Vor dem Hertha-Spiel wird Schmiedebach gedemütigt

Nach der Siegesfeier am Rathaus war nichts mehr, wie es war

Manuel Schmiedebach sammelte mit einer emotionalen Ansprache viele Pluspunkte bei den Fans von Hannover 96. Er ist eine Identifikationsfigur -auch wenn seine spielerischen Leistungen zuletzt mäßig waren. Getty Images

Als Pirmin Schwegler die fünfte gelbe Karte beim 2:0-Sieg gegen Hoffenheim sah, war allen Fans klar: Manuel Schmiedebach, der verdiente Ex-Kapitän und Aufstiegsheld der Saison 2016/17, darf als Ersatz für Schwegler beim Auswärtsspiel in Berlin auflaufen.

Doch dem ist überraschenderweise nicht so. Und das, obwohl Trainer André Breitenreiter immer betont hatte, dass Schmiedebach nur deshalb nicht spielt, weil zurzeit am ähnlich veranlagten Schwegler kein Vorbeikommen ist. 

Jetzt fällt Schwegler gelbgesperrt aus – und Schmiedebach steht nicht einmal im Kader. Dabei wäre er gegen Hertha BSC Berlin wohl besonders motiviert:  Der gebürtige Berliner Schmiedebach gab gegen die Hertha sein Bundesligadebüt (mit seinem jetzigen Klub 96 im August 2009, drei Monate vor Robert Enkes Tod) und erzielte auch eines seiner beiden Erstliga-Tore gegen Berlin.

Da kommt es einer Demütigung gleich, dass Schmiedebach, der mehr als alle anderen für den Wiederaufstieg gekämpft hatte, nicht mal im Kader steht. Zur Erinnerung: Schmiedebach war der einzige Leistungsträger, der beim Bundesligaabstieg 2016 Hannover ohne wenn und aber treu blieb (während Zieler oder Kiyotake ins Ausland gingen und Sané mit einem Wechsel liebäugelte).

 „Schmiede“ ist abseits des Platzes eher ein leiser Typ. Auf dem Rathausbalkon bei der Aufstiegsfeier jedoch lernten die Fans ihren Kapitän von einer anderen Seite kennen: Schmiedebach machte Stimmung mit den Fans. Trotz dieser ausgelassenen Stimmung platzierte Schmiedebach in seiner Ansprache aber auch ein paar vereinspolitische Themen. Dies gefiel nicht jedem Vereinsverantwortlichen, war im Umfeld von Hannover 96 später zu hören.

So machte Schmiedebach auf ironische Weise über die hohen DFB-Strafen gegen Hannover 96 wegen Pyrotechnik aufmerksam: „Damit könnten wir einen guten neuen Spieler verpflichten, aber wir zahlen halt lieber für Pyro.“ Und trotz der unwürdig vollzogenen Trennung von Ex-Trainer Daniel Stendel bedankte sich er ausführlich beim ehemaligen Coach und dessen Trainerteam und würdigte seinen Verdienst für den Aufstieg: „Nächstes Thema: Daniel Stendel. Wir haben 46 Punkte mit ihm zusammen geholt. Man muss es honorieren! Wir haben Punkte mit denen zusammengeholt, die uns heute das ermöglicht haben, was wir jetzt haben. Wir sind aufgestiegen, mit jedem einzelnen der Personen, die davor tätig waren – und diese Personen möchte ich honorieren.“

Zudem kritisierte Schmiedebach die Zeit unter Thomas Schaaf: „Wir sind abgestiegen, sang- und klanglos. Bei den letzten Spielen [in der Bundesliga unter Stendel] haben wir viel gerissen. Wir haben viele Dinge geleistet, wo man sagen kann: Wir haben euch wieder zurückgeholt. Davor [unter Schaaf] war es einfach nur scheiße.“ Als die Fans am Ende laute „Schmiedebach!“-Rufe anstimmen, ist er sprachlos: „Ich weiß gar nicht mehr, was ich zu euch sagen soll!“ 

Schmiedebachs familiäre Wurzeln in Venezuela haben ihn geprägt – er weiß, was es heißt, ums Überleben kämpfen zu müssen. Auch auf dem Platz ist er ein großer Kämpfer. Ein Abräumer, der nie zurück steckt. Ein Mittelfeldmotor, der immer alles gibt. Die Fans in Hannover schätzen „Schmiede“ dafür. Breitenreiter offenbar nicht. Gegen Berlin wird offenbar Iver Fossum von Anfang an spielen.

Schon vor der Saison knirrschte es zwischen Schmiedebach und Breitenreiter. Kurz nach Saisonende, im Juni 2017, vermeldete der „kicker“: „Selbst Kapitän Schmiedebach wackelt in Hannover. Der personelle Umbruch bei Hannover 96 macht auch vor dem Kapitän der Niedersachsen nicht Halt: Manuel Schmiedebach, der dienstälteste 96er und Topverdiener beim Aufsteiger, erhält Signale, dass er von Bord gehen soll.“ Daran, so muss man Breitenreiters Aufgebot interpretieren, hat sich nichts geändert.

Die voraussichtliche Aufstellung gegen Hertha BSC Berlin: 

Tschauner – Korb, Anton, Sané, Ostrzolek – Fossum, Bakalorz – Bebou, Klaus – Füllkrug, Harnik 

1 Kommentar

  1. Zum Thema Schmiedebach verstehe ich nicht so ganz die Logig von diesem Beitrag. Fakt ist, dass Schmiedebach ein guter Kämpfer ist aber das reicht derzeit nicht aus um ihn in die Startelf aufzustellen. Was soll Andre Breitenreiter tun? Er hat bessere Alternativen und da muss sich Schmiede rankämpfen. Markige Sprüche reichen da nicht aus und die Vergangenheit zählt da auch nicht. Daher ist dieser Kommentar nicht wirklich zielführend. 

     

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