Deshalb polarisiert die Personalie Mirko Slomka so sehr: Erfolge, Intrigen, späte Reue

Unter Slomka feierte 96 internationale Erfolge - doch am Ende blieben viele Scherben

Mirko Slomka: Der Erfolgstrainer (Platz 4 in der Bundesliga, Europa League-Viertelfinale) ist bei den 96-Fans trotz seiner sportlichen Erfolge umstritten. Foto: Getty Images
Mirko Slomka: Der Erfolgstrainer (Platz 4 in der Bundesliga, Europa League-Viertelfinale) ist bei den 96-Fans trotz seiner sportlichen Erfolge umstritten. Foto: Getty Images

Der Name Mirko Slomka polarisiert wie kein zweiter das hannoversche Umfeld, obwohl sich Hannover 96 unter seiner Leitung zweimal für die Europa League qualifizierte. Warum ist das so? Eine Spurensuche.

Rückholaktionen bergen immer ein gewisses Risiko. Eine erfolgreiche Zeit ein zweites Mal wiederholen – das klappt nur in seltenen Fällen. Gerade bei Trainern, die mit dem Verein große Erfolge feierten – und das hat Slomka ohne Zweifel! – ist die Erwartungshaltung des Umfelds oftmals zu groß.

Doch das ist nicht der Grund, weshalb Mirko Slomka die 96-Fans so sehr spaltet wie kaum ein anderer Name.

Erfolge und Sehnsüchte

Mirko Slomka hat sich ohne Zweifel viele Verdienste bei Hannover 96 erworben. Er kennt den Verein und die Stadt in- und auswendig. Slomka trainierte zwischen 1989 und 1999 insgesamt zehn Jahre lang unterschiedliche Hannover 96-Nachwuchsmannschaften (darunter auch Spieler wie Mertesacker, Asamoah und Kehl), wurde zwischen 2001 und 2004 Co-Trainer unter Aufstiegstrainer Ralf Rangnick. Auf viele junge Spieler wirkt Slomka, der eigentlich Mathematiklehrer ist, als ein nahbarer und verständnisvoller Trainer.

Nach dem Tod von Robert Enke rettete Mirko Slomka im Jahr 2010 die Mannschaft am letzten Spieltag mit einem 3:0 gegen Bochum vor dem Abstieg, führte die Mannschaft in der nächsten Saison auf den phänomenalen 4. Platz in der Bundesliga und darauf bis ins Viertelfinale der Europa League. 

In den Jahren 2010 bis 2012 schrieb Mirko Slomka eine beispiellose Erfolgsgeschichte in Hannover, die ihresgleichen sucht. An diese Zeit erinnern sich die 96-Anhänger sehnsuchtsvoll zurück. Wenn heutzutage der Name „Mirko Slomka“ fehlt, assoziieren ihn viele Fans mit Erfolg und Europa. Slomkas Name ist zu einer Projektionsfläche der Träume und Sehnsüchte vieler hannoverscher Anhänger geworden.

Intrigen und Zerwürfnisse

Slomka hinterließ, gerade im letzten Jahr seiner Trainertätigkeit, auch viele Scherben. Mit dem erfolgreichen Manager Jörg Schmadtke überwarf er sich und führte gemeinsam mit Springers Boulevardzeitung „Bild“ einen Kleinkrieg gegen Schmadtke. Jörg Schmadtke, der selbst als eigenwilliger Manager mit Ecken und Kanten gilt, war gemeinsam mit Slomka der Architekt der Europa-Zeit. Vom kräftezehrenden Kleinkrieg mit Slomka genervt, schmiss er im Frühjahr 2013 das Handtuch.

Der damalige Präsident Martin Kind sagte später öffentlich, dass der von Slomka mitverursachte Abgang von Schmadtke den Verein um Jahre zurück geworfen habe.

Der Führungsstil von Mirko Slomka – zumindest der Stil des „späten“ Slomkas in den Jahren 2012 und 2013 – darf getrost als kritisch bewertet werden. In Slomkas letzten Monaten als Trainer bei Hannover 96 war die Mannschaft tief gespalten. Das hat verdiente Stammspieler dazu veranlasst, den Verein zu wechseln: Bei Pogatetz und Abdellaoue gilt es als sicher, dass Slomka der ausschlaggebende Faktor war. Bei Rausch und Haggui wird es vermutet. Für Sergio Pinto hat sich Slomka trotz dessen Verdienste nicht eingesetzt.

Slomka hat damals in Hannover viel verbrannte Erde hinterlassen. Vieles von dem, was er mit eigenen Händen aufgebaut hatte, riss er mit seinem damals egozentrischen Verhalten auch wieder ein.

Einsicht und Selbstreflektion

Bei seiner Rückkehr wird Mirko Slomka zunächst nicht die volle Rückendeckung der Fans haben, denn er ist bei vielen Anhängern wegen seines misslungenen Abgangs umstritten.

Hilfreich dürfte jedoch sein, dass Slomka in der Zwischenzeit selbstkritisch reflektiert hat, mehrere Fehler begangen zu haben. Bei einem Auftritt im Sportschau-Club (ARD) gestand Mirko Slomka im Interview mit Alexander Bommes mehrere Fehler in seiner Zeit bei Hannover 96 ein. Auch entschuldigte sich Slomka dafür, dass er Valérien Ismaël als Wolfsburg-Trainer öffentlich angezählt hatte – mit der Absicht, sich selbst als Nachfolger für Ismaël bei Wolfsburg in Stellung zu bringen.

2 Kommentare

  1. Und genau das sind die Fehler, die Mirko Slomka gemacht hat. Dennoch, macht bitte nicht nur Slomka dafür verantwortlich, warum Schmadtke gegangen ist. 

    Abgesehen davon, jeder Mensch bittet um eine 2. Chance. Warum sollte man die Slomka verwehren.

    Also, es wird sowieso alles auf Anfang gestellt. Lasst uns positiv denken, und uns auf die neue Saison freuen, wo am Ende, am besten der Aufstieg steht.

    Euer Harry96

  2. Da fehlen aber noch ein paar Dinge im Artikel….

    Unter Slomka hatte die Mannschaft gefühlt nie ein Plan B mit auf den Platz bekommen. Sofern sie in Führung ging war alles ok. Nur bei Rückstand war das Spiel gelaufen, egal ob in der 5. Minute oder der 85.ten.

    Die Gegner hatten sich dann recht schnell auf die 10- Sekunden – Solo-Taktik eingestellt. 

     

    Auswärts konnten wir die Punkte mit der Post schicken. 

    Zudem wusste Herr Slomka insbesondere zu den (meist zähen) eigenen Vertragsverhandlungen immer medial zu polarisieren. Und wieviel Spieler seiner selbst zugehörigen Beratungsagentur waren noch mal im Kader? 

    Diese Entscheidung – wenn sie sich denn endgültig bestätigt – ist eine Vollkatastrophe. Kein Wunder das die Spieler flüchten. 

     

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