96 in Hamburg: Zieht Metzgermeister Bernd Hollerbach den HSV von der Schlachtbank?

96 ein kniffliger Gegner für Hollerbachs Heimpremiere

Von Felix Magath hat HSV-Coach Bernd Hollerbach viel gelernt. Foto: Getty Images

Hollerbach orientiert sich eng an seinem Mentor Felix „Quälix“ Magath: Eine Grundtugend sei körperliche Fitness, betont der neue HSV-Trainer Bernd Hollerbach. Dennoch stehen die Karten eher schlecht für den HSV, schreibt unser Hamburger Gastkommentator Marcus „Scholle“ Scholz (rautenperle.com). Lest hier den pointierten Gastbeitrag von „Scholle“ über das kleine Nordderby Hamburger SV gegen Hannover 96 (Sonntag 18 Uhr)!

Der kleine HSV gegen den großen HSV – früher bedurfte das eigentlich keiner Erklärung, wer da wer ist. Heute jedoch muss man nachfragen. Denn der HSV aus Niedersachsen hat den aus Hamburg nicht nur tabellarisch hinter sich gelassen. Vielmehr entwickelt sich der HSV aus und in Hamburg ganz von allein zurück. Wo andere sich verbessern, Infrastrukturen ausbauen, Eigengewächse einbauen oder einfach noch mal personell nachlegen – da tritt der HSV auf der Stelle. Weil der einst so glamouröse Bundesliga-Dino zum Sammelbecken von Eitelkeiten, Egomanen und Indiskretionen geworden ist. Hier nimmt sich jeder seinen Teil – nur seine Leistung einbringen, das muss man nicht. Machen die anderen ja auch nicht im Selbstbedienungsladen HSV. Wobei, ein wenig kennt ihr das ja auch, oder?

Immerhin habt Ihr mit Martin Kind zweifelsfrei einen Hannover 96-Fan an der Spitze. Aber eben auch einen, der nicht einfach nur gibt, sondern kalkuliert. Dass die 50+1-Regel in absehbarer Zeit fällt, ist kein großes Geheimnis mehr. Aber selbst wenn es die DFL heute noch untersagt, ist es bei Hannover 96 doch nicht großartig anders als beim dummen HSV, der sich selbst abgeschafft hat, indem er sich in eine finanzielle Abhängigkeit gebracht hat, die er selbst nicht zurückzudrehen versteht. Siehe diesen Winter, wo der HSV dringendst Verstärkungen holen musste – und es nicht tat, weil Kühne blockte. Denn, das ist das Fatale an der aktuellen Situation, die hiesigen Verantwortlichen um Heribert Bruchhagen proben den Aufstand gegen Kühne in einem Moment, der hoffnungslos zu spät ist.

Und genau dieser Aufstand wird den HSV vom Dino zum Ex-Dino machen. Zumindest ist die Gefahr so groß wie nie zuvor – was bei uns als Relegationsabonnent schon was heißt. Insofern müssen wir hoffen. Darauf dass der HSV von Metzgermeister Bernd Hollerbach im letzten Moment doch noch von der Schlachtbank gezogen werden kann.

In Leipzig hat das einen vernünftigen Anfang genommen. Keinen überragenden, aber einen ordentlichen. Denn man ist nicht wie zuvor nach dem Gegentreffer auseinandergefallen. Im Gegenteil: Man konnte zurückkommen und brachte Leipzig auswärts an den Rand einer Niederlage. Und das mit den allereinfachsten Mitteln – denn darauf setzt Hollerbach. In jedem Training. Trockenübungen in Sachen Laufwege. Dazwischen immer wieder mal ein Lauf. „Körperliche Fitness gehört bei mir zur Grundtugend einer Mannschaft“, so Hollerbach, der sich in seiner Art erkennbar eng an der seines Mentors Felix „Quälix“ Magath orientiert.

Am Sonntag im Nordderby wird Magath, ääh… Hollerbach natürlich, wieder auf seine Dreierkette setzen, die defensiv zu einer Achterkette wird, da die beiden Außenverteidiger aus der Dreier- eine Fünferkette machen und die Mittelfeldspieler davor defensiv mitarbeiten. Nur die beiden Spitzen – wahrscheinlich werden es Wood und Kostic, hoffen tue ich auf Arp und Kostic – dürfen offensiv bleiben. Dennoch arbeitet zumindest Kostic oft auch noch mit nach hinten. Insofern: Schön wird es gegen Hannover sicher eher nicht. Aber das erwartet hier wirklich niemand mehr. Die Hoffnung regiert, auch wenn sie zweifelsfrei gelitten hat und sich selbst bei den Treuesten der Treuen eine gewisse Resignation breitmacht. Man wird hier einfach müde, an den HSV zu glauben, wenn man sieht, wie sich die Verantwortlichen darum bemühen, den Dino zu zerlegen. Hollerbach noch mal explizit ausgenommen.

Dass jetzt Hannover Hollerbachs Heimpremierengegner wird – okay. Es hätte leichter kommen können. Obwohl: Für diesen HSV ist kein Gegner mehr einfach. Für uns geht es wirklich ausschließlich darum, irgendwie die notwendigen Punkte bis zum Klassenerhalt einzusammeln und zuzusehen, dass irgendwie – leider fehlt nicht nur mir dafür aktuell die Fantasie – drei Mannschaften hinter dem HSV bleiben. So verdient der Abstieg angesichts der hier Un-Verantwortlichen auch wäre…

Nein, wenn ich sehe, wie sich in Hannover ein Kind den Verein unter den Nagel reißt und dabei gegen alle Widerständer derer, die diesen Verein ausmachen, dann tut das schon weh. Wenn ich dazu noch die hiesigen Umstände nehme, dann wird aus dem Nordderby ein echtes Notderby. Mit dem einen großen Unterschied, dass wir bis zum Ende gefährdet bleiben werden, während Ihr in sicheren Sphären landet.

In diesem Sinne, verzeiht es mir, ich wünsche Euch tatsächlich noch 13 Siege – aber unbedingt auch diese eine Niederlage am Sonntag. Wir brauchen die Punkte schlichtweg mehr als Ihr!

Bis Sonntag also! Ich freue mich auf Euch im Volkspark, Dennis! Viele Grüße nach Hannover, Scholle

Den HSV-Blog von Marcus „Scholle“ Scholz findet ihr hier: rautenperle.com 

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