Füllkrug-Gerücht: Verhandelt Niclas Füllkrug wirklich schon mit Mönchengladbach, wie die BILD suggeriert? Eine Medienkritik.

So fortgeschritten, wie BILD suggeriert, ist der Wechsel von Füllkrug nicht

Niclas Füllkrug ist mit 14 Toren Hannovers Toptorschütze. Foto: Getty Images
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Keine Frage: Dass Niclas Füllkrug begehrt ist und Hannover 96 bereits ein Angebot von Mönchengladbach erhalten hat, ist unbestritten. Doch dass eine Einigung in der Causa Füllkrug zum Greifen nahe ist, wie die BILD suggeriert, sollte man kritisch hinterfragen.

Die Faktenlage ist recht übersichtlich: Niclas Füllkrug hat bei Hannover 96 einen Vertrag bis Sommer 2020. Eine Ausstiegsklausel besitzt er nicht. Wie Martin Kind bestätigt hat, hat Hannover ein Angebot aus Mönchengladbach erhalten, dieses aber abgelehnt.

Ein möglicher Füllkrug-Transfer ist natürlich Wasser auf den Mühlen der Boulevardzeitung. Interessant ist jedoch, mit welchen stilistischen Mitteln die hannoverschen BILD-Redakteure die Gerüchteküche selbst anheizen. In dem jüngsten Füllkrug-Artikel, der diese Nacht (03.06. um 23 Uhr) online gegangen ist, heißt es:

Verhandelt Füllkrug wirklich schon mit Gladbach? Das kommt drauf an, was man unter „verhandeln“ versteht. Die BILD hat da offenbar eine sehr ungewöhnliche Interpretation. Screenshot: bild.de

Was für eine Headline! Das Verb „verhandeln“ klingt danach, als ob Füllkrug und Gladbachs Manager Eberl am Verhandlungstisch sitzen und nur noch über die Details diskutieren.

Dem ist aber nicht so, wie im Fließtext des Artikels deutlich wird. Darin steht:

„Vor dem ersten Angebot versicherte sich Eberl, dass Fülle grundsätzlich Interesse an einem Gladbach-Wechsel hat. Bevor er jetzt nachlegt, muss er versuchen, sich mit Füllkrug zu einigen.“

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Beim Gegenlesen wird deutlich: „muss er versuchen“ ist eine leere, nichtssagende Phrase. Denn wenn er es „versuchen muss“, hat er es noch nicht versucht. Geschweige denn, dass er es erfolgreich versucht hat. Screenshot: bild.de

Was verbirgt sich also hinter dem Wort „verhandeln“? Bei genauerem Hinschauen ist es lediglich das „grundsätzliche Interesse“ von Füllkrug sowie der übernächste Handlungsschritt von Eberl. Die Formulierung „muss er versuchen“ zeigt bei genauerem Hinschauen, dass Eberl es noch nicht einmal versucht hat, sich mit Füllkrug zu einigen. Sprich, es gab noch gar keinen Versuch von Eberl, sich mit Füllkrug über einen Wechsel zu einigen.

Füllkrug und Eberl haben also beileibe noch nicht an einem Tisch gesessen und über Vertragsdetails diskutiert. Das einzige, was passiert ist, dass Eberl sich über das „grundsätzliche Interesse“ Füllkrugs rückversichert hat. Bei wem Eberl das tat (bei Füllkrug selbst, bei seinem Berater oder beim Nachbarn von Füllkrugs Schwager), lässt der Text (bewusst?) aus.

Füllkrug hat noch nicht – im klassischen Sinne – mit Gladbach verhandelt

Moment mal, mag sich der Leser denken, steht in der Überschrift nicht direkt über der Formulierung „Hannovers Füllkrug verhandelt mit Gladbach“, worüber Füllkrug mit Gladbach verhandelt hat? Nämlich: „Vertrag bis 2022, doppeltes Gehalt“? Die Antwort ist: Nein. Denn im Fließtext weiter unten wird deutlich: „In Gladbach ist von einem Vertrag bis 2022 mit (Minimum) 2 Millionen Jahres-Gage die Rede.“ Darüber wurde also keinesfalls verhandelt, es ist nur einseitig in Mönchengladbach eine mögliche Idee (!) diskutiert worden, was man Füllkrug anbieten könnte (Konjunktiv!), falls es zu ernsthaften Verhandlungen kommen würde (Konjunktiv!).

Diese einseitige Idee aus Mönchengladbach wird von BILD in der Überschrift geschickt mit dem Wort „verhandeln“ in Verbindung gesetzt – was aber, wie klar wurde, nur das Rückversichern von Eberl bei einer nicht näher definierten Person ist, ob Füllkrug grundsätzliches Interesse hat.

Von der BILD-Boulevardsprache in Normal-Deutsch übersetzt heißt es also:

VERTRAG BIS 2022, DOPPELTES GEHALT In Mönchengladbach kursiert die Idee, Füllkrug einen Vertrag bis 2022 und doppeltes Gehalt anzubieten. HANNOVERS FÜLLKRUG VERHANDELT MIT GLADBACH Eberl hat sich von einer nicht näher definierten Person aus Füllkrugs Umfeld versichern lassen, dass Füllkrug grundsätzliches Interesse an einem Wechsel zu Mönchengladbach hat.

Das hört sich natürlich längst nicht mehr so spektakulär an.

Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass der Füllkrug-Transfer in einigen Wochen zustande kommt. Doch die Verhandlungen sind längst nicht so weit fortgeschritten, wie BILD es seinen Leser suggeriert.

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1 Kommentar

  1. Es ist unglaublich

    Wenn ein bewährter Stürmer und "Typ" (Harnik) bereits für ein Taschengeld den Verein zu einem anderen Verein auf Augenhöhe wechseln durfte. Karaman gehen "durfte" (dafür ein Drittliga Stürmer mit allenfalls durchschnittlicher Begabung gekauft wird). Klaus mitten in der Saison seinen Wechsel zur Stadt die es nicht gibt bekannt gibt.

    Und jetzt der "Ricklinger Junge" Füllkrug aus einem 3 Jahres Vertrag freigegeben WÜRDE, um möglicherweise aus dem Erlös wieder eine Null wie Jonathas zu kaufen.

    Wie hält das Breitenreiter bloß aus ?

    Dann …ja dann….ist es ander Zeit Leute wie Andermatt, dann auch Kind und  – tut mir leid – aber auch Heldt nahe zu legen, sich anderen wichtigen Aufgaben zu widmen.

    Es reicht irgendwann mal…..Es zeichnet sich doch ab das dieser ganze Scheiss zu Saisonbeginn grad so weitergehen wird. Shareholdervalue ist im Fussball eben nicht alles….Dieses 50+1 Gehabe und diese offenkundig völlig verkackte Transferpolitik – ich kann das alles nicht mehr ertragen. 

    96 war immer, seit Jahrzehnten, mein Verein. Mir kommen da immer mehr Zweifel.

     

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