„Buh-Rufe, Pfiffe, höhnisches Gelächter“: Der Brief des 96-Vorstandes hat es in sich

Klubchef Martin Kind strebt eine Übernahme von Hannover 96 an. Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images.

Die Reaktionen haben es in sich gehabt: Als der Vorstand um Präsident Martin Kind seine 50+1-Pläne im April auf der Mitgliederversammlung von Hannover 96 vorstellte, gab es nicht nur zustimmende, sondern auch aggressiv negative Reaktionen der Anwesenden. Ob inhaltlich berechtigt oder nicht, ist eine Frage der Perspektive. Keine Frage der Perspektive, sondern eine Frage des Anstands war es, als einige Anwesende den Präsidenten Martin Kind mit Schmähungen bedachten, während für ihn um Mitternacht ein Geburtstagsständchen angestimmt wurde. Zwei Monate nach der Mitgliederversammlung am 27. April hat der Vorstand um Martin Kind nun reagiert und einen Brief an alle Mitglieder verschickt. Hier heißt es im Wortlaut wie folgt:

 

Sehr geehrte Mitglieder, liebe 96er,
 
rund zwei Monate sind seit unserer Mitgliederversammlung im HCC am 27. April vergangen. Wir haben im Vorstand die Zeit genutzt für eine umfassende Analyse. 
Uns haben in den Tagen nach der Veranstaltung zahlreiche Reaktionen von anwesenden, langjährigen Mitgliedern erreicht, ihr Tenor ist eindeutig: Eine Mitgliederversammlung, die geprägt ist von Buh-Rufen, Pfiffen, verbaler Aggressivität oder höhnischem Gelächter, passt nicht zu den Werten, für die Hannover 96 steht und eintritt, schadet dem Bild des Vereins in der Öffentlichkeit und wird den mit großem Engagement in den Gremien arbeitenden Ehrenamtlichen des Vereins in keinster Weise gerecht. Den Respekt, den diese für ihre Arbeit verdienen, haben wir teilweise vermisst. Es ist unser großer Wunsch, dass bei Hannover 96 künftig wieder eine faire, respektvolle Diskussionskultur und ein besseres Miteinander herrschen – auch oder gerade bei unterschiedlichen Meinungen.
 
Meinungsvielfalt ist für Hannover 96 belebend und von zentraler Bedeutung – und von uns ausdrücklich erwünscht, nicht nur bei einer Versammlung, sondern zu jeder Zeit. Wir möchten Sie, liebe Mitglieder, deshalb an dieser Stelle zum Austausch mit uns ermuntern, egal, welches Thema Ihnen am Herzen liegt.
 
Zu unserer Analyse gehört zudem die Erkenntnis, dass wir bei der Vorbereitung und Kommunikation der Mitgliederversammlung einiges besser machen können. Unsere Argumente, warum die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der sogenannten 50+1-Regel auch für den e.V. von großem Vorteil ist und dessen wirtschaftliches Fundament stärkt, haben wir nicht ausreichend genug akzentuiert. Diese Überzeugungsarbeit werden wir die kommenden Wochen und Monate intensivieren, denn wir sind fest davon überzeugt, mit dem einzigartigen „Hannover-Modell“ auch eine optimale Zukunftslösung für Profisport und e.V. zu besitzen.
 
96 hat diesen besonderen hannoverschen Weg bereits 1998 mit der Ausgliederung des Profifußballs in eine Kapitalgesellschaft eingeschlagen – mit Zustimmung und überwältigender Mehrheit der Mitglieder. Das bei Hannover 96 seitdem praktizierte Zwei-Säulen-Modell – auf der einen Seite der Breiten- und Amateursport, auf der anderen Seite das Wirtschaftsunternehmen Profifußball, beides haftungsrechtlich voneinander getrennt – hat sich in der Vergangenheit bewährt. Gesellschafter, ausschließlich aus der Region und mit Verantwortungsgefühl für diesen Standort, haben den Profibereich und den Verein mit ihren Investitionen wirtschaftlich gesund gemacht. Martin Kind hat an der Spitze des e.V. und an der Spitze der Kapitalgesellschaft mit professioneller Führung und Kapitaleinsatz das Hannover-Modell im Einklang gehalten.
 
Wer weiß, wie Hannover 96 im Jahr 1998 dastand, wird wissen, dass die Erfolgsgeschichte der jüngeren Vergangenheit alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist: 14 Jahre ununterbrochener Bundesligafußball und die sofortige Rückkehr in die Erstklassigkeit nach einem Jahr in der 2. Liga wären ohne die erheblichen Investitionen der Gesellschafter nicht möglich gewesen, genauso wenig der Stadionneubau, das neue Nachwuchsleistungszentrum/Die Akademie in der Eilenriede und das geplante neue Vereinssportzentrum in der Stammestraße. Projekte, auf die alle 96-Mitglieder stolz sein dürfen. Der Verein allein hätte das nicht leisten können – und kann das auch heute und in Zukunft nicht.
 
Als Vorstand sind wir der festen Überzeugung, dass Hannover 96 als Gesamteinheit diese Erfolgsgeschichte nur fortschreiben kann, wenn die Finanzierungsbereitschaft der bestehenden Gesellschafter gefördert und der Einstieg neuer regionaler Geldgeber erleichtert wird.
 
Grundlage dieser Zielsetzung ist Einvernehmen zwischen dem Verein und den Geldgebern des Profibereichs und keine Anfeindung von Fangruppen. Bitte helft uns dieses Einvernehmen zu erhalten.
 
Wir freuen uns darauf, mit Ihnen und Euch gemeinsam die Zukunft des e.V. zu gestalten.

Ihr Vorstand

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