Vorschau DFB-Pokal: So könnte Hannover 96 eine Runde weiterkommen

Die Taktik macht den Unterschied

Auf dem Platz gab es bei Hannover 96 diese Saison viel zu jubeln. Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images.
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Mythos oder Wahrheit? Der DFB-Pokal ist angeblich der einfachste Weg, um sich für Europa zu qualifizieren. Tatsächlich gelang das Hannover seit 25 Jahren aber nicht mehr. Unser Autor und Taktikfuchs Tim Block hat den Pokalgegner VfL Wolfsburg genauer unter die Lupe genommen. Ob am Ende die Liga oder der Pokal der einfachere Weg ist, weiß auch er nicht zu sagen.

Am Mittwoch um 18:30 Uhr spielen unsere Roten in Wolfsburg um das Weiterkommen im DFB-Pokal. Der Nachbar aus der Autostadt tauschte vor fünf Spielen den Trainer aus, nachdem es Andries Jonker nicht gelungen war, eine Spielidee zu integrieren. Sportchef Rebbe verpflichtete Martin Schmidt, der zuvor bei Mainz 05 unter Vertrag stand und im Sommer den Verein verlassen musste.

Seither holten die „Radkappen“  unter dem Schweizer aus fünf Spielen fünf von fünfzehn möglichen Punkten. Eine ernüchternde Statistik, wenn man es rein mathematisch betrachtet. Was man allerdings dazu sagen sollte ist, dass es sich ebenfalls um Gegner wie Bayern München, Bayer 04 Leverkusen und die TSG Hoffenheim handelte und Wolfsburg sich in den einzelnen Spielen gut präsentierte.

Gegen Bayern München kam Wolfsburg unerwartet ins Spiel zurück, holte durch das 2:2 einen unerwarteten Punkt und ging mental gestärkt aus der Partie. Gegen die Werkself hatten die Niedersachsen mit Problemen zu kämpfen, die sich in Puncto „Kompaktheit“ und „Zugriff auf das Spiel“ äußerten. Durch eine Umstellung ins 4-2-3-1 gewann die Mannschaft vom Ex-Mainzer Schmidt mehr und mehr an Stabilität, kontrollierte phasenweise das Zentrum gegen das 4-4-2-Pressing der Leverkusener und blieb erneut durch ein 2:2 ungeschlagen. Nun kam am vergangenen Sonntag mit der Nagelsmann-Elf eine sehr spielstarke Mannschaft, die über einen umstellungsfreudigem und modernen Trainer verfügt. Ich habe mir die letzte Partie (Spielausgang 1:1) etwas genauer angesehen und ein paar Dinge notiert.

Der VfL Wolfsburg lief, wie in der zweiten Halbzeit in Leverkusen, mit einem 4-2-3-1 auf. Das wollten die Wölfe gegen Hoffenheim fortführen. Dabei kristallisierte sich schnell heraus, dass Camacho als tieferstehender Sechser je nach Spielsituation als direkte Anspielstation zwischen den Linien zur Verfügung stand. Hoffenheim reagierte darauf, indem Sandro Wagner den ballführenden Innenverteidiger anlief und Florian Grillitsch aus der Mittelfeldreihe herausrückte und Camacho direkt zustellte.

Folgerichtig versuchte Wolfsburg das Spiel auf die Außenverteidiger zu lenken um mit einem Pass ins letzte Drittel zu gelangen. Grillitsch nutze die Zeit der Verlagerung und sortierte sich wieder in der  Zentrale ein, um von innen nach außen Zugriff zu bekommen und um Bälle zu erobern oder abzufangen, sollte der Pass mal nicht genau gespielt werden (was man vom jungen Gian-Luca Itter eher seltener zu sehen bekam). Prophylaktisch schob Kevin Vogt aus der Kette heraus und machte ein Zuspiel auf Origi schier unmöglich. (Diese Form des Liberos könnte ich mir im Spiel der Roten sehr gut vorstellen, wenn sie von dem richtigen Spielertypen gespielt wird. Ceyhun Gülselam konnte das sehr gut, weil er ein strategischer Spielertyp war und zudem über den brutalsten Deckungsschatten verfügte, den ich in Hannover jemals gesehen habe. Das aber nur am Rande, zurück zum Thema.)

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Auffällig war, dass weitestgehend über die linke Seite der Wolfsburger versucht wurde, mit spielerischen Mitteln offensiv in Erscheinung zu treten. Rechts wurde häufig zu langen Bällen gegriffen um eine Option der Offensivgestaltung gegen das Pressing zu finden. Origi ging auf rechts in viele Lauf- und Zweikampfduelle, konnte aber keines entscheidend gewinnen.

Im Grunde sehe ich da ein Mittel den VfL Wolfsburg in Bedrängnis zu bringen: Über unsere rechte Seite aggressiver zu pressen, in den richtigen Momenten die linke Abwehrseite der „Wölfe“ zu überladen, den Rückpass auf den linken Innenverteidiger zu erzwingen. Dann sofort nachsetzen, indem unser Linksverteidiger (wahrscheinlich Albornoz) und unser linker Offensivmann (wahrscheinlich Klaus) den Passweg zum Rechtsverteidiger der Wölfe vorausschauend zustellen, während unser Mittelstürmer bereits den Pass auf den rechten Innenverteidiger provoziert. Dieser hat dann nur die Möglichkeit sich für den langen Ball zu entscheiden oder den Keeper mit ins Spiel zu nehmen.

Umstellung ins 3-1-4-2

Nagelmann war nach den ersten Spielminuten gegen Wolfsburg nicht vollends mit seiner Hoffenheimer Mannschaft zufrieden. Er stellte deshalb rasch auf eine Dreierkette um und erhoffte sich so mehr Durchschlagskraft und erfolgreichere Duelle um den zweiten Ball, wenn Wagner nicht richtig in den Zweikampf kam. Wolfsburg versuchte sich dem anzupassen. Da Hoffenheim mit einem 5-3-2 (gegen den Ball) verteidigte, war die Nagelsmann-Elf im Sechzehner oft in der Überzahl.

Auch einige Meter vor dem Tor gelingt es Hoffenheim, den Wolfsburgern durch die taktische Umstellung auf den Flügeln in die „2 vs 2-Situation“ zu zwingen. Der zentrale Mittelfeldspieler schiebt sich an die Seitenlinie heran und wird durch den offensiven Außenverteidiger unterstützt. Das hat in den meisten Fällen einen Rückpass beim Gegner zur Folge, der dann konsequent verfolgt wird. Der zentrale Spieler, der zuvor auf der Außenbahn ausgeholfen hatte, befindet sich wieder im Zentrum um jenes abzudecken und Wolfsburgs Spiel so von innen nach außen zu lenken. In genau diesem Rhythmus verlief die Partie am Sonntagabend. Einzelne Offensivaktionen der Hoffenheimer brachten Wolfsburg oft in Bedrängnis, ließen aber die Kaltschnäuzigkeit in den richtigen Phasen des Spiels vermissen.

Mein Fazit für die DFB-Pokalpartie Wolfsburg gegen Hannover 96:

Wolfsburg ist eine Mannschaft, die definitiv schlagbar ist und sich derzeit durch hohen Einsatz und hohe Laufbereitschaft gut verkauft. Spielerisch dauert es sicherlich noch ein wenig, bis der Knoten bei Wolfsburg endgültig platzt. Das muss nicht unbedingt morgen gegen Hannover sein, wenn es nach mir geht!

Falls es André Breitenreiter gelingt, die guten Einzelspieler wie Daniel Didavi aus dem Spiel zu nehmen und vielleicht die ein oder andere kluge taktische Umstellung vorzunehmen, ist sicherlich etwas möglich in Wolfsburg. Eventuell versucht Hannover es im 4-3-3 um auch situativ besser reagieren zu können und beispielsweise ins 4-1-4-1 zu wechseln. Mit dem richtigen Personal steht dem 4-2-3-1 nach Balleroberung nichts mehr im Wege. Auch im Pressing kann die Mannschaft schnell einen Gang höher schalten und auch mal ins Risiko gehen. Eventuell hat Breitenreiters Elf dann auch eine echte Chance, schon nach 90 Minuten das Spiel für sich zu entscheiden.

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