Weydandts Abschiedsumarmung für Breitenreiter: Besondere Geste von „Henne“ für seinen Trainer

Breitenreiter war Weydandts Förderer

Hendrik Weydandt war sichtbar traurig, dass es dem 96-Team nicht gelungen war, Breitenreiters Job zu retten. Kurz vor Schluss umarmten sich Breitenreiter und Weydandt herzlich. Foto: Getty Images

Hannover 96 lag mit 0:4 hinten, als einer der treuesten Kämpfer von André Breitenreiter den Platz verließ.

Kurz vor Schluss wollte André Breitenreiter dem vielversprechenden Nachwuchstalent Benjamin Hadzic zu ein paar Bundesligaminuten verhelfen. Breitenreiter wechselte Hadzic in der 84. Minute beim Stand von 0:4 ein und nahm Hendrik Weydandt vom Platz.

Dabei kam es am Seitenrand zu einer besonders herzlichen Geste zwischen Breitenreiter und Weydandt. Statt nur abzuklatschen oder sich kurz auf die Schulter zu klopfen, umarmten sich der Trainer und der Stürmer mit beiden Armen. Beide hielten für zwei Sekunden in der Umarmung inne.

Es war eine Mischung aus „Danke für alles, Trainer“ und „Alles Gute für dich, Henne“. Zu dem Zeitpunkt in der 84. Minute war beiden wohl längst klar, dass Breitenreiter nicht mehr Trainer von Hannover 96 bleiben würde. Nachdem Hannover 96 in der ersten Halbzeit tapfer gekämpft hatte, zerfiel das 96-Team nach dem zweiten Gegentreffer in seine Einzelteile. Spätestens mit dem vierten Gegentor war auch das Ende der fast zweijährigen Breitenreiter-Ära bei Hannover 96 besiegelt.

Breitenreiter baute Weydandt systematisch zum Stammspieler auf

Für Weydandt war Breitenreiter nicht nur ein Trainer, sondern auch ein besonderer Förderer. Es war Breitenreiter, der den wuchtigen 96-Stürmer von der U23 hoch in die Bundesliga-Mannschaft holte und sein Potential erkannte. Breitenreiter baute den ehemaligen Kreisliga-Spieler systematisch zum Bundesliga-Stammspieler bei Hannover 96 auf.

Weydandt zahlte das Vertrauen seines Förderers zurück. Der 23-Jährige war einer der wenigen Spieler, der auch in den letzten Begegnungen bereit war, sich zu 100% für den Trainer aufzureiben. Er war einer der wenigen im 96-Team, der die Wende unbedingt gemeinsam mit Breitenreiter schaffen wollte. Bereits beim letzten Heimspiel gegen Werder Bremen (0:1) war es Bundesliga-Neuling Weydandt, der zweimal vor der Nordkurve die Arme hochriss und die 96-Fans zum Anfeuern aufforderte – während andere Führungsspieler wie Schwegler und Anton unsichtbar blieben.

Auch gegen Borussia Dortmund ging Weydandt vorneweg. Als Noah Joel Sarenren Bazee verletzt vor dem Dortmunder Tor lag und von den Dortmunder Fans gnadenlos ausgepfiffen wurde, war Weydandt der einzige 96-Spieler, der zu dem am Boden liegenden Sarenren hinging, ihm den Kopf tätschelte und sich symbolisch zwischen Sarenren und die schwarz-gelbe Wand mit den zehntausenden aufgebrachten BVB-Fans stellte.

Weydandt statt Jonathas, Dierßen statt Schwegler

Es ließ schon bei der Mannschaftsaufstellung aufhorchen, dass der vermeintliche Retter Jonathas – obwohl gesund und einsatzbereit – nicht von Anfang an spielte. Statt dem brasilianischen Rekordtransfer (Ablöse: 9 Mio Euro) spielte Weydandt (Marktwert: 1 Mio Euro) von Anfang an. Bei seinem letzten Spiel schien Breitenreiter vor allem nach dem Loyalitäts-Prinzip zu gehen: Nicht die auf dem Papier besten Spieler, sondern die loyalsten Spieler erhielten Einsatzzeiten. Die gesunden Wood und Korb wurden nicht einmal nominiert, Schwegler und Jonathas bekamen keine Minute Einsatzzeit. Stattdessen wechselte Breitenreiter mit Tim Dierßen und Benjamin Hadzic lieber zwei fleißige Nachwuchstalente ein.

Nach dem Spiel wurde Weydandt in der Mixed-Zone von einem der anwesenden Journalisten gefragt, ob er sich nicht auch ein bisschen freue, dass er, der ehemalige Kreisliga-Spieler, hier im größten Stadion Deutschlands spielen durfte. Auch in diesem Moment blieb Weydandt loyal. Mit Blick auf die sich abzeichnende Entlassung seines Trainer antwortete er: „Das ist die falsche Frage zum falschen Zeitpunkt.“

In den letzten Spielen wurde es offensichtlich, dass Breitenreiter längst nicht mehr alle Spieler im 96-Kader auf seiner Seite hatte. Viele Spieler schienen nicht mehr bereit, sich für ihren Trainer bedingungslos aufzureiben und bis zum Umfallen zu kämpfen. Weydandt war einer der wenigen, der ohne jeden Zweifel nicht zu diesem untreu gewordenen Spielerkreis gehörte.

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