Wegen Verletzungen von Felipe, Sané, Anton: Könnten Ex-Bayer Kirchhoff oder Talent Hübers die Ausfälle kompensieren?

Not am Mann in der Innenverteidigung - Chance für Hübers?

Innenverteidiger Salif Sané fühlt sich wohl in Hannover. In seinem Vertrag befindet sich jedoch eine 8 Millionen-Ausstiegsklausel bei einem Wechsel innerhalb Deutschlands. Ein geradezu bescheidenes Sümmchen für Vereine wie Dortmund und Schalke. Foto: Getty Images

Gesunde Innenverteidiger sind bei Hannover 96 zurzeit Mangelware: Anton kam verletzt von der U21 zurück, Felipe ist langzeitverletzt, Sané hat Oberschenkel-Beschwerden und ist offenbar zurzeit an der Grenze der Belastbarkeit (Nationalelf/Verein). Und der vierte im Bunde, Florian Hübner, ist nur bedingt erstligatauglich. Was also tun? Das hat sich unser Kolumnist Maxi Fiedler in der neuen Ausgabe von Maxis Meinung gefragt – und ist zu erstaunlichen Antworten gekommen. Lest selbst!

Die Saison 2017/2018 ist bisher für den Aufsteiger aus Hannover besser gelaufen als erwartet. Nach 13 Spieltagen hat man bereits 19 Punkte gesammelt. Top-Leistungen gegen Dortmund oder Hamburg ließen die Fans bereits früh von einer Saison träumen, die im Europapokal enden könnte.

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Gerade die Defensive zeigte sich erstaunlich stabil und war bis zuletzt eine der Top-Verteidigungen der Liga mit dem statistisch gesehen besten Defensivspieler – Salif Sané. Er und Waldemar Anton hielten das Zentrum zusammen, während sich meist Julian Korb und Matthias Ostrzolek auf den Außenbahnen austobten. Sicherer Rückhalt war, wie bereits in der vergangenen Aufstiegssaison Philipp Tschauner, der auf die Ankunft von Ex-Darmstädter Michael Esser als Nummer 1 überstand.

Alles schien optimal für die Messestädter zu laufen.

Doch gerade in den letzten Wochen ist ein alter Bekannter zurück in Hannover, den sicherlich niemand vermisst hat: Das Verletzungspech.

Nachdem sich Felipe, welcher in der Saisonvorbereitung unglaublich stark aufspielte, so wie man es vom Brasilianer in Hannover noch nie gesehen hatte, im Spiel gegen den Hamburger SV unglücklich und langfristig verletzte, konnte sein Ausfall bis zuletzt kompensiert werden.

Doch, während es in der neuen Woche mit der Oberschenkelverletzung von Rekordeinkauf Jonathas bereits die nächsten unheilvollen Neuigkeiten gibt, gab es auch in der Defensive zuletzt bittere Ausfälle.

Sowohl Julian Korb als auch Philipp Tschauner verpassten krankheitsbedingt das Spiel gegen Bremen. Waldemar Anton, welcher sich beim Aufwärmen vor dem U21-Länderspiel gegen Israel verletzte, dennoch begann und bereits früh ausgewechselt werden musste, kuriert eine Knieverletzung.

Diese drei Ausfälle versuchte 96 gegen die zuletzt schwachen Werderaner zu kompensieren – und scheiterte kläglich. Die Mannschaft wirkte nicht nur offensiv ideenlos, sondern auch defensiv absolut verunsichert und nicht bundesligatauglich. Folglich stand es am Ende 0:4 aus Sicht von Hannover. Individuelle Fehler und ein schlecht abgestimmtes System ermöglichten den Bremern ihren ersten Saisonsieg. Auch wenn Bremen immer ein schlechter Gastgeber aus Sicht der Punkteausbeute für die Roten war, wirkten vor allem Florian Hübner und Oliver Sorg, welche für Anton und Korb agierten, nicht bundesligatauglich.

Bereits im Voraus wurde, nach Felipes Verletzung, darüber diskutiert, ob die Defensive verstärkt werden müsse. Zwischenzeitlich war ein Transfer des vereinslosen Ex-Mainzers Jan Kirchhoff im Gespräch, welcher jedoch nicht zustande kam.

Nichtsdestotrotz und vor allem nach der verheerenden Niederlage, sondiert man nun umso mehr den Verteidiger-Markt und hält nach einem neuen defensiven Stabilisator Ausschau. Doch ist das überhaupt sinnvoll?

Hannover 96 hat mit Florian Hübner und Timo Hübers zwei Backups im Kader. Gerade der junge Hübers könnte demnächst seine Chance erhalten. Trotz dessen scheint ein Transfer eines weiteren Verteidigers sinnvoll. Jedoch wäre eine Leihe wohl perspektivisch gesehen logischer. Felipe wird nicht ewig verletzt sein und auch ein Timo Hübers kann sich entwickeln. Wenn 96 einen neuen Verteidiger fest verpflichtet, so sollte dieser eine wirkliche Alternative darstellen und nicht nur ein Panikkauf sein. Jedoch kann man sich zuletzt bei 96 darauf verlassen, dass die Transfers sinnvoll getätigt werden. Alle Sommereinkäufe, mit Ausnahme von Esser, sind bisher eingeschlagen und haben sich auf ihren Positionen als Stammspieler etabliert.

Potentielle Neuzugänge gibt es zuhauf. Hannover wird wieder besser wahrgenommen als zuletzt und ist gerade durch den Sieg gegen Dortmund auch international in den Köpfen der Vereine und Spieler aufgetaucht.

Zwar zerschlug sich zuletzt der Transfer des österreichischen Abwehrtalents Dario Maresic, aufgrund übertriebener und unrealistischer Gehaltsvorstellungen des Spielers, doch der Markt gibt noch andere Spieler her.

Zuletzt wurde in Hannover häufiger der Name Marc-Oliver Kempf gehört. Der aktuell bei SC Freiburg unter Vertrag stehende Innenverteidiger und ehemalige U21-Nationalspieler wird seinen auslaufenden Vertrag im Breisgau nicht verlängern. Dementsprechend wäre er ablösefrei zu haben oder bereits im Winter für eine kleine Entschädigung.

Kempf wäre als weiterer sehr sinnvoller Transfer anzusehen. Der junge Verteidiger hat Bundesligaerfahrung und Potential. Jedoch wird 96 beim Kampf um das Talent Konkurrenz bekommen. So scheint zum Beispiel auch der VfB Stuttgart Interesse am Freiburger zu haben. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Sache entwickelt.

Eine weitere Option wäre Robin Knoche. Der international erfahrene Wolfsburger Innenverteidiger ist zuletzt keine Alternative mehr bei den Wölfen. Gerade aufgrund der räumlichen Nähe erscheint ein Transfer zumindest nicht unwahrscheinlich. Bei Knoche wäre auch ein Leihgeschäft mit Kaufoption denkbar. Der Vertrag des 25-jährigen läuft zwar noch bis 2020, trotzdem scheint er ein interessanter Kandidat zu sein, welcher die nötigen Qualitäten mitbringen würde.

Interessante Kandidaten gibt es zu Hauf, sowohl in der Bundesliga als auch in der 2. Liga. Bei den Zweitligisten ist es fraglich, ob man diese so einfach von ihren Vereinen loseisen könnte, da die einzigen Spieler, die infrage kämen, natürlich Leistungsträger bei ihren Vereinen sind. Beispiele hierfür sind Toni Leistner von Union Berlin, Lasse Sobiech vom FC St. Pauli oder Felix Bastians vom VFL Bochum.

Wer wird es am Ende werden? Man kann es nicht mit Sicherheit sagen. Aber vielleicht werden wir wieder mit einer noch viel größeren Überraschung (Subotic…?) überrascht. Es bleibt abzuwarten, wie Hannover 96 sich entscheiden wird.

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