„Im 4-3-3 mit Weydandt bekommt Hannover 96 mehr Präsenz“: Tim Block analysiert das 96-Spiel

Hannover 96 kann Positives aus dem Augsburg-Spiel mitnehmen

Hendrik Weydandt schreibt ein echtes Fußball-Märchen. Gegen den VfL Wolfsburg kommt er in der Startelf zum Einsatz. Foto: Thomas Niedermueller/Bongarts/Getty Images.
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Bevor es heute Abend gegen den VfL Wolfsburg im DFB-Pokal weitergeht, wirft unser Autor Tim Block nochmal einen Blick zurück aufs Spiel gegen den FC Augsburg. Und stellt fest: Es gibt auch positives zu resümieren, worauf Hannover 96 heute Abend aufbauen kann.

Nach dem Nackenschlag aus dem Leverkusen-Spiel wäre es mir als Trainer sehr schwer gefallen, die Mannschaft mental mit positiver Energie für das nächste Spiel auszustatten. Für jeden, der sich mit Fußball beschäftigt, dürfte klar sein, dass der FCA keine Mannschaft ist, die einfach zu schlagen ist. Das liegt natürlich daran, dass es kaum noch wirklich richtig schlechte Mannschaften gibt, aber auch daran, dass sich die Trainer im Bundesligageschäft mittlerweile auf ein- und demselben Ausbildungsniveau befinden – und daher eine nominell qualitativ schwächere Mannschaft gegen einen viel besser besetzten Gegner auch über einen längeren Zeitraum mithalten kann. 

Es versprach also ein enges und ausgeglichenes Spiel zu werden. Wie Hannover 96 sich gegen den FCA wirklich schlug, habe ich für euch niedergeschrieben.

WARM-UP: Hannover 96

Die Mannschaft von André Breitenreiter holte vier von sechs möglichen Punkten aus den vergangenen zwei Bundesligaspielen. Durch den Last-Minute Ausgleich in der 94. Minute bedarf es besonders ermutigender Worte von Trainer André Breitenreiter, um die Mannschaft mental wieder aufzurichten und sich auf den FCA zu fokussieren. Strategisch ist der Cheftrainer nahezu endgültig von seinem ursprünglichen Plan der „Dominanz“ abgewichen, was ich sehr bedauere. Dennoch geben die nominellen Ergebnisse dieser Entscheidung recht. 

WARM-UP: FC Augsburg

Manuel Baum und der FCA sind derweil garantiert keine unbeschriebenen Blätter mehr in der Bundesliga. Die Augsburger wissen, dass sich ihnen in der Regel nicht sonderlich viele Möglichkeiten bieten, um zum Torabschluss zu kommen. Um dennoch Effizienz im Spiel zu haben, steht das Team von Trainer Baum defensiv stabil und versucht über den langen Ball und Physis im letzten Drittel den Ball für nachrückende Spieler wie Philipp Max auf die Außen und Ja-Choel Koo ins Zentrum abzulegen und hieraus Gefahr zu versprühen. 

DAS SPIEL

Hannover 96 beginnt ähnlich aggressiv im Anlaufverhalten wie schon gegen den VfB Stuttgart. Haraguchi, Wood und Füllkrug gehen sehr variabel, teilweise sehr kompakt bis statisch vorne drauf, um den langen Ball des Gegners ins Zentrum zu provozieren. Auch wenn Hannover 96 die strukturierteren Kurzpass-Szenen vorweisen kann und auch sonst die Probleme mit der Augsburger Manndeckung gut löst, geht die Mannschaft von Manuel Baum mit 0:1 durch eine Standardsituation in Front. In der Folge verfolgte Hannover 96 weiterhin den Plan des aggressiven Pressings, woraus Augsburg aber schlau für sich Profit schlagen kann, weil sie eben mit Gouweleeuw und  Hinteregger zwei sehr spielstarke Innenverteidiger haben – und mit Koo einen sehr intelligenten Mittelfeldakteur im Zentrum, der die Bälle der Innnenverteidiger gut auf die Außenbahnen leitet und so die aufgerückten Spieler von 96 auf dem falschen Fuß erwischt.

Aber nicht nur gegen das Hannoveraner-Pressing, sondern auch gegen die langen Bälle von Esser, geschlagen auf Füllkrug und Wood, verteidigt das Innenverteidiger-Duo aus Süddeutschland sehr souverän. Auch die Körperdrehungen von Wood provozieren kein Foulspiel oder eine unruhige Aktion, die der 96-Stürmer für sich nutzen könnte.

Insgesamt kann man der ersten Halbzeit von Hannover nicht viel abgewinnen. Die Elf von Manuel Baum jedoch tut auch nicht viel für das Spiel. Die klareren Chancen aus dem Spiel heraus hat eher Hannover 96, denen jedoch der richtige Rhythmus fehlt. In spielflüssigeren Szenen, in denen die Roten mal ein Passspiel relativ direkt und kombinativ aufzeigen, treffen sie nicht die richtigen Entscheidung. Der Ansatz, den Andre Breitenreiter verfolgen wollte, fühlte sich für mich irgendwie nicht richtig an – wenn auch sehr mutig. Augsburg mit den eigenen Waffen schlagen zu wollen, ist bei einem Gegner der tief steht, kompakt verteidigt und dann über schnelles Spiel in der Breite zum Torabschluss kommt, eher riskant. Man kann das machen. Aber dann muss das auch Früchte tragen!

Da man hinterher immer klüger ist, kann ich nun im Nachhinein behaupten, dass ich es vermutlich mit ballbesitzähnlichen Ansätzen und weniger Eins-gegen-Eins Duellen auf dem Flügel versucht hätte. Das Rausrücken von Füllkrug in den Halbraum, mit Ablage ins Zentrum, ist bisher der einzige Mechanismus, der spielerisch wirklich gut funktioniert. Das sah man auch in der 35. Minute, als Genki Haraguchi durch eine gute Drehung nach zuvor guten Stafetten von Schwegler, Albornoz, Füllkrug und Wallace zum Abschluss gekommen ist.

Das war aber leider die einzige torgefährliche Szene aus dem Spiel heraus, die durch das Zentrum kreiert wurde. Aber eben weil Augsburg generell immer seine Gegner gut von innen nach außen drückt, muss man diese Szene auch mal hervorheben. Die Frage, die ich mir schon während des Spiels gestellt habe, ist: „Warum klebt Bebou sehr tief auf seiner Außenbahn fest, obwohl er ein Spieler ist, der unserem Auftreten mehr Aggressivität in der Tiefe gegeben hätte?“  Eine personelle Umstellung hätte uns schon in der ersten Halbzeit gut getan. Aber da Andre Breitenreiter ein Trainer ist, der generell sehr spät umstellt, ist eine Diskussion hierüber müßig. Dass er sich dafür entschieden hat, Bebou als RAV in der Fünferkette einzusetzen, kann ich generell nicht nachvollziehen, da ein Mehrwert dadurch nicht entstanden ist. 

Zweite Halbzeit – Umstellung bei Hannover 96 bringt mehr notwendige offensive Durchschlagskraft

In der Kabine blieb Pirmin Schwegler, der keine gute Leistung zeigte. Fairerweise muss man sagen, dass es selbst bei ordentlicher Leistung in der ersten Hälfte zu einem Wechsel gekommen wäre, da Hannover 96 dringend mehr Schnelligkeit im Zentrum benötigte!

In Folge der Umstellung spielte 96 nun mit dem für Schwegler gekommenen Florent Muslija und Ihlas Bebou in der zentralen Zone. Haraguchi spielte nun auf der vorherigen Bebou-Position als RAV und setze dies effektiver um, als Bebou es in der ersten Hälfte tat. Die starken Läufe ins Zentrum von Augsburg sicherten für den nachschiebenden Elez immer wieder den Raum, sodass die Elf von Breitenreiter Stück für Stück in die gegnerische Hälfte rücken konnte. Auch wenn das nun ziemlich gut geplant klingt, ist Haraguchi eigentlich kein idealer Typ für diese Position des RAV – unabhängig vom Handelfmeter, der zum 0:2 führte.

Nach dem zweiten Gegentor stellte Breitenreiter um: Henne Weydandt kommt als zusätzlicher Stürmer in die Partie. Im 4-3-3 mit Weydandt als Brecher geht Hannover nun in die Schlussphase und kann mit dem offensiven Achter (Bebou) und dem Zehner (Muslija) mehr Präsenz bekommen.  Da sich nun sich die Schlussphase relativ wild gestaltet und Augsburg erst spät umstellt um noch defensiver und sicherer zu stehen, kommt Hannover 96 mehr und mehr ins Rollen und dominiert die Partie klar. Auch wenn unter der taktischen Umstellung der Spielaufbau gelitten hat, transportiert 96 den Ball auch aufgrund schlecht stehender Augsburger immer wieder in das letzte Drittel und beschafft sich Torraumszenen, die aber am Ende nicht viel am Ergebnis ändern. 

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