Mannschaft von Hannover 96 wird vor dem Spiel gegen Dresden auf Corona getestet – Diskussion um Spielabsagen und Saison-Abbruch

Geisterspiel von Hannover 96 gegen Dresden - bei weiterer Infektion droht eine Spielabsage

Timo Hübers wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Wir drücken die Daumen, dass er schnell wieder gesund wird!

Noch vor einer Woche haben viele Fußballfans das sich ausbreitende Corona-Virus belächelt. Seit heute steht jedoch fest: Das Corona-Virus hat massive Auswirkungen auf die Bundesliga – und auch auf Hannover 96.

Innenverteidiger Timo Hübers ist als erster Fußball-Profi in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der 23-Jährige befindet sich derzeit in häuslicher Quarantäne.

Der komplette Profikader, das Trainerteam um Kenan Kocak und Mitarbeiter der 96-Geschäftsstelle werden vorsorglich auf das Virus getestet. Torschütze Hübers stand beim 3:0-Auswärtserfolg beim 1. FC Nürnberg am vergangenen Freitag 90 Minuten auf dem Platz. Auch der gesamte Profikader sowie die Trainer und Betreuer der Nürnberger werden sich deshalb einem Test unterziehen. Dabei handele es sich um eine „Vorsichtsmaßnahme“, teilte der Verein am Mittwochabend mit.

Am Samstag auf einer Party angesteckt

96 geht zurzeit davon aus, dass sich Hübers „am Samstagabend bei einer Veranstaltung in Hildesheim infizierte“ habe, wie es in einer Mitteilung hieß. Seit „der Ansteckung, die exakt eingrenzbar ist“, soll Hübers „keinen Kontakt zu seinen Mannschaftskollegen“ gehabt haben, weshalb „nicht davon auszugehen“ sei, dass „sich Mitspieler bei ihm infiziert haben“.

Der Sportbuzzer berichtet, dass Hübers am Samstag bei einem Ehemaligentreffen der Hildesheimer Michelsen-Schule gewesen sei. Dabei habe er sich auf der gemeinsamen Feier bei einer 21-jährigen Ex-Schülerin angesteckt haben, die zuvor in Südtirol zum Ski fahren gewesen sei.

Mit Blick auf sein anschließendes Handeln habe Hübers „sich absolut vorbildlich verhalten. Er selbst zeigt bis jetzt keinerlei Symptome“, sagte Hannovers Sportchef Gerhard Zuber im Interview auf hannover96.de: „Als er davor erfuhr, dass eine Person, die mit ihm auf der Veranstaltung gewesen war, positiv getestet wurde, meldete er sich direkt beim Arzt und begab sich provisorisch in häusliche Quarantäne.“

Zuber:  „Wir gehen nicht davon aus, dass weitere Spieler nachweislich infiziert sind.“

Derweil teilte der Verein mit, dass die Spieler ihre Vorbereitung auf die anstehende Partie von Hannover 96 gegen Dresden (Sonntag, 13.30 Uhr/Sky) weiter fortsetzen. Bis zum Spiel, das ohne Fans stattfindet, werde nur nicht öffentlich trainiert. Zudem entfallen vorerst alle Medien- und PR-Termine.

Spielabsage von Hannover 96 gegen Dresden bei weiterer Infektion?

Zwar betonte Zuber ausdrücklich, dass Hübers sich erst „am Samstag auf einer Veranstaltung infiziert“ habe und seitdem keinen weiteren Spieler von Hannover 96 persönlich getroffen habe. Sollte der Rachenabstrich bei einem anderen 96-Spieler jedoch zu einem positiven Ergebnis führen, „wird das Geisterspiel am Sonntag gegen Dresden abgesagt werden müssen.“ (HAZ-Printausgabe vom Donnerstag)

Auch der 1. FC Nürnberg geht wegen Hübers Erkrankung auf Nummer sicher und testet seine Spieler nach der 0:3-Niederlage gegen Hannover am Freitag ebenfalls. „Nach Austausch mit den zuständigen Ärzten und der Gesundheitsbehörde hat sich der 1. FC Nürnberg dazu entschieden, seinerseits verantwortlich zu handeln, dem Beispiel Hannovers zu folgen und als Vorsichtsmaßnahme ebenfalls Spieler, Trainer und Staff testen zu lassen“, teilten die Franken mit.

Geisterspiele, Spielverlegungen, Saison-Abbruch? Ein Überblick zur aktuellen Diskussion

Was vor wenigen Tagen noch undenkbar erschien, wird mittlerweile immer offener diskutiert: Ein Saison-Abbruch oder zumindest ein zeitweiliges Aussetzen der Bundesligasaison.

In der 3. Liga werden die nächsten beiden Spieltage verlegt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) folgt dabei einer Empfehlung des Ausschusses 3. Liga. Die Verlegung wurde im Einvernehmen mit den 20 Klubs der 3. Liga beschlossen.

Horst Heldt: „Ich würde mir wünschen, dass es eine klare Ansage gibt.“

Leverkusens Trainer Peter Bosz sprach sich dafür aus, Spieltage lieber komplett zu verschieben als Geisterspiele stattfinden zu lassen.  „Professioneller Fußball wird für die Fans gespielt. Sie sollten da sein. Ich bin für Verschiebungen.“



Unterdessen hat der Präsident von Erzgebirge Aue (planmäßiger Gegner von Hannover 96 am 10.05.2020) sich für einen Saison-Abbruch eingesetzt. „Ich gehe davon aus, dass die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann. Sobald eine Person, die regelmäßigen Kontakt mit einer Mannschaft hat, erkrankt, muss das gesamte Team für zwei Wochen unter Quarantäne“, sagte Leonhardt. In dem Fall „brechen der ganze Spielplan und der gesamte Spielbetrieb zusammen“.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch hält nichts von dieser Idee und lehnt auch einen Vergleich mit der Deutschen Eishockey Liga ab, die ihre Playoffs abgesagt hat. „Der Bundesliga-Spielbetrieb erstreckt sich noch viel weiter. Das hat auch wirtschaftlich eine ganz andere Bedeutung für die Bundesligavereine als im Eishockey“, sagte Koch dem „BR“. 

Mit einer ähnlichen Argumentation hatte auch Union Berlin-Präsident Dirk Zingler bis zuletzt abgelehnt, Geisterspiele durchzuführen. Nach massiver Kritik betonte Zingler nun in einem offenen Brief: „Natürlich hat für uns der gesundheitliche Schutz unserer Mitarbeiter und Stadionbesucher oberste Priorität.“

Der ehemalige Sportdirektor von Hannover 96, Horst Heldt, empörte sich über das Krisenmanagement des DFB: „Ich finde den Umgang mit dem Corona-Virus konsequent inkonsequent. Manche Spiele finden statt, andere nicht. Ich würde mir wünschen, dass es eine klare Ansage gibt.“

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