Howies Himmel und Hölle

Der Betze entwickelte sich im Duell gegen 96 zu einem Hexenkessel.

Es ist schwierig, nach so einer wilden Partie wie in Kaiserslautern nicht als schlechter Verlierer zu erscheinen, wenn man sich hinterher beschwert. Und dennoch müssen wir unbedingt über einige Sachen diskutieren. Was sich dort Freitagabend vor laufender Kamera auf dem Betzenberg abgespielt hat, wirft ein ganz mieses Licht auf die Spielleitung, sprich das gesamte Schiedsrichter-Team. Eine Eskalation mit Ansage.

So, und nun lasst Euch erstmal Folgendes auf der Zunge zergehen:
Bis Ende Oktober darf sich der 1.FC Kaiserslautern über 5 Heimspiele (Liga und Pokal) mit Anstoß am Abend freuen. Das spielt einer Mannschaft, die ihre Kraft zu großen Teilen aus der Euphorie auf den Rängen zieht, natürlich wunderbar in die Karten. Spiele unter Flutlicht werden in dem Kontext zu einem unbestreitbaren Vorteil für die Hausherren. Auch die Inhaber der Fernsehrechte reiben sich die Hände bei der ganzen geilen Stimmung auf dem Betze. Unbezahlbare Fernsehbilder sowas. Und die DFL klopft sich bei so viel stimmungsvoller Fußball-Romantik auf die eigene Schulter. Wie haben wir das schon wieder super eingefädelt! Eine absolute Win-win-Situation. Und Lautern weiß inzwischen ganz genau, wie sie die besondere Atmosphäre für ihren sportlichen Erfolg nutzen können. Kommt dann noch ein wackliger Referee hinzu, nimmt der Wahnsinn seinen Lauf…

Der Betze entwickelte sich im Duell gegen 96 zu einem Hexenkessel.

Und der wackelige Referee kam hinzu. Mit Ansage buchte die DFL einen eher schwach bis schlecht bewerteten Schiedsrichter in den Hexenkessel. Klar, Hannover hätte in der 2. Halbzeit beim Stand von 1:1 aus der Kabine kommend einiges auch fußballerisch besser machen können. Das fehlt uns dann wohl in großen Drucksitustionen doch noch für die Top5 in Liga 2. Die Kritiker mögen aber bitte mal eine Mannschaft nennen, die in den letzten Jahren mental abgebrüht genug war, um in Situationen wie dieser am Freitagabend an genau diesem Ort cool zu bleiben.

Mit der Aberkennung unseres zweiten Tores und dem Geben des fragwürdigen Elfmeter gegen uns kurz vor der Pause setzte Schiri Michael Bacher ein verheerendes Zeichen und ganz Kaiserslautern leckte Blut. Wenn FC-Coach Dirk Schuster in dieser Schlüsselszene nicht den Wahnsinn in den Augen und den Schaum vor den Mund hatte, weiß ich auch nicht mehr. Wohlwissend, dass das Schiedsrichter-Team soeben die perfekte Ausgangslage geschaffen, die Büchse der Pandora geöffnet hatte. Eine bessere Motivation zum Sturmlauf gegen 96 konnte der Unparteiische gar nicht liefern… Lässt sich übrigens wunderbar am rasant steigenden „expected goals“-Wert nachvollziehen.

Zwei Schlüsselszenen drehten also das Spiel. Zunächst das wegen angeblichen Abseits zurückgenommene Tor, das 0:2, in der 45. Minute. Doch hier lag der VAR in Person von Benjamin Cortus im Kölner Keller falsch, weil er (bewusst?) das falsche Kamerabild wählte. „Frame fucking“ nennt man das in der Film- und Fernsehwelt: weil die Abseitslinie erst ca. zwei Einstellung später gezogen wurde, als der Ball den Fuß von Enzo Leopold bereits verlassen hatte, wird Andreas Voglsammer natürlich im angeblichen Abseits gezeigt. Etwas blöd, dass Derrick Köhn den Schützen und die genaue Ballabgabe verdeckte. Andererseits müsste der VAR über genügend andere Kameraperspektiven verfügen als nur die hinter Köhns Rücken. Zeigen wollten sie sie dem Fernsehzuschauer allerdings nicht…
Im direkten Gegenzug springt der kleinere Jan Elvedi dem größeren und bereits in der Luft befindlichen Marcel Halstenberg von unten in die Seite. Aua und Elfmeter. Sollte man also auch mal so mit Louis Schaub und Enzo Leopold einüben, scheint ja zu klappen.

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Gleich mehrfach brachte der Schiri die 96-Gemüter zum kochen.

Angefressen ging es in die Kabine und man kann sich denken, dass zwei solche Frechheiten etwas mit einer Mannschaft machen…

Rein analytisch musste sich 96 bis dahin nicht viel vorwerfen lassen, auch wenn das Schwächeln in der 2. Halbzeit unbestritten ist. Laufleistung und Zweikampfwerte waren für das physische Spiel im grünen Bereich. Nur mit etwas mehr Schärfe in den Pässen hätte man sich wahrscheinlich mehr Freiräume und Chancen erspielen können. 77% sind zu wenig, um ein Bollwerk zu knacken, dafür hat der FCK in der Verteidigung eben auch keine Kinder von Traurigkeit stehen. bzw hätte man die wenigen Torannäherungen, die sich boten, besser nutzen müssen.

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Man darf auch nicht vergessen, wie fassungslos die Roten in die Pause gegangen sein müssen, und man sah mit welchem Feuer Lautern aus den Katakomben kam. Natürlich macht das etwas mit der Statik. Hier gewannen die Hausherren sofort an Oberwasser und starteten einen Konter nach dem anderen. Andere spielerische Mittel konnten die Pfälzer nicht bieten, außer mal wieder bekannte Theatralik und Provokationen über den Platz zu streuen. 95 Minuten lang wurde gemeckert, geätzt und lamentiert. Jede Situation genutzt, um Gegner und Schiedsrichter zu stressen. Überall aufgebrachte Lauterer, entweder als sterbender Schwan oder mit Puls im Gesicht. FC-Coach Dirk Schuster, quasi der DNA-Geber dieser Spielweise, beschrieb es auf der anschließenden PK mit den Worten „Wir wollten die 2. Halbzeit noch etwas wilder gestalten“… Wohlwissend, dass man den Schiri spätestens jetzt so unter Druck hatte, dass man Situationen auch mal zu eigenen Gunsten ziehen konnte.

Die Harmonie der bisherigen Saison wurde kurzzeitig vergessen – hat man sich zu sehr auf den Spielleiter eingeschossen?

Das alles gipfelte dann in der roten Karte für Harvard Nielsen in der 94. Minute, in der sich der mit Abstand „most pressed player“, also der Spieler, der bis dahin am meisten auf die Füße bekommen hatte, zu einem Frustfoul hinreißen ließ. Auch hier war Schiedsrichter Bacher nicht auf der Höhe, denn in der Wiederholung konnte man ein vorausgegangenes, gelb-würdiges Eintreten/Stochern eines Kaiserslauterners auf den liegenden Nielsen sehen. Proteste wurden auch hier wieder von wild artikulierenden FCKlern und dem Publikum übertönt.
Howie also zwischen Himmel und Hölle, erst das coole Tor, dann Ballverlust zum 2:1, und am Ende der Platzverweis. Wie bitter für das norwegische Kämpferherz, der in den letzten Spielen wieder zum Motor der 96-Offensive geworden war!

Kurz zurück zur Analyse:
Das eigentliche spielerische Problem war auch diesmal unsere erneute „Über-Performance“, auf die wir ja nach vorherigen Spielen bereits hingewiesen hatten. Das heißt, ohne das aberkannte 0:2 und den nicht gegebenen Handelfmeter erarbeitete Hannover erschreckenderweise keine nennenswerten Torchancen aus dem Spiel heraus. Ein 0:3 oder 1:3 wäre wahnsinnig effizient gewesen und hinterher hätte kein Hahn nach dem Wie des Auswärtssiegs gekräht. 96 versuchte auch im 2. Durchgang die spielerische Lösung, blieb aber viel zu rechtslastig. Derrick Köhn auf links kam mit dem Pressing des Gegners nicht klar und blieb blass, auch weil Cedric Teuchert keine Lücke zur Entfaltung fand. Stefan Leitl feuerte unsere linke Seite mit Bright Arrey-Mbi und Köhn immer wieder an, „nach Vorne“ zu spielen, Druck zu machen und Fahrt auf zu nehmen. Unnötige Ballverluste taten ihr übriges und spielten den Roten Teufeln in die vertikalen Angriffs-Karten.

Es stimmt ein wenig positiv, dass Stefan Leitl nach dem Spiel ankündigte, aus den Fehlern lernen und besser werden zu wollen. Mir persönlich würde es schon reichen, in den nächsten Spielen bessere Schiedsrichter zu bekommen. Unserer Mannschaft kann ich derzeit jedenfalls nicht sauer sein…

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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