Jörg Sievers äußert sich: „Vielleicht die letzte Chance, etwas Neues zu machen“

Der Pokalheld sehnt sich nach einer neuen Herausforderung: In Schottland steigt Jörg Sievers (r., mit Markus Miller) zur rechten Hand von Cheftrainer Daniel Stendel auf. Foto: Getty Images

Hannover 96 verliert nach mehr als 30 Jahren eine seiner größten Ikonen: Jörg Sievers wechselt in die schottische Premier League.

Jetzt ist es offiziell: Jörg Sievers, Elfmeterheld beim DFB-Pokalsieg 1992 und zuletzt langjähriger Torwarttrainer bei den Niedersachsen, wechselt mit sofortiger Wirkung in die schottische Premier League. Beim Traditionsklub Heart of Midlothian wird der 54-Jährige künftig als Assistent des früheren Hannover-Cheftrainers Daniel Stendel fungieren. Sievers steigt damit vom Torwarttrainer zum Co-Trainer auf.

„Vielleicht – und das ist die andere Seite – ist es auch die letzte Chance, etwas Neues zu machen“

„Dass Hannover 96 nach 30 bewegten und bewegenden Jahren mehr als ein Arbeitgeber für mich war und immer bleiben wird, ist klar. Vielleicht – und das ist die andere Seite – ist es auch die letzte Chance, etwas Neues zu machen“, sagte Jörg Sievers im Abschiedsinterview mit Blick auf sein Alter.

„Colt“ Sievers (der Spitzname kommt von der Serienfigur Colt Seavers aus der US-Serie „Ein Colt für alle Fälle“) freut sich auf die neue Herausforderung. „Heart of Midlothian ist ein Super-Verein mit einem tollen Stadion und Trainingszentrum und einem beachtlichen Zuschauerschnitt von 17.000 Zuschauern in der Scottish Premiership“, sagte Sievers. „Ich hatte mir das alles schon gut vorgestellt, aber das ist noch besser, als ich erwartet habe.“

Jörg Sievers: „Ich werde immer ein 96er bleiben, daran ändert sich nichts.“

Der Pokalheld bedankte sich bei den Anhängern von Hannover 96. „Die Fans haben mich in all den Jahren unterstützt und waren immer an meiner Seite“, blickt Sievers zurück. Das ist etwas ganz Besonderes, das nur wenige Profis behaupten können. Deshalb noch einmal: ein dickes Dankeschön für alles.“

Stendel und Sievers: Zwei Freunde und Aufstiegshelden

Sievers und Stendel spielten zu ihrer aktiven Zeit mehrere Jahre gemeinsam bei Hannover 96. Als dem Verein in der Saison 2001/02 der Aufstieg in die erste Bundesliga gelang, waren beide Stammspieler bei Hannover 96.

Jörg Sievers arbeitete 17 Jahre als Torwarttrainer von Hannover 96. In dieser Zeit trainierte er fünf Jahre lang Robert Enke. Auch Ron-Robert Zieler, Michael Esser, Philipp Tschauner, Gerhard Tremmel, Marc Ziegler, Markus Miller, Frank Juric und Florian Fromlowitz gehörten zu seinen Schützlingen.

Zu aktiven Zeiten in der Saison 2002/03: Daniel Stendel (l.) und Jörg Sievers (r.) mit Fredi Bobic.

Wie Jörg Sievers zur Legende wurde

Unvergessen bleibt das Halbfinale gegen Werder Bremen im DFB-Pokal 1992. Nach Verlängerung (1:1) ging es ins Elfmeterschießen. Zweitligist Hannover gegen Titelverteidiger Bremen – es grenzte schon ein Wunder, dass der Underdog Hannover es überhaupt so weit geschafft hatte. Beim Stand von 5:5 schnappte sich Sievers den Ball – und verwandelte sicher gegen Werder-Keeper Jürgen Rollmann. 6:5 für Hannover, Marco Bode läuft an, schießt – und Sievers hält.

Auch im Finale gegen Mönchengladbach parierte Sievers zweimal im Elfmeterschießen. Eine Legende war geboren.

Die legendären Elfmeterparaden von Jörg Sievers im DFB-Pokal 1992 im Video (ab Minute 2:52):

2 Kommentare

  1. Hallo liebe 96er. Zuerst Mal, frohes neues Jahr. Da ich erst letzte Woche aus der Reha zurück war, und mich erst einmal durch alle E-Mails kämpfen musste, hat es etwas gedauert. Allerdings möchte ich mich heute nur zu einem Thema äußern. Unserer ewigen Nr.1, Jörg "Colt" Sievers. Auf der einen Seite kann ich Jörg Sievers voll und ganz verstehen. Wenn er noch Mal was völlig anderes erleben möchte, dann jetzt. Und wenn dann auch noch ein guter Freund Chef bei einem Ausländischen Club ist, noch dazu in Schottland, dann darf Hannover 96 Jörg Sievers die Freigabe nicht verweigern. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie Sievers sich bei 96 schriftlich beworben hat. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ja keiner Jörg, also bewarb er sich selber bei unseren Roten. Hut ab, für deine Aktion. Unvergessen die Pokalspiele gegen Werder Bremen, und das Endspiel gegen Gladbach. Sensationell, was unsere Roten da geschafft haben. Dennoch gibt es ein Ergebnis, was alles andere in den Schatten stellte. Es war die Krönung seiner ganzen Laufbahn. Nach dem Tränenreichen Abstieg, in die dritte Liga, 1996 hieß sie noch Regionalliga, spielte man zu erst eine ganz normale Runde. Da es damals schon 5 Regio Ligen gab, aber nur 4 Aufstiegsplätze, mussten eine Art Relegationsspiele abgehalten werden. Nach dem ersten Jahr 3. Liga, kam es zum Duell mit Energie Cottbus. Das Hinspiel in Hannover ging 0:0 aus. Im Rückspiel stand es 1:1, das würde reichen. Doch plötzlich, und völlig unerwartet viel für ca. 30 Minuten die Flutlichtanlage aus. Danach war Energie wieder gesammelt, und verspeist unsere Jungs noch mit 3:1. Ein Schelm der böses dabei denkt. Ein Jahr später standen die Roten wieder im Endspiel um den Aufstieg in die zweite Liga. Gegner diesmal die Topfavoriten von Te Be Berlin. Im Hinspiel in Berlin hat man schnell gesehen, warum Berlin die klaren Favoriten waren. Das 96 nur mit 0:2 verloren hatten, war ein großer Verdienst von Jörg Sievers. Doch dann folgte das Rückspiel. Im Niedersachsenstadion waren 60354 Zuschauer im Restlosausverkauften Stadion. In der 5. Minute erzielte Gerald Asamoha das 1:0. Man verstandt sein eigenes Wort nicht mehr. Mit zunehmender Spieldauer wurden die Berliner immer stärker. Aber egal was Berlin auch versuchte, 96 , und ein schier unüberwindbare Jörg Sievers standen den Blau-Weißen im Weg . Trotzdem reicht ja das 1:0 noch nicht. In der 83. Minute war es dann aber so weit. Milo Milovanovic erziehlte das erlösende 2:0. Verlängerung. Jetzt war alles möglich. Einmal noch stockte den Zuschauern der Atem. Mitten in der zweiten Halbzeit der Verlängerung lag auf einmal der Ball im Tor. Es war von ein, auf den anderen Augenblick Mucksmäuschenstill. Man hätte eine Stecknadel fallen gehört. Doch der Schiri mochte diese Stille wohl nicht. Jedenfalls dauerte es keine 5 sek. und es brach ein Jubelsturm los, der bis heute seines gleichen sucht. Kurz darauf waren 120 Minuten gespielt. Noch gab es keinen Sieger. Noch war alles möglich. Wirklich???????????? Nein. Jetzt begannen die Jörg Sievers Minuten. Bis auf den ersten 11er, der wahr von Coppado unhaltbar versenkt, traff kein der Berliner mehr. Auf Seiten der Roten, trafen alle. Jörg Colt Sievers wurde in dieser Nacht zur Legende. Von daher, wenn es sein Wunsch ist, nach Schottland zu wechseln, dann sollte 96 , nein, dann muss 96 dieser bitte nachkommen. In diesem Sinne tut es mir ein Stück weit weh, aber wenn es einer verdient hat, dann Jörg "Colt" Sievers. Und natürlich geht das alles ohne Ablöse.

    Lieber Jörg Sievers,                                    Ich wünsche ihnen, alles alles gute. Viel Erfolg in Schottland. Sie werden immer ein herausragendes Teil von 96 bleiben.                                                          Bleiben Sie, wie sie sind.                            Mit Roten Grüßen. Auch an alle 96er

    Euer Harry96. Niemals all

    • Moin Harry,

      danke für die kleine Zeitreise zurück in die 90er Jahre. Sehr interessant zu lesen! Wir vom 96Freunde-Team wünschen dir ebenfalls alles Gute und vor allem auch Gesundheit fürs neue Jahr 🙂

      Rote Grüße, Dennis

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.