So, jetzt darf man gespannt sein, was den Meckermäulern noch einfällt, die unter der Woche kein gutes Haar an Titz und seiner Truppe gelassen hatten. Ein Unentschieden gegen Elversberg wurde bereits als Abgesang auf den Aufstiegskampf schwarzgemalt – so zumindest der Eindruck. Die passende Antwort lieferten unsere Männer nun mit einem der besten Auswärtsauftritte der Saison.
Mit voller Gier und Galligkeit nahm 96 den Lilien den Schneid ab und fügte Darmstadt tatsächlich die erste Heimniederlage der Saison zu. Über 80 Minuten hinweg gab es keine nennenswerte Darmstädter Torchance und das trotz dreier verletzungsbedingter Auswechslungen bei den Roten. Die Aufstellung aus Hannover hatte um 19:30 Uhr vielleicht noch Fragen aufgeworfen. Spätestens mit den ersten aggressiv eroberten Bällen und sauber vorgetragenen Angriffen war eine Stunde später Ruhe im Karton bei Meckerpresse und Miesepetern.
Christian Titz stimmt 96 optimal ein
Christian Titz hatte einmal mehr eine feine taktische Marschroute „gekocht“ und seine Startelf mental auf den Punkt vorbereitet. Man konnte ihm stundenlang zuhören, um anschließend die Details auf dem Spielfeld zu erkennen. Zungeschnalzend saß ich am Samstagabend vor dem Fernseher und schwärmte meiner Frau davon vor. Diese von vielen Fans kritisch beäugte Startelf machte nahezu alles richtig und nahm dem ambitionierten Gastgeber komplett die Butter vom Brot. Die Kirsche auf der Torte war das Rumpelstilzchen, zu dem Florian Kohfeldt mutierte, als sein Plan nicht aufging.
Wie schon gegen Elversberg ließ 96 mit einer neuen defensiven Kompaktheit, dem „schwimmenden Sechser“ – alias Enzo Leopold – und einer Überladung des zentralen Mittelfelds kaum etwas zu. Auch Darmstadt wurde davon völlig überrascht. Gleichzeitig ließen sich Noel Aseko und Benni Källman immer wieder auf den rechten Flügel fallen und öffneten Räume für das einrückende Mittelfeld. Christian Titz hat in den letzten Wochen aus der Not heraus still und heimlich Lösungen gefunden, die wohl kaum jemand auf dem Zettel hatte.
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Wer hätte gedacht, dass er es sich leisten kann, etablierte Akteure der Hinrunde (Bundu, Chakroun, Matsuda und vor allem Ghita!) einfach auf der Bank zu lassen und vermeintlich abgeschriebene Spieler wie Allgeier und Taibi derart stark zu machen? Letzterer agierte in Darmstadt zeitweise wie sein Landsmann Zinedine Zidane: Kurzpass-Orgien, Laufstärke ohne Ende und die Außenrist-Vorlage zum 0:2! Der Steckpass-Spezialist entpuppt sich aktuell als zusätzlicher Neuzugang zur Crunchtime.
Auch Stefan Teitur Thordarson zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen zurück. Sein schnell ausgeführter Freistoß und das anschließende Zusammenspiel mit Taibi waren ein Paradebeispiel für die hellwachen und zielstrebigen Aktionen gegen einen direkten Konkurrenten.
Darmstadt-Spiel als Bestätigung für konstante Arbeit
Dieses Spiel war die größtmögliche Bestätigung dafür, wie wichtig im Verlauf einer Saison auch jene Spieler werden, die in Presse und Fanforen oft vorschnell abgeschrieben werden. Es wirkt beinahe so, als hätte der Coach genau auf diesen Moment hingearbeitet, um taktisch noch einmal richtig aufzutrumpfen. Das bislang so stabile Darmstadt fand kein Mittel gegen die niedersächsische Umklammerung. Eine Aufstellung, die eine Stunde vor Anpfiff noch für Stirnrunzeln sorgte, präsentierte sich hervorragend vorbereitet. Man könnte fast meinen, dass Titz’ akribische Arbeit bereits in den Wochen zuvor den Grundstein gelegt hat, um nun den nächsten Schritt nach oben zu machen.
Mitte der Woche meldete sich auch Vereinsphilosoph Martin Kind zu Wort:
„Wir haben eine gute Mannschaft, die alle Potenziale hat, den Aufstieg zu erreichen. Sie müssen selbst erkennen, dass sie eine große Chance haben.“
96 auf den Spuren vom HSV?
Er spielte damit unbewusst auf die Nervenschlacht des Hamburger SV an, der im Frühjahr 2025 einen ähnlichen Reifeprozess durchlief. Damals navigierte Trainer Merlin Polzin sein Team durch eine kleine Ergebniskrise, als der Aufstieg zu kippen drohte. Doch rechtzeitig – drei Spieltage vor Schluss – erreichte er seine Mannschaft auch mental und half ihr, die Chance des Moments zu nutzen. Der Gegner hieß damals übrigens ebenfalls Darmstadt…
Ganz ähnlich präsentierten sich nun die Roten ein Jahr später am Böllenfalltor. Sie belohnten sich mit mental enorm wichtigen Punkten, nachdem zuvor bereits der doppelte Derbysieg eingefahren wurde und man am Vorabend des 130-jährigen Vereinsjubiläums die bis dahin ungeschlagene Heimfestung der 98er stürmte. Gerade im Saisonendspurt sind das unbezahlbare Energydrinks, die Kopf und Beine gleichermaßen beflügeln.
Alternativ lohnt sich in dieser Woche auch ein Spaziergang durch unsere wunderschöne, in Farben und Flaggen gehüllte Landeshauptstadt – Gänsehaut garantiert zur Primetime der Saison. Der nächste Flutlichtsamstag kann kommen: Hannover will feiern
Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!
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Wie immer sehr geil geschrieben, auf gegen Paderborn. Bitte 3 Punkte im Niedersachsenstadion.
Wir freuen uns drauf 🖤🤍💚