Gänsehaut beim 96-Torjubel: Nach dem Abstieg ist vor dem Aufstieg

Choreografie beim Niedersachsen-Derby im November 2013. Foto: Getty Images

Hannover 96 ist so gut wie abgestiegen, nur ein Funken Resthoffnung bleibt. Die Enttäuschung ist vor allem deshalb so groß, weil der sich ankündigende Abstieg vermeidbar war. 96-Fan Moritz Muschik blickt auf Erlebnisse mit den „Roten“ zurück, an die er sich ewig erinnern wird.

Diese Szene bleibt einfach in Erinnerung: Es ist ein lauer Sonntagnachmittag im Oktober 2011. Ich werde an diesem Tag 16 Jahre alt – und Hannover 96 macht mir das beste Geburtstagsgeschenk, das es für einen Fan geben kann. Christian Pander schließt aus 20 Metern ab, der Ball prallt an den Fuß von Luiz Gustavo – und die Kugel landet unhaltbar für Manuel Neuer im Tornetz. Ich schreie, umarme meine Freunde. Was für ein Tor gegen den Rekordmeister!

Das 2:1 gegen die Münchener ist mittlerweile viele Jahre her. In der Zeit bin ich sieben Jahre älter geworden – und mit Hannover ging es stark bergab. In der Saison 2011/2012 waren die „Roten“ noch Bayern-Bezwinger und am Ende Siebter in der Tabelle, davor das Jahr belegten sie sogar Platz vier. Das waren Zeiten…

Schon gefühlte Ewigkeiten bin ich Hannover-Fan. Und seitdem ich selber Fußball spiele und mich fürs Kicken interessiere, spielte 96 mit kurzer Unterbrechung in der Bundesliga. Der Aufstieg in die erste Liga 2002, die Spiele in der Europa League mit Mirko Slomka und Torwart Ron-Robert Zieler im Weltmeister-Kader: Der Club und die Mannschaft haben mich so oft mitgerissen und jubeln lassen.

Aber wie verblasst war in dieser Saison die Leidenschaft der Spieler. Und damit, zumindest fast 30 Spiele lang, auch die Stimmung auf den Rängen – und der Erfolg im deutschen Fußball. In dieser Zeit ist es angebracht, zurückzublicken und Danke zu sagen für viele Momente und Erinnerungen.

So wie an einem kalten Wintertag in Kopenhagen, als 10.000 Hannover-Fans mitgereist sind, um das Team von Trainer Mirko Slomka in Dänemark nach vorne zu peitschen! Da ging es noch ums Weiterkommen auf der internationalen Bühne.

Jan Schlaudraff gleicht die Führung der Gastgeber in der zweiten Hälfte aus. Und nur drei Minuten später der große Auftritt von Lars Stindl. Der dreht das Spiel mit einem Hammer in den rechten Winkel – und sorgt für totale Emotionen auf der Tribüne. Stindl setzt zum Jubellauf an, wählt mit seinen Fingern, als wolle er telefonieren.

Jeder weiß sofort: „In Kopenhagen schellt das Telefon“. Der Satz aus dem Fangesang steht sinnbildlich für den Auftritt in der Europa League. Manuel Schmiedebach eilt heran, springt dem Torschützen von hinten auf die Schultern. Wenn ich daran denke, bekomme ich immer noch Gänsehaut.

„In Kopenhagen schellt das Telefon!“ Lars Stindl jubelt nach seinem Treffer gegen Kopenhagen. Foto: Getty Images

Genauso wie bei meinem ersten Derby gegen Eintracht Braunschweig bei uns in Hannover – im Jahr 2013 war das, dreieinhalb Jahre vor dem legendären Derbysieg.

Die Partie an sich blieb blass, eine echte Nullnummer. Eigentlich eines großen Niedersachsen-Derbys nicht würdig. Aber die Atmosphäre rund um das Duell war einfach elektrisch. Dabei erinnere ich mich aber noch heute vor allem an eins: die große Choreographie beim Einlaufen der Mannschaften in der Nordkurve.

Ein Freund und ich waren im Block N4, als die riesigen Transparente den Rang hochgezogen wurden. Darunter streiften wir die grünen Plastik-Tüten über, abgestimmt mit den anderen Bereichen in der Kurve. Nebenbei schmetterten wir unsere Hymne „Alte Liebe“.

Choreografie beim Niedersachsen-Derby im November 2013. Foto: Getty Images

Der Support war und ist ein Teil meines Lebens. Und das wird auch so bleiben. Auch in Liga zwei. Dann kommen wir eben gegen Heidenheim, Paderborn und St. Pauli ins Stadion. Im Gegensatz zur Liga wird sich eines nie ändern: Die volle Identifikation mit den „Roten“.

Der Hit „Won’t Forget These Days“ von Fury in the Slaughterhouse dudelte nach vielen Heimsiegen aus den Lautsprechern. Und es passt. Nach wie vor. Denn diese Tage werde ich nicht vergessen. Ich sage Danke für die Erinnerungen, Hannover 96. Hoffentlich sind wir bald zurück in der ersten Liga…

P.S.: Diesen schönen Text hat Autor Moritz Muschik eigentlich vor drei Jahren zum Zweitligaabstieg geschrieben. Weil er aber (leider wieder) aktuell ist, haben wir ihn in leicht abgeänderter Form nochmal veröffentlicht. 

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