßigen Austausch ist und das die Dinge nicht ausgesessen werden. Martin Kind hat dort erhebliche Fehler gemacht indem er die Einigkeit der Fans und den Zusammenhalt von Manschaft und Fans auf s Spiel setzte um seine eigenen Machtinteressen durchzusetzen. Er hat damit viele Fußballfans gegen sich aufgebracht. Ist es das wert? Ein Verein wird durch seine Mitglieder getragen und nicht durch eine einzelne Person. Leider hat sich MK damit keinen Dienst erwiesen und das trotz seines sehr guten Engagements. Gegen Freiburg muss es wieder krachen! Horst Heldt sollte die Fans an einen Tisch bringen und auch MK sollte versuchen wieder Vertrauen aufzubauen. 

  3.  indem er die Einigkeit der Fans und den Zusammenhalt von Manschaft und Fans auf s Spiel setzte um seine eigenen Machtinteressen durchzusetzen

    Da es scheinbar immer noch einigen nicht klar ist: für die Mehrheit im Stadion ist der Sachverhalt genau umgekehrt. Den Keil zwischen TEILEN der Fans auf der Nord und der Mannschaft ist durch TEILE der Fans hinein getrieben worden, nicht durch Martin Kind.  

    • Ich bin ernsthaft interessiert, wie viele im Stadion weiterhin fest hinter Martin Kinds Übernahmepläne stehen. Inzwischen dürfte den meisten bewusst sein, dass Martin Kind in der Vergangenheit dem zeitweise insolvenzgefährdeten Verein lediglich Assets (Markenrechte, Anteile der Profisparte) zu sehr guten Konditionen abgekauft hat.

      Diese Transaktionen beruhten wie alle anderen Markttransaktionen auch auf Leistung und Gegenleistung. Mit einer Förderung (gemeinhin definiert als freiwillige Leistung ohne Gegenleistung) haben diese Assetkäufe nichts zu tun. Selbstloses Verhalten erwarten ja aber auch keiner von Herrn Kind, so lange er im Gegenzug seine privaten Assetkäufe nicht zum Anlass nimmt, die alleinige Kontrolle über die seit 120 Jahren bestehende Fußballsparte von Hannover 96 zu legitimieren. 

      Genau das hat Herr Kind allerdings in einer beispiellos intransparenten Art und Weise getan. Der gute Mann wusste schon sehr genau, warum er seinen Antrag nie zur Abstimmung vorlegen und schon gar nicht konkrete Zahlen zu seiner Förderung vorlegen wollte. 

       

       

      • Ja, klar, 20 Jahre ehrenamtlich als Präsident arbeiten (wofür andere zwischen 500.000€ und zig Millionen im Jahr verdienen) gilt gar nichts. Warum auch?

         

  4. Egal ob Kind nun gut oder böse ist, ob er genug investiert hat oder nicht. 

    1. Ohne ihn wäre/ wird alles auseinander brechen. Werdet mal wach ihr Fußballromantiker!

    2. Persönliche Beleidigungen gehen gar nicht.

    3. Liebe Ultras! Benehmt euch… dann ist der böse Onkel Martin auch nicht so fies zu euch… Stichworte Burnly, zerstörte Züge, Platzstürme, Pyhrokacke usw.

    4. und am wichtigsten! Es geht um die Mannschaft. Ihr schadet ihr. Wenn ihr schmollen wollt gebt eure Dauerkarten zurück oder habt soviel Arsch in der Hose und bleibt weg und stellt sie Bedürftigen Fans zur Verfügung. Das wäre ein Zeichen.

     

     

     

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