Hannovers kleiner Beitrag zur Europameisterschaft

Die Fußball-Saison taumelt allmählich ihrem Ende entgegen. Eine leidgeplagte Spielzeit ohne Fans, ohne Stimmung und ohne Spektakel. Zweckoptimisten sagen, Hannover 96 hat sich den Aufstieg für die Rückkehr der Fans aufgehoben. In der Sommerpause soll der große Umbruch erfolgen, Strippenzieher sollen Jan Zimmermann und ein eventueller neuer Sportdirektor sein. Ruhen tut der Ball jedoch nicht, abseits des Vereinslebens steht ein umstrittenes Projekt an…

Die Rede ist von der Europameisterschaft 2021, welche von den Veranstaltern weiterhin krampfhaft als Europameisterschaft 2020 betitelt wird. Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Großturnier um ein Jahr verschoben werden. Knapp 365 Tage ist die prekäre Situation kaum besser, der internationale Fußballverband hat sich mit seinen Plänen trotzdem durchgesetzt. Und idiotischerweise wird die am 11. Juni beginnende Europameisterschaften alle vorherigen in den Schatten stellen. Erneut nehmen 24 Nationalmannschaften an dem Finalturnier teil, anstatt zwei Gastgebern gibt es nun elf! Elf europäische Großstädte durften sich über den Zuschlag freuen, für den DFB ist die Allianz Arena gelistet. In München werden drei Gruppenspiele sowie ein Viertelfinale ausgetragen. Unter dem Strich bedeutet dies, dass 24 Nationalmannschaften mit Spielern aus der gesamten Welt über einen Monat hinweg durch ganz Europa reisen müssen. Nebenbei kämpfen die „Normalsterblichen“ mit einer weltweiten Pandemie – Dinge, die nur der Fußball schreibt…

Doch genug der Kritik, dieses Thema wurde bereits breit getreten. Die Vorfreude ist zwar deutlich geringer als unter normalen Umständen, dennoch wird der Fußballfan sich die Spiele reinziehen. Als Anhänger eines Zweitligisten ist es natürlich untypisch, eigene Schützlinge bei einem internationalen Turnier anfeuern zu können. So auch für die treuen Seelen der Roten – jedenfalls was den aktuellen Kader betrifft. Einen kleinen Anteil am kommenden Turnier haben die Niedersachsen dann aber doch: Mit Marcel Halstenberg und Kenan Karaman sind zwei Ex-Hannoveraner mit von der Partie. Beide sind an der Leine einen nicht unwesentlichen Karriereschritt gegangen, der Baustein 96 darf daher nicht vernachlässigt werden.

In Leipzig entwickelte sich der in Laatzen geborene Marcel Halstenberg sogar zum Nationalspieler. Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images.

Marcel Halstenberg hat sich das erste Mal in seiner Karriere für ein großes internationales Turnier „qualifiziert“. Der Linksverteidiger von RB Leipzig feierte erst im November 2017 sein Nationalmannschafts-Debüt unter Joachim Löw, nun hat ihn der scheidende Bundestrainer für den finalen Kader nominiert. Bislang stehen acht Nationalmannschaftsauftritte in der Vita von Halstenberg, aufgrund von mehreren Verletzungen wurden ihm jedoch weitere Chancen „geraubt“: Seine Einsatzchancen sind jedoch nicht schlecht, denn die linke Abwehrseite gilt als „Problemzone“ der „Mannschaft“. In der Gruppe F trifft er auf Frankreich, Ungarn und Portugal. Die Chance auf das Weiterkommen lebt vor allem deshalb, weil sich die vier besten Gruppendritten ebenfalls für das Achtelfinale qualifizieren. Das Auftaktmatch steigt am 15. Juni in München gegen Frankreich.

Marcel Halstenberg ging seine ersten Fußballschritte in Hannover. Der gebürtige Laatzener kam 1999 in die 96-Jugend, bis zum Sommer 2011 durchlief er alle U-Mannschaften der Roten. Für die U19 bestritt Halstenberg 58 Spiele auf Junioren-Bundesliganiveau, seine letzte Saison in Niedersachsen absolvierte er bei der zweiten Mannschaft (19 Spiele). Der damals 19-Jährige machte schnell auf sich aufmerksam, angebissen hat niemand geringeres als Borussia Dortmund. Über die Schwarz-Gelben und St. Pauli ging es im Sommer 2015 zu RB Leipzig und feierte schnell den Aufstieg in das Bundesliga-Oberhaus. In dieser Spielzeit konnte er in 30 Spielen sein Können beweisen, die jetzige Nominierung wird als Highlight in sein persönliches Tagebuch eingehen.

Auch Kenan Karaman darf sich auf die EM freuen.

Mit Kenan Karaman steht ein zweiter ehemaliger Hannoveraner im Aufgebot für die EM 2020. Der Stürmer steht aktuell bei Ligakonkurrent Fortuna Düsseldorf unter Vertrag und hat mit neun direkten Torbeteiligungen sowie einem geschickten Spielstil großen Anteil am derzeit vierten Tabellenplatz der Düsseldorfer. Seit seinem Nationalmannschaftsdebüt im November 2017 absolvierte Karaman 20 Spiele für die „Ay-Yildizlilar“, dabei gelangen dem 27-Jährigen fünf Treffer. Die Nominierung für die Türkei kam daher wenig überraschend. Noch heute trauern viele Anhänger von Hannover 96 dem damaligen Karaman-Transfer hinterher. Der bei der TSG 1899 Hoffenheim ausgebildete Offensivspieler schloss sich im Sommer 2014 Hannover 96 an, in 93 Spielen für die Profis gelangen ihm zwölf Tore und zehn Vorlagen. Aufgrund der mageren Ausbeute wurde er unter der Regie von Horst Heldt regelrecht verschenkt – zur Freude von Fortuna.

Auch wenn Hannover 96 nicht zu den Top-Teams der Bundesliga zählt, die Nominierungen von Karaman und Halstenberg sowie die wichtige Bedeutung von 96 in deren Karriere zeigt, dass die Roten nicht allzu viel bei der Ausbildung von jungen Spielern falsch machen. Wir drücken unseren Ex-Schützlingen schon jetzt beide Daumen.

 

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