Abstiegsangst und Hoffnung auf einen Neuanfang: Vor dem Endspiel wird es beim Hamburger SV emotional

Der Neuanfang beim Hamburger SV ist bereits eingeleitet

Er war der Hoffnungsträger beim Hamburger SV: Trainer Christian Titz. Foto: Getty Images
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Einblicke in das Seelenleben beim Hamburger SV: Kult-Fan Marcus „Scholle“ Scholz schreibt exklusiv für 96Freunde.de über die Gefühlslage beim Hamburger SV vor dem finalen Spieltag der diesjährigen Bundesliga-Saison. Viel Spaß beim Lesen! 

Von Marcus „Scholle“ Scholz (rautenperle.com)

Ein hartes Los

Relegation zu spielen ist hart. Zwei Spiele, in denen alles passieren kann. So, wie wir Hamburger es gegen Fürth (mit Slomka) und noch mehr gegen Karlsruhe (mit Labbadia) durchleiden mussten. Jeweils mit einem glücklichen Ausgang, okay. Aber der Weg dahin war schon so, dass wir alle gesagt haben: „Darauf können wir sehr gut verzichten.“ Und trotzdem sind wir aktuell wieder in der Situation, dass wir uns das wünschen müssen, was wir nie wieder haben wollten: die Relegation. Ein Sieg gegen Gladbach, parallel dazu muss Köln in Wolfsburg gewinnen. Es gab zweifelsfrei schon wahrscheinlichere Szenarien – aber es ist eben auch nichts auszuschließen, gerade nicht am letzten Spieltag. Und irgendwie beim VfL Wolfsburg sogar noch weniger als beim HSV, dem man ja nachsagt, so wirklich gar nichts auszulassen…

Hoffen auf Wolfsburgs Negativtrend

Tatsächlich ist die größte Hoffnung für das Wochenende die Lethargie in Wolfsburg. Wer schon mal da war, der weiß bei allem Respekt vor der sportlichen Leistung, dass der VfL nicht über das stimmungsvollste Publikum verfügt. Mannschaftsintern ist es schwer für die Verantwortlichen, Spieler zu finden, die sich mit Stadt, Fans und Klub identifizieren. Nicht selten müssen dafür hohe Gehälter herhalten, damit man seine Wunschspieler bekommt. Irgendwie kommt es eben alles immer ein wenig zusammengekauft rüber. Es wirkt auf mich irgendwie wie eine Neubausiedlung mit schönen Häusern – die alle gleich aussehen und trotz individueller Schönheit in Summe einfach eine Tristesse auslösen, die einige wenige vielleicht erfreuen kann, die aber die meisten irgendwann frustriert. Langweilig eben.

Hätten wir Titz doch schon früher geholt…!

„Bei uns ist die Stimmung in der Stadt so wie immer. Da ist es egal, ob Du gerade die Champions League gewinnst oder in die Amateurklassen absteigst“, hat mir ein ehemaliger Spieler des VfL Wolfsburg erzählt. Er lobte den Verein und die Verantwortlichen, die einen guten Job machen würden, aber im Ergebnis kommt das einfach nicht bei den Fans an. Anders als in Hamburg, wo die Fans das einzig konstant Erstklassige sind. 2000 Fans kamen zum Training am Vatertag und sangen ihre Jungs nach vorn, denen ein neuer Trainer das Leben eingehaucht hat, was man hier seit Jahren vermisst hat. Der HSV spielt sogar wieder Fußball. „Hätte der HSV ihn früher geholt, wäre der HSV niemals in der Situation von heute“, hat Matthias Sammer zuletzt gelobt und sich damit dem Tenor angeschlossen. Denn eine derartige Geschlossenheit hinter dem Trainer gab es ewig nicht mehr.

Deshalb macht Titz alles besser als Slomka oder Labbadia

Dass man mit Titz den Vertrag verlängert hat, macht Hoffnung. Es lässt hoffen, dass die Verantwortlichen endlich mal auf Inhaltliches und nicht auf Äußerliches setzen. Qualität und  Kreativität anstelle teurer Einkäufe, die in den letzten Jahren in aller Regel floppen. Titz spielt erfrischenden Fußball, der auf Ballbesitz und Torchancen ausgerichtet ist. Kurzum: Titz verwaltet nicht, er gestaltet. Und allein das reicht schon, um sich von den letzten zehn Vorgängern soweit abzuheben, dass die Massen mitgehen. Mit einem neuen, in der Bundesliga noch unverbrauchten Trainer neue Wege gehen – das schafft eine Verbindung, die auch schwierige Phasen durchstehen lassen kann. Und das wäre der Abstieg allemal.

Der Hamburger SV ist dieses Mal auf den GAU vorbereitet

Was ich damit sagen will: Neben der weiterhin bestehenden Hoffnung auf die Relegation hat der HSV auch für den Fall der Fälle vorgearbeitet. Titz darf bleiben, was lange nicht sicher war. Und Titz steht für einen Neuanfang – unabhängig von der Liga. Und so schlimm der GAU auch wäre, er würde so zumindest ein wenig erträglicher, ohne wirklich genau zu wissen, was da auf mich zukommt. Zweite Liga – kennen wir hier ja noch nicht. Im Gegenteil, wir waren ja gefühlt bzw. behauptetermaßen das Gegenteil vom Zweitligisten. „Immer Erste Liga, HSV“, wird noch heute im Stadion gesungen. Und ich hoffe, dass das weiterhin stimmen wird.

Ein Neuanfang wird kommen, so oder so

Und selbst wenn es doch den GAU gibt, hoffe ich darauf, dass der Neuanfang auch endlich mal ein echter Neuanfang wird. Gefordert wird es seit Jahren – gemacht nie. Leider. Denn hier gibt es seit Jahrzehnten zu viele festgefahrene Strukturen, die aufgebrochen gehören. Titz ist da ein erster Schritt. Ein sehr guter weil wichtiger erster Schritt, der hoffen lässt – ligaunabhängig…

Zum Abschluss Grüße nach Hannover

In diesem Sinne, liebe Freunde aus Hannover, drückt uns die Daumen, dass wir uns in der kommenden Saison und in den darauffolgenden Jahren weiterhin erstklassig begegnen.

Mit freundschaftlichen Grüßen, Euer Scholle von rautenperle.com

96Freunde-Gründer Dennis Draber (l.) im Gespräch mit dem Hamburger Kult-Blogger Marcus „Scholle“ Scholz (r.)

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