Trotz Patzer: Tschauner trägt nicht die Schuld an der Niederlage. Ein Kommentar.

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images.

Erst war er der Held, dann war er der Sündenbock: Für Philipp Tschauner war die gestrige Niederlage ein Wechselbad der Gefühle.

Wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist, hat jeder Fußballfan in den vergangenen Tagen wieder mitbekommen können. Nicht nur bei Dortmunds Starstürmer Pierre-Emerick Aubameyang, der mit geschwänzten Mannschaftssitzungen und illoyalem Verhalten einen Wechsel zu Arsenal London zu erzwingen versucht. Nein, es reicht bereits ein Blick nach Niedersachsen. Dort steht der Torhüter Philipp Tschauner bei Teilen der Fanszene stark in Kritik.

Wer gestern um 19:45 Uhr einen Blick in die sozialen Netzwerke warf, dem war klar, wem viele 96-Fans die Schuld an der Niederlage gaben: Torhüter und Kapitän Philipp Tschauner, der das 0:1 mit einem klaren Stellungsfehler mitverschuldete. Ohne Frage, Tschauner stand zwei Schritte zu weit vor seinem Kasten, so dass Wolfsburgs Malli mit einem perfekten Schuss aus 25 Metern traf. Der Schuss senkte sich in bogenförmiger Kurve über den Keeper ins 96-Gehäuse.

Und auch die lokalen Zeitungen stimmten in die Tschauner-Sündenbock-Geschichte mit ein: Beispielsweise vergab die HAZ die Note 5 an Tschauner, während die meisten anderen Spieler bessere Noten bekamen. Fossum und Sorg erhielten von der HAZ eine 4, Harnik kam ebenfalls mit „ausreichend“ davon.

Und natürlich erscheint die Story auf den ersten Blick rund, wenn man sie wie folgt erzählt: Ein 0:0 hält bis zur 72. Minute, dann macht der Torwart einen Fehler, auf einmal steht’s kurz vor Schluss 0:1, Schlusspfiff, Ende.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Ohne Tschauners Monsterparade in der 14. Minute bei Osimhens platziertem Kopfball aus sechs Metern hätte Hannover schon früh zurückgelegen. Ob auch andere Torhüter diesen Ball noch aus dem Winkel weggefischt hätten? Fraglich. Eigentlich hätten sich Hannovers Feldspieler bei Tschauner dafür bedanken und schnell die Führung gegen erschreckend schwache Wolfsburger erzielen müssen.

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Doch das taten sie nicht. Fossum betrieb grauenhaften Alibi-Fußball, er spielte seine Pässe fast immer nach hinten zurück in die Fünferkette, anstatt das Spiel zu eröffnen. Die Flanken von Ostrzolek und Sorg landeten entweder direkt beim Wolfsburger Keeper oder (leider viel zu oft) im Toraus. Harnik betrieb vorne viel Aufwand mit wenig Ertrag – und als sein Gegenspieler in der 71. Minute am Fünfmeterraum ausrutschte, verdaddelte er den Ball aus aussichtsreicher Schussposition. Wo waren Hannovers Verteidiger Sorg und Sané, als Malli ungestört aus 25 Metern Maß nehmen und unbedrängt das Gegentor erzielen konnte?

Kurzum: Es lief gestern beim ganzen Team nicht viel zusammen. Ohne Tschauners beeindruckende Parade in der 16. Minute hätte Hannover schon früh hinten gelegen. Und dass es am Ende 0:1 und nicht 2:1 ausgeht, daran haben vorne Harnik, Fossum & Co. ihren Anteil, aber nicht Tschauner. Die Niederlage geht auf die Kappe des gesamten Teams. 

Und es ist ja auch nicht dramatisch, dass Hannover gestern verloren hat: Die „Roten“ sind Aufsteiger, die Hannoveraner haben einen der niedrigsten Bundesliga-Etats. Sie dürfen Fehler machen, sie dürfen Spiele verlieren. Doch nach einer Niederlage muss man auch klar benennen dürfen, wer die Schuld daran trägt – nämlich alle Spieler im Team. Auch Stürmer, Mittelfeldspieler und Außenverteidiger. Wer hingegen eine „Der-Torwart-ist-schuld-Geschichte“ erzählt, der hat das Spiel gestern nicht aufmerksam genug geschaut.

1 Kommentar

  1. Es ist erstaunlich, dass man so vielen  anderen erklären muss, dass Fußball bekanntlich ein Team-Sport ist und ein Sieg oder eine Niederlage das Ergebnis einer gemeinsamen Arbeit. Kein Spieler alleine kann siegen oder verlieren. Man kann selbstverständlich  Tschauner  kritisieren oder Esser  für einen besseren Torwart  halten, aber nicht unbedingt  auf Grund des gestrigen Spiels!

    Gestern lief so vieles falsch und dieser Sonntagsschuss war als die Hälfte der ganzen Angriffsaktionen der Wölfe die Krönung dazu.

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