Fünf Dinge, die ihr vor dem 96-Spiel gegen den Hamburger SV wissen müsst

Gibt es heute wieder Grund zur Freude für Weydandt, Bakalorz & Co.? Foto: Getty Images

Das vielleicht schönste Auswärtsspiel der Saison steht vor der Tür. Ab 13:30 Uhr rollt der Ball in der Hansestadt Hamburg, wenn unsere Roten gegen den „großen“ HSV antreten. Wir präsentieren euch fünf Dinge, die ihr vor dem Spiel wissen solltet.

Nummer Eins: Ohne Maina, ohne Soto

Was für ein Wechselbad der Gefühl für den jungen Linton Maina. Das wohl vielversprechendste 96-Talent durfte sich diese Woche zunächst über eine Nominierung zur deutschen U21-Nationalmannschaft freuen. Doch plötzlich das: „Er hat eine Ansatzreizung am Adduktor – das kann gefährlich werden, wenn wir da jetzt nicht aufpassen und eine Pause reinschalten. Er kriegt intensive Behandlung bei uns“, sagte Trainer Mirko Slomka auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Damit fällt Maina auch für die deutsche U21 aus.

Sebastian Soto ist hingegen fit, wurde von Mirko Slomka aber nicht für den Kader gegen den Hamburger SV berufen. Das ist umso interessanter, weil damit im Vergleich zum Fürth-Spiel nur 18 statt 20 Mann für das Nordduell beim Hamburger SV nominiert sind. Platz für Soto wäre also gewesen! Doch Soto hat wiederholt ein Vertragsangebot von Hannover 96 abgelehnt, liebäugelt mit einem Wechsel. Ob Hannover 96 den jungen Stürmer jedoch nach der Jonathas-Vertragsauflösung überhaupt gehen lässt? Möglicherweise hat Soto sich verzockt.

Nummer Zwei: So unbefreit wie seit 22 Monaten nicht!

Hannover 96 kann beim Auswärtsspiel gegen den Hamburger SV endlich unbefreit aufspielen. 30 Spiele hatte Hannover 96 in der Fremde nicht gewonnen – der Auswärtsfluch dauerte von Oktober 2017 bis August 2019 an. Mit dem Auswärtssieg gegen Wiesbaden (3:0) konnte dieser Fluch endlich gebrochen werden. Auch für Mirko Slomka bedeutete der Wiesbaden-Sieg eine enorme innere Erleichterung: Er war zuvor 25 Auswärtsspiele in der Liga ohne Sieg geblieben. Slomka und sein Team können zum ersten Mal seit Jahren ohne den „Jetzt-muss-es-aber-endlich-mal-mit-einem-Auswärtssieg-klappen“-Druck anreisen.

Nummer Drei: Das erste Spiel nach dem historischen Hannover 96-Vertrag

Seit Jahren hatte der Konflikt zwischen aktiver Szene und dem 96-Vorstand um Martin Kind das Umfeld belastet. Auch an den Spielern von Hannover 96 ging dieser Konflikt in den letzten Jahren nicht spurlos vorbei – das hatten mehrere 96-Akteure wie Pirmin Schwegler, Niclas Füllkrug, Philipp Tschauner mehr oder weniger deutlich in der Öffentlichkeit gesagt.

Seit Montag ist dieser Konflikt nun Geschichte. In einem sogenannten Hannover 96-Vertrag, den die Aufsichtsräte und 50+1-Verfechter Ralf Nestler und Sebastian Kramer als „historisch“ bezeichneten, machen der Chef der Profifußballsparte (KGaA) Martin Kind und der Breitensportverein (e.V.) einen großen Schritt aufeinander zu. Der e.V., der in Finanznöten war, erhält ein langfristiges Darlehen zu relativ günstigen Konditionen. Die Markenrechte, um deren Nutzung es in der Vergangenheit immer wieder Streit gab, werden in einer neuen Markenrechts-GmbH gebündelt, an der der e.V. und die KGaA beide beteiligt sind. Und: Die zwei vom e.V. in den Aufsichtsrat der entsandten Vertreter erhalten volles Stimmrecht – sie dürfen damit zukünftig über Bestellung und Abberufung des Profifußball-Geschäftsführers mitentscheiden.

Eine mögliche 50+1-Ausnahmegenehmigung, die der Hauptgrund für den umstrittenen Stimmungsboykott der 96-Fanszene war, ist endgültig vom Tisch. Aufsichtsrat Ralf Nestler, der der Pro Verein-Bewegung nahe steht und Kinds Vorhaben in der Vergangenheit bekämpft hatte, bedankte sich deshalb ausdrücklich bei Martin Kind und zollte ihm in aller Öffentlichkeit dafür – Zitat – „Respekt“.

Sebastian Kramer, Ralf Nestler und Martin Kind stellten gemeinsam den „Hannover 96-Vertrag“ vor.

Dieses Thema – inklusive der vermeintlichen Insolvenz des Vereinssportzentrums an der Stammestraße – besprechen wir auch in unserem neuen 96Freunde-Podcast.

Nummer Vier: Ohne den historischen Sieg beim Hamburger SV gäbe es keinen „38, 54 – Deutscher Meister, HSV!“-Fangesang

29. Mai 1938: Es ist die letzte Partie vor dem Einzug ins Endspiel um die deutsche Meisterschaft. In Dresden sehen 18 000 Menschen zu, wie sich Hannover 96 und der Hamburger SV ein echtes Halbfinal-Drama liefern. Der hohe Favorit aus der Hansestadt scheint seiner Rolle gerecht zu werden und führt durch einen Doppelschlag von Werner Höffmann (20.) und Hans Sikorski (23.) mit 2:0. Doch 96 schlägt zurück: Peter Lay (34.) gelingt der Anschluss, später der Ausgleich (74.). In der Verlängerung sorgt Edmund Malecki für das 3:2-Siegtor.

Fans von Hannover 96 feiern den Meistertitel 1938. Foto: Hannover96.de
Fans von Hannover 96 feiern den Meistertitel 1938. Foto: Hannover96.de

Fünf Wochen später wird Hannover nach einem Sieg im Final-Wiederholungsspiel gegen Schalke 04 (4:3 nach Verlängerung) deutscher Meister. Die 96-Fans erinnern sich bis heute an den historischen Triumph mit dem Fangesang „38, 54 – Deutscher Meister, HSV! 1992, Pokalsieger HSV!“ Wobei mit „HSV“ in diesem Fall natürlich der hannoversche Sportverein gemeint ist.

Nummer Fünf: Sportsgeist und menschlicher Respekt

Seit einem Bericht der „Sportbild“ gibt es öffentliche Zweifel an der Identität des HSV-Spielers Jatta. Das führte in den letzten Wochen zu unschönen Szenen: Die Karlsruhe-Fans pfiffen Jatta, der als Flüchtling die Chance bekam, beim HSV einen Profispielervertrag zu unterschreiben, gnadenlos aus und beleidigten ihn mit Schmähgesängen. Der 1. FC Nürnberg, der 0:4 gegen der HSV verloren hatte, legte nicht nur Protest ein, sondern versuchte aktiv, Zeugen für einen möglichen Identitätsschwindel des Spielers zu finden.

Die Rote Kurve appelliert: Keine Pfiffe gegen Jatta.

Die Fans von Hannover 96 und die 96-Verantwortlichen um Martin Kind und Mirko Slomka wollen bei dieser unschönen Szenerie nicht mitmachen. Fans von Hannover riefen am Donnerstag zu einem fairen Umgang mit HSV-Angreifer Bakery Jatta auf. In einem Schreiben wirbt der mächtige Supporters-Verband „Rote Kurve“ dafür, ein Zeichen zu setzen.

„Lasst Pfiffe oder Beleidigungen aufgrund dieser Thematik sein und konzentriert Euch auf die Unterstützung unseres Hannoverschen Sportvereins von 1896“, fordert die Rote Kurve.

Martin Kind kündigte an, die Thematik wohlwollend anzugehen. „Bakery Jatta verdient sportlich und menschlich unseren Respekt. Pfiffe gegen ihn, wie es sie zuletzt gegeben hat, lehnen wir entschieden ab“, sagte der Klubchef von Hannover 96.

P.S.: All diese spannenden Themen diskutieren die Podcast-Macher Christian Herde und Dennis Draber ausführlich in der neuen Folge des 96Freunde-Podcasts. Wenn ihr also gerade im überfüllten Metronom nach Hamburg sitzt oder die Zeit bis zum Anpfiff im heimischen Wohnzimmer sinnvoll überbrücken wollt – hört doch mal rein!

Viel Spaß beim vielleicht schönsten Auswärtsspiel der Saison wünscht euch euer Team von 96Freunde.de!

1 Kommentar

  1. Als ich die Aufstellung von Slomka sah, habe ich meinen Spieltipp noch schnell in 3:0 geändert und leider gewonnen. Eine unterirdische, absolut indiktutable Nichtleistung dieser minderbemittelten Bolzplatztruppe. Der Abstieg in Liga 3 ist vorprogrammiert.

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