Königstransfer Martin Harnik – aber was passiert mit Albornoz und Prib?

Martin Harnik. Sielski/Getty

Kommt Bewegung in die Transfers für die neue Saison – auf welchen Positionen hat Hannover 96 Bedarf? Was passiert mit Tschauner, Albornoz und Prib nach der Saison? Der langjährige 96-Fan Maxi Fiedler analysiert für uns exklusiv den 96-Kader – in seiner neuen Kolumne „Maxis Meinung“.

Nach dem Derbysieg – was kommt jetzt?

 Die Roten haben es geschafft. Nach 19 Jahren konnten unsere Jungs erstmals wieder einen Sieg über den ungeliebten Nachbarn aus Peine-Ost erringen und dieser war zusätzlich hochverdient.

Die Mannschaft scheint unter dem neuen Trainer André Breitenreiter zu reifen und noch mehr zusammen zu wachsen. Was sich in der englischen Woche gegen schwer zu bespielende Gegner mit 7 Punkten aus 3 Spielen in nur 6 Tagen andeutete, wird mittlerweile immer mehr zur Gewissheit: Der Neue kann Hannover. Und 96 kann mit dem Neuen. Zwar darf man nicht vergessen, dass ein Großteil des Teamgeists auch auf Daniel Stendel zurückzuführen ist, aber Breitenreiters Ergebnisse sprechen für ihn.

Nicht nur konnte gegen den Erzrivalen und Aufstiegsaspiranten dreifach gepunktet werden, sondern gewann man auch gegen den mit Union Berlin vielleicht am leichtesten zu unterschätzenden Gegner aus den Top 4. Der Trumpf liegt darin in der Heimstärke der Roten, jedoch nicht nur. Auffällig ist, dass man aus 5 Spielen gegen die 3 ärgsten Konkurrenten nur eins verlor. Zuhause gewann man bisher gegen Union und Peine-Ost, auswärts verlor man zwar bei den lange ungeschlagenen Berlinern, punktete aber in der Fremde, unter anderem mit einem unerwarteten Sieg in Stuttgart. Der VfB ist der letzte namhafte Gast im Niedersachsenstadion und sollte auch gegen die Schwaben ein Sieg eingefahren werden, ist der Aufstieg zum Greifen nah.

Im Spiel gegen Peine-Ost waren einige Dinge besonders auffällig:

  • Auf Philipp Tschauner ist Verlass. Der erfahrene Keeper ist mittlerweile seit 6 Spiele ohne Gegentor – Vereinsrekord – und kassierte das letzte bei der Auswärtsniederlage gegen Karlsruhe. Ein vermeintlich kleiner Fehler und großer Makel, doch dazu später mehr.
  • Die Defensive scheint sich stabilisiert zu haben. Dafür sprechen nicht nur die 6 gegentorlosen Spiele, sondern auch der Mangel an Großchancen, die sich die Gegner erspielen. Union hatte bei weitem nicht so viele Abschlüsse wie man es von den Eisernen gewohnt ist, die anderen hatten abgesehen von einem Valsvik-Kopfball gar nichts zu melden. Salif Sané, welcher in der Vergangenheit öfter durch Leichtsinnigkeit aufgefallen war, spielte vor allem im letzten Heimspiel überragend und war eine unüberwindbare Wand. Florian Hübner hat sich seit dem Spiel in Dresden in die erste Elf gedrängt und spielt ebenfalls sehr stark und zeigt eine Menge Spielverständnis – wohl auch seiner langen Zeit und Erfahrung bei Sandhausen geschuldet. Miiko Albornoz war nicht nur zuletzt eine der schillerndsten Figuren auf dem Platz. Seitdem er wieder agieren darf und vor allem mit Edgar Prib, welcher als halber Außenverteidiger angesehen werden kann, jemanden vor sich hat, mit dem er im Tandem arbeiten kann und der ihn absichert, ist der Chilene enorm wichtig für das Spiel von 96. Seine starke Technik gepaart mit seinem nicht zu unterschätzenden Tempo und seinen guten Flankenbällen – Miiko macht sich unter Breitenreiter, auch wenn die Kombination Prib – Albornoz erstmals noch unter Stendel eingeführt wurde.
  • Oliver Sorg bleibt für viele das Sorgenkind in der Defensivreihe. Zwar stabilisierte der Ex-Freiburger sein Spiel in den letzten Partien, ist in vielen Augen aber dennoch der Schwachpunkt in der Defensive. Gegen Peine-Ost spielte er starke 90 Minuten, doch scheint er für die 1. Bundesliga schlichtweg nicht gut genug zu sein. Ihm fehlen das Tempo und dazu der Körperbau und das Stellungsspiel um dieses Defizit zu kompensieren.
  • Das Mittelfeld konnte sich zuletzt vor allem durch großen Kampf beweisen. Edgar Prib spielt, seitdem er eine Position nach vorne, auf seine gelernte Position, gezogen wurde, deutlich mutiger und auffälliger. Auf der rechten Seite scheint es weiterhin eine Frage der Tagesform zu sein. Weder Felix Klaus, der im Vergleich zur Hinrunde stark abgebaut hat, noch Noah Joel Sarenren Bazee können restlos überzeugen, haben jedoch ihre Momente. Gerade die Vertragsverlängerung mit Noah könnte diesem Schwung geben, der ihm weiterhilft.
  • In der Spitze zeichnete sich vor allem gegen die Blau-Gelben eins ab: Wenn Martin Harnik aus dem Spiel genommen wird, ist Niklas Füllkrug da. Der Ricklinger spielt seit Breitenreiters Amtsantritt äußerst stark, bereitete das Tor von Harnik gegen Nürnberg vor und erzielte selbst zwei wichtige Treffer gegen Union und zuletzt im Derby. Er scheint unter dem neuen Trainer endlich in Hannover angekommen zu sein und kann sein volles Potenzial entfalten. Dies zeigt sich vor allem durch seine Zweikampfstärke. Es schien zuletzt unmöglich ein Kopfballduell gegen Fülle zu gewinnen. Und auch Hanno bleibt als Teamplayer weiterhin extrem wichtig, vor allem, da er mittlerweile nicht mehr nur die Tore schießt, sondern auch viel ackert, Räume schafft und vorbereitet. Der Ösi ist definitiv als Königstransfer des Ex-Verantwortlichen Martin Bader zu sehen.

Wie geht es weiter?

Das Lazarett der Schwerverletzten lichtet sich immer mehr. Mittlerweile kann Hannover wieder 20 Spieler für ein Spiel nominieren, wenn auch einige der Akteure angeschlagen sind. Mit Charlison Benschop kehrt einer der zurück, die von der Seuche besonders hart getroffen wurden. Wenn er an seine bisher gezeigten Minuten anknüpfen kann, ist er nicht nur hilfreich im Kampf um den Aufstieg, sondern kann auch im Falle dieses weiterhelfen.

Dennoch gibt es einige Personalien und Positionen die fraglich sind.

Bleiben wir hierbei zunächst in der Offensive, wo neben Benschop auch noch Artur Sobiech und Nachwuchstalent Elias Huth zu nennen sind. Letzterer wird den Verein wohl höchstens per Leihe verlassen, bei Sobiech gestaltet sich die Lage schwieriger. Der Pole spielte zu Saisonbeginn und in der Vorbereitung stark auf, verletzte sich jedoch gegen Fürth und kam danach nicht mehr in die Spur. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, es scheint fraglich, ob „Schnecke“ 96 erhalten bleibt. Viele attestieren ihm schlichtweg nicht die Qualität für die Bundesliga, auch wenn er in der Abstiegssaison gerade zum Ende hin das Vertrauen in ihn mit Toren zurückzahlte. Es bleibt abzuwarten wie sich die Lage entwickelt, vorstellbar wäre eine Verlängerung, auch, weil „Schnecke“ eine Identifikationsfigur des Vereins geworden ist.

Mit Babacar Gueye gibt es eine weitere Alternative, die zumindest zunächst von der Leihe zu Zulte-Waaregem zurückkehren wird. In Belgien ist Gueye Publikumsliebling und auch mit Toren erfolgreich. Ob es jedoch für die Bundesliga reicht, werden Horst Heldt und Team in den nächsten Monaten entscheiden müssen. Beim Senegalesen wäre eine weitere Leihe denkbar, vielleicht auch innerhalb Deutschlands in die 2. Bundesliga.

Was Neuzugänge angeht sollte 96 die Entwicklung abwarten, Talente wie der zuletzt öfter genannte 17-jährige Franzose Thody Elie Youan scheinen mir persönlich nicht sinnvoll, da diese bei 96 selten funktionieren. Jedoch kann so ein Talent natürlich auch einschlagen. Ich bin sehr sicher, dass Heldt die richtigen Entscheidungen treffen wird.

Dies bezieht sich auch auf die weiteren fraglichen Positionen. Sebastian Maier, der zu Saisonbeginn stark aufspielte und sich einen guten Ruf beim Publikum erarbeitete, konnte nicht an seine gezeigten Leistungen anknüpfen, auch dem geschuldet, dass 96 mittlerweile nicht mehr mit klassischem Spielmacher oder „10er“ agiert. Ob Maier des Weiteren die Qualität fürs Oberhaus hat, ist zu bezweifeln. Ich persönlich denke nicht, dass auf der 10er Position nachgebessert wird, außer Breitenreiter ändert sein Spielkonzept. In diesem Fall könnte Maier aber noch bessere Chancen auf eine Backup-Rolle haben als ohnehin schon. Interessant wird sein, ob er sich mit der Rolle zufriedengeben wird, die er momentan bereits innehat.

Die bei den Roten wohl seit Ewigkeiten umstrittensten Positionen sind die defensiven Außenbahnen. Hiroki Sakai, der mittlerweile bei Marseille spielt, konnte die namhaften Konkurrenten Rajtoral und Pereira abwehren, ähnlich scheint es nun bei Oliver Sorg zu sein. Wie bereits angesprochen sehen viele seine Leistung und sein Potenzial kritisch, für die erste Liga scheint er nicht geeignet zu sein. Doch welche Personalien könnten für Hannover interessant sein? Und ist es nur die rechte Seite?

Nein.

 Auch auf Links bahnen sich Probleme an. Ohnehin stehen Prib und Albornoz aufgrund ihrer offensiveren Spielweise und mangelnden Defensivqualitäten in der Kritik, doch auch wenn das Tandem zuletzt funktionierte, ist die Frage, ob es überhaupt bestehen bleibt. Abgesehen von der dringenden Not nach einem Ersatzaußenverteidiger oder einer neuen Nummer 1 auf Links, laufen zu allem Übel auch noch beide Verträge aus. Zwar scheint gerade bei Prib, Stammspieler und Mannschaftsratsmitglied, eine Verlängerung wahrscheinlich und auch Miiko bewarb sich mit seinen letzten Auftritten für eine Erweiterung seines Arbeitspapiers, doch man weiß nie was passiert.

Welche Spieler für die neue Saison als Transfer in Frage kommen und ob der wechselwillige Zieler unseren Stammtorwart Philipp Tschauner ersetzen sollte, lest ihr nächste Woche in unserer Kolumne Maxis Meinung.

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