Robert dachte: »Wer es wirklich schlecht hat, ist Teresa. Sie hat kein Fußballspiel, in dem sie 90 Minuten abtauchen kann.«

Robert Enke hat seine herzkranke Tochter Lara auf dem Arm, als er den Fans von Hannover 96 zuwinkt. Die Robert-Enke-Stiftung unterstützt nicht nur den Kampf gegen Depression, sondern engagiert sich auch für herzkranke Kinder und ihre Eltern.
Die Biografie gibt es auch als E-Book unter: www.piper.de/buecher/robert-enke

In diesen Tagen veröffentlichen wir mehrere Auszüge aus der Biografie Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben von Ronald Reng (erschienen beim Piper Verlag) auf 96Freunde.de, um an das Leben von Robert Enke zu erinnern. 

Lara war am 31. August 2004 auf die Welt gekommen.

Er hatte eine Idee von seiner Tochter im Kopf gehabt. Sie würde in der ersten Zeit viel medizinische Betreuung benötigen, Teresa und er würden sie deshalb oft in den Arm nehmen und über Augenkontakt tausend Lächeln austauschen. Nun lernte er die Wirklichkeit kennen.

Lara wurde unmittelbar nach ihrer Geburt am offenen Herzen operiert. Damit ihr winziger Körper eine Chance hatte, die An­strengung der Operation zu überleben, wurde sie in ein künst­liches Koma versetzt. Ihr Brustkorb war noch geöffnet, das Herz brauchte Platz, um abzuschwellen. Die Arme nach hinten ge­schla­gen, lag sie auf der Intensivstation.

Das Einzige, was Teresa und er tun konnten, war, ihr Händchen zu halten und dem Herzen im offenen Brustkorb beim Schlagen zuzusehen. Laras Puls lag bei 210.

Der unbedingte Wille, ihrer Tochter helfen zu wollen, und die pochende Angst, sie zu verlieren, hielten Teresa und ihn im permanenten Alarmzustand. »Als wir die Entscheidung trafen, Lara auf die Welt zu bringen, dachten wir, wir seien vorbereitet. Um nicht falsch verstanden zu werden, ich würde auch heute immer wieder die Entscheidung für Lara treffen, da bin ich absolut überzeugt. Aber ich weiß auch: Niemand ist auf das Leben mit einem kranken Kind vorbereitet«, sagt Teresa. »Die Angst frisst dich auf.«

Nach vier Tagen wurde Laras Brustkorb zugenäht. Es ging voran, etwas wurde besser, sagten sie sich glücklich. Am nächsten Morgen teilte ihnen die Krankenschwester mit, der Brustkorb müsse leider wieder geöffnet werden.

Wenn er morgens gegen neun zum Training aufbrach, fuhr Teresa in die Klinik der Medizinischen Hochschule. Während des Trainings gab er sein Handy Tommy Westphal, falls ein Anruf aus der Klinik kam. Danach fuhr er direkt zu Lara und Teresa. In der Kantine der Klinik aßen die Eltern zu Mittag und blieben bis zum Ende der Besucherzeit um 20 Uhr, jeden Tag.

Nicht selten war die Tür zur Intensivstation verschlossen. Sie mussten mit den anderen Eltern im Wartezimmer bleiben, es vergingen zwei Stunden oder drei, sie wussten nicht, welches der vier Kinder gerade in der Station um sein Leben rang; ob es ihres war. Er dachte: »Wer es wirklich schlecht hat, ist Teresa. Sie hat kein Fußballspiel, in dem sie 90 Minuten abtauchen kann.«

Alle Auszüge aus der Biografie:

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