Finanziell saniert, sportlich erfolgreich, voller Demut: So schaffte es Arminia an die Tabellenspitze

Bodenständig: Bielefelds sympathischer Trainer Uwe Neuhaus.

Nicht erst seit dem 6:0 gegen Peine-Ost, das Hannover 96 im Mai 2017 den Aufstieg sicherte, ist uns die Arminia aus Bielefeld eng verbunden. Niemandem würden wir den Aufstieg mehr gönnen – außer uns selbst natürlich. Aber weil das diese Saison bei Hannover 96 nichts wird, wird Bielefeld es hoffentlich schaffen.

Nur knapp die Insolvenz abgewendet

44 Punkte aus 22 Spielen sechs Punkte Vorsprung auf den vierten Platz: Arminia Bielefeld hat in Ostwestfalen eine Welle der Euphorie ausgelöst. Auch für den Präsidenten Hans-Jürgen Laufer fühlt es sich „sehr gut“ an. Dabei vergisst der 70-Jährige jedoch nicht, dass der Traditionsklub vor zwei Jahren nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt ist.

„Als ich angetreten bin, habe ich immer gesagt, dass es meine Aufgabe sein wird, den Verein zu entschulden“, sagte Laufer dem Sport-Informations-Dienst (SID). „Dass es in der Form gelungen ist, konnte ich damals nicht ahnen und vor allem nicht in der Zeit.“

Rettung dank des Bielefeld-Modells

Damals, vor 26 Monaten, im Dezember 2017, stand die Arminia mit dem Rücken zur Wand: Ein größenwahnsinniger Neubau der Osttribüne, der 19 statt geplanter elf Millionen Euro verschlang, ein angehäufter Schuldenberg von über 30 Millionen Euro – der Klub stand kurz vor der Insolvenz.

Nur durch die „ostwestfälische Antwort auf 50+1“, einem Zusammenschluss von Unternehmen aus der ganzen Region, die den Klub finanziell unterstützten, konnte der Verein von seinen Altlasten befreit und gerettet werden. Clubintern wurde die Rettungsaktion als „Projekt Hermann“ bezeichnet, der Geschäftsführer Rejek sprach in Interviews von ​„der ost­west­fä­li­schen Ant­wort auf 50+1“. Unternehmen wie Oetker oder Weber pumpten vier Millionen frisches Kapital in den Verein, kauften das Stadion und vermieteten es fortan an die Arminia für 800.000 Euro im Jahr.

Es war ein Finanzierungsmodell, das auch ohne das Aushebeln von 50+1 gelang. ​Für alle Unter­nehmen ist klar, dass die 50+1‑Regel ein wich­tiges Gut in Deutsch­land ist“, erklärte Arminia-Geschäfts­führer Rejek gegenüber „11Freunde“.Alle haben sich zur deut­schen Fuß­ball­kultur und zum Erhalt der Ver­eins­struktur bekannt.“

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Finanziell saniert, sportlich erfolgreich, voller Demut

„Wir gehen mit dem, was man uns hier in Bielefeld geschenkt hat, sehr demütig um“, sagte Laufer rückblickend und betonte, dass die Arminia es „aus eigener Kraft nie geschafft hätte. Wir haben zwar immer fleißig dran gearbeitet, aber es war immer ein Ritt auf der Rasierklinge.“

Was damals im tristen Bielefelder Winter wohl niemand für möglich gehalten hätte, ist heute Realität: Die Arminia ist finanziell saniert. Sportlich ist mit Trainer Uwe Neuhaus, der im Dezember 2018 auf Jeff Saibene folgte, „der Erfolg in Bielefeld eingekehrt“, lobte Laufer: „Ich hoffe und wünsche mir, dass er bei uns bleibt.“



Die Überraschungsmannschaft dieser Saison

Vor fünf Monate schlug Präsident Laufer noch verhaltene Töne an. Zum damaligen Zeitpunkt war Arminia Bielefeld Tabellendritter. „Ich werde jetzt nicht das Wort Aufstieg in den Mund nehmen. Es wäre natürlich ein Träumchen. Aber wir wollen jetzt erstmal nach wie vor konzentriert an der Sache arbeiten“, sagte er damals kurz vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart im September 2019. Bielefeld verlor zuhause 0:1, und Laufers zögerliche Worte schienen ihre Berechtigung gehabt zu haben. „Wie heißt es immer so schön: es gibt immer in der Saison eine Überraschungsmannschaft“, sagte Laufer, „mal gucken, wer es diese Saison wird.“

Das war Stand September 2019. Heute, im Februar 2020, wissen wir, wer diese Überraschungsmannschaft ist: Arminia Bielefeld. Unabhängig vom heutigen Ausgang, wenn Hannover 96 ab 13:30 Uhr zu Gast ist.

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