Hannover 96 – Schalke 04 4:2 (2:0) – Als Hannovers Heimsieg zum Befreiungsschlag im Abstiegskampf wird

Großer Jubel nach dem Überraschungserfolg gegen Schalke. Weitere emotionale Siege gegen Mönchengladbach (6:1) und Bochum (3:0) folgten. Foto: Getty Images

Endstand 4:2. In einem dramatischen Spiel schlägt Hannover 96 Schalke 04 deutlich. Und das nach diesen demütigenden Niederlagen in den letzten Wochen! Mit diesem Befreiungsschlag im Saisonendspurt hatte niemand mehr gerechnet. Ein emotionaler Rückblick von Dennis Draber

Wir schreiben den April 2010. Robert Enke hatte einige Monate zuvor Selbstmord begangen, die Mannschaft lag am Boden. Zwei Trainerwechsel gab es bereits, Dieter Hecking musste am Anfang der Saison gehen, sein Nachfolger Andreas Bergmann im Winter. Trainer Nummer drei – Mirko Slomka – konnte auch nicht viele Spiele gewinnen. Es hagelte acht Niederlagen in elf Spielen unter Slomka. Hannover stand bereits mit einem Bein in der zweiten Liga.

Und ausgerechnet jetzt kam Felix Magath mit seiner vielversprechenden Schalker Mannschaft (und einem jungen talentierten Torhüter namens Manuel Neuer) an den Maschsee.

Die Startelf von Hannover 96 lautete damals:

Fromlowitz – Cherundolo, Eggimann, Haggui, Schulz – Pinto, Schmiedebach – Rausch, Elson – Koné, Ya Konan

Auf der Einwechselbank:

Gospodarek, Balogun, Schlaudraff, Hanke, Balitsch, Chahed, Bruggink

96 startete ohne den gelb-rot-gesperrten Jiri Stajner und den verletzten Leon Andreasen. Hannover hielt gegen die Schalker Übermacht um Höwedes, Rakitic, Farfan und Kuranyi tapfer dagegen. Plötzlich fiel der Führungstreffer aus dem Nichts: Der Ball kam zu Manuel Schmiedebach, der freistehend im Schalker Strafraum in die Mitte querpassen wollte. Heiko Westermann fälschte den Pass unhaltbar für Neuer mit dem linken Knie ins eigene Tor ab. 1:0 für Hannover 96!

Kurz darauf das 2:0, bei dem Didier Ya Konan den jungen Manuel Neuer ganz alt aussehen ließ: Schmiedebach passte Ya Konan perfekt in den Lauf. Neuer eilte aus dem Tor und sprang kurz vor Ya Konan unnötig in die Luft. Der Ivorer schoss durch die Beine von Manuel Neuer vom Strafraumrand ins Schalker Tor – das 2:0 in der 29. Minute.

Die 49.000 Zuschauer in der ausverkaufen AWD-Arena rieben sich verwundert die Augen: War das die Trümmer-Mannschaft, die in der Rückrunde bisher nur zwei Spiele gewonnen, aber dafür bereits neun Spiele verloren hatte?

In den Folgeminuten musste Schmiedebach verletzt raus, Hanno Balitsch kam herein. Auch Felix Magath reagierte und brachte Rafinha für Zambrano. Nach Anpfiff der zweiten Halbzeit plötzlich der Doppelschlag der Schalker: Erst erzielte Edu den Anschlusstreffer, in der 52. Minute erzielte Rakitic den Ausgleich. Schon stand es wieder 2:2 – und die 96-Fans dachten sich bedröppelt: Alles wie immer, hat sich also doch nichts geändert bei Hannover 96. Schalke spielte jetzt jetzt auf Sieg und war nah dran am Führungstreffer.

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Doch dann brachte Hanno Balitsch das Stadion zum Beben – so laut, wie es seit Vladan Milovanovic und seinem Fallrückzieher im Relegationsspiel 1998 gegen TeBe Berlin nicht mehr in Hannover zu hören war. Vor der Nordkurve nahm Balitsch den Ball und zimmerte ihn aus 20 Metern ins Toreck. Ausgerechnet Balitsch! Einige 96-Fans hatten den Mittelfeldspieler schon als Taugenichts verflucht, weil er zwei Spiele zuvor gegen Köln einen Eckball aus dem eigenen Strafraum gefaustet (!) hatte. Damals wusste noch niemand, dass Balitsch als Vertrauter von Robert Enke als einziger 96-Spieler über dessen Depression schon im Vorfeld Bescheid wusste und Teresa Enke versprochen hatte, auf den depressiven Robert Enke aufzupassen… Und jetzt schoss ausgerechnet dieser Hanno Balitsch Hannover 96 wieder zurück in den Kampf um den Klassenerhalt in dieser Horror-Saison.

Ausgerechnet Hanno Balitsch, der als einziger 96-Spieler von der Depressionserkrankung Robert Enkes Bescheid wusste, erzielte mit dem 3:2 einen entscheidenden Treffer zum Klassenerhalt. Foto: Getty Images

In der Nachspielzeit wiederholte Didier Ya Konan sein Schelmenstück und schob den Ball am herauseilenden Manuel Neuer vorbei ins Tor. Die Nordkurve brodelte, das Stadion schwappte über vor Freude, das Bier spritzte in die Luft beim Jubeln. Die Fans feierten nach düsteren Monaten, die geprägt waren von Trauer um Robert Enke und von Erfolglosigkeit in der Liga, zum ersten Mal wieder richtig befreit und ausgelassen.

Für mich persönlich war es eines der schönsten und emotionalsten Spiele von Hannover 96. Wiederholung morgen gegen Schalke 04 ausgeschlossen? Ja, wahrscheinlich. Aber trotzdem denke ich gerne zurück an den 10. April 2010, an dem die emotionale Wucht des nicht für möglich gehaltenen Heimsiegs die traurigen vergangenen Monate zumindest für einen Nachmittag vergessen ließ.

Doppeltorschütze Didier Ya Konan mit einer Geste an den verstorbenen Robert Enke. Er und Florian Fromlowitz bejubeln den überraschenden 4:2-Sieg gegen Schalke. Foto: Getty Images

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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1 Kommentar

  1. Oh ja. An das Spiel kann ich mich auch noch gut erinnern. Auch für mich war das Spiel gegen S04 eines der emotionalsten. Gerade wegen des Selbstmordes von Robert Enke. Diese Niedergeschlagenheit, die ja nicht nur die Mannschaft, sonder auch die ganze Stadt quasi lahm legte, sah man der Mannschaft bei jedem Spiel an. Für mich, war diese Saison 2009/2010 , die emotionalste, die ich in meinen 43 Jahren Fan von unseren Roten mit erleben musste. Und, wer weiß, vielleicht ist das Spiel morgen gegen Schalke der solang erhoffe Befreiungsschlag. In diesem Sinne, morgen sind nicht nur die Spieler gefordert, sondern auch wir auf den Tribünen. Auch wenn ich mich hier wiederhole. Das Stadion wird morgen voll sein, jetzt muss es nur noch laut werden. Mein Tip: 96-S04  2:0

    Gruß                                                             Euer Harry96

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