Erst zum Verzweifeln, dann zum Verlieben: 96 meldet sich zurück

Viel mehr Ballast hätte gestern kaum abfallen können. Nach den ersten 45 Minuten war ich nervlich bereits komplett am Ende. Doch das, was die Mannschaft im zweiten Durchgang gezeigt hat, war Balsam für die geschundene Seele. Der 2:1-Sieg verschafft Hannover 96 etwas Luft im Tabellenkeller und könnte den Turnaround einleiten – davon bin ich überzeugt.

Aber ist nach diesem Sieg jetzt alles gut? Natürlich nicht! Denn vor allem die erste Halbzeit hat eklatante Schwächen offengelegt. Bei aller verständlichen Verunsicherung darf es nicht passieren, dass gestandenen Spielern die fußballerischen Grundtugenden abhandenkommen.


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Es wurden unglaublich viele Bälle verstolpert und Pässe mit zu wenig Nachdruck gespielt, sodass sich Hannover 96 immer wieder selbst in Bedrängnis brachte. Das gilt insbesondere für die haarsträubenden Rückpässe zu Weinkauf. Zwischenzeitlich war die Mannschaft drauf und dran, sich das Ei selbst ins Nest zu legen.

Ich bin mir sicher, dass Wagner genau diese Probleme in der Halbzeitpause mit deutlichen Worten angesprochen hat. Denn dieses Klein-klein rund um den eigenen Sechzehner darf sich Hannover 96 nicht mehr erlauben! Dieses Überbleibsel aus vergangenen Tagen gehört endgültig verboten.

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Hannover 96 mit neuem Gesicht – Dank Wagner 

Apropos Halbzeitpause und Wagner: Das Gute an diesem Spiel ist – neben den drei Punkten – die Erkenntnis, dass die Mannschaft auf mentaler Ebene erreicht werden kann. Wagner muss in der Kabine die richtigen Worte gefunden haben. Es ist faszinierend, welchen Einfluss eine Ansprache auf das Selbstbewusstsein der Spieler haben kann. Denn vom Wiederanpfiff an waren deutlich mehr Kampfgeist, Leidenschaft und Konsequenz zu erkennen.

Wagner ist ein guter Kommunikator – das hat er unter Beweis gestellt. Und ich habe stets gesagt: Gebt dem Trainer Zeit und werft nicht gleich alles über den Haufen! Ich denke, dieses Spiel hat gezeigt, warum ich von diesem Ansatz so überzeugt bin. Auch sein Auftritt auf der anschließenden Pressekonferenz, der auf Außenstehende überheblich gewirkt haben könnte, war meiner Meinung nach genau richtig und rhetorisch meisterhaft. Denn auch Wagner weiß, dass noch lange nicht alles gut ist.

Sahiti und Chakroun blühen auf

Was auch richtig gut ist, ist das Aufblühen zweier neuer Matchwinner: Emir Sahiti und Husseyn Chakroun. Wie schon gegen Lautern überzeugte Sahiti mit einer hohen Passquote in der gegnerischen Hälfte (81 Prozent), zahlreichen Ballführungen (64), vier progressiven Läufen mit insgesamt 22 Metern Raumgewinn und sechs erfolgreichen Dribblings. Chakroun wiederum hat nicht nur getroffen, sondern auch den Elfmeter herausgeholt.

Hinzu kommt das Comeback von Bundu. Auf den Flügeln könnte sich dadurch tatsächlich wieder etwas entwickeln. Dass der Treffer von Källman aberkannt wurde, ist für mich eine Frechheit. Ich bin dennoch frohen Mutes, dass auch sein Selbstbewusstsein durch das gestrige Erfolgserlebnis gestärkt wird.

Hannover 96 kann nach diesem wichtigen Sieg etwas befreiter in die neue Woche starten. Die drei Punkte sind enorm wichtig, doch mindestens genauso wertvoll ist die Erkenntnis, dass die Mannschaft lebt, sich zurückkämpfen kann und unter Wagner offenbar den richtigen Zugang findet.

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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