Fans reichen 96 die Hand – jetzt gibt es die Chance für Frieden zwischen Fans und Verein

Fanszene springt über ihren Schatten.

Die Fans von Hannover 96 machen einen Schritt auf den Verein zu. Kommt es endlich zum konstruktiven Dialog? (Photo by PIXATHLON/PIXATHLON/SID/)

Das heutige Fanszenetreffen endet mit einer kleinen Überraschung: Obwohl der Stimmungsboykott fortgesetzt wird, reicht die Fanszene dem Verein die Hand.

Ein Schulterschluss, bei dem beide Seiten ihr Gesicht wahren, ist zwar noch längst nicht erreicht, erscheint aber plötzlich wieder machbar.

96Freunde.de war beim heutigen Fanszenetreffen live vor Ort. Auch Pfarrer Heinrich Blochg, der die abgesagte Podiumsdiskussion vom 26.02. ursprünglich moderieren sollte, war erschienen – eine tolle Geste.

Im Vorfeld des Fanszenetreffens hatte der Vorstand um Martin Kind die Einladungen für die neu angesetzte Diskussion in der HDI-Arena am 12.03. verschickt. Die Diskussion soll im VIP-Bereich der Arena stattfinden.  Der Vorstand hatte die ursprüngliche geplante Podiumsdiskussion mit fünf Fanszenevertretern am 26.02. abgesagt – unter Verweis auf die „Personenkonstellation“.

Jeder der offiziellen Fanklubs hat heute eine Einladung vom Vorstand des Vereins bekommen. Pro Fanklub dürfen zwei Vertreter anwesend sein.

Am Anfang des Treffens, bei dem knapp 700 Leute vor Ort waren, gab es eine Bitte an Madsacks Portal Sportbuzzer, dass man den Wahrheitsgehalt bei den 96-Pressemeldungen doch bitte kritisch hinterfragen möge.

Beim Fanszenetreffen wurde beschlossen, den Stimmungsboykott fortzuführen. Dabei wurde mehrheitlich entschieden, den Stimmungsboykott still fortzuführen – das heißt ohne jegliche Beleidigungen gegen Präsident Martin Kind. Damit soll sicher gestellt werden, dass sich die Pöbeleien von vergangenem Samstag nicht noch einmal wiederholen. Parolen wie „Kind muss weg“ werden deshalb nicht mehr aus der Nordkurve erschallen. Die Mehrheit für einen „stillen“ Boykott war deutlich.

Dann folgte die Überraschung des Abends:

Die Fanszene springt über ihren Schatten und bietet dem Vorstand von Hannover 96 an, die ursprünglich angedachte Podiumsdiskussion durchzuführen – und verzichtet dabei darauf, dass die drei vom Verein bemängelten Fanvertreter mitdiskutieren. Auf eine Nachnominierung verzichtet die Fanszene. Somit wird der Weg frei dafür freigemacht, dass die Podiumsdiskussion nur mit den beiden Fanvertretern stattfinden, die vom 96-Vorstand gebilligt wurden. Gegen diese beiden Fanvertreter, die ein hohes Ansehen im hannoverschen Umfeld genießen, hatte der Verein keine Bedenken geäußert.

Es gab eine längere Diskussion beim Fanszenetreffen, ob man diesen Schritt gehen und – trotz der Absage der Podiumsdiskussion durch den Vorstand – dem Verein die Hand reichen soll. Am Ende stimmte eine knappe Mehrheit dafür, die Podiumsdiskussion nur mit zwei statt ursprünglich fünf Vertretern durchführen zu wollen. Damit macht die Fanszene einen großen Schritt auf den Verein zu. Plötzlich erscheint es denkbar, dass Vereinsvertreter und Fanszene sich doch noch zu einem konstruktiven Dialog zusammenfinden.

Eine knappe Mehrheit war zudem dafür, der Verlagsgesellschaft Madsack (HAZ, NP) ein Interview zu geben. Zwei Fanvertreter werden Madsack Rede und Antwort stehen. Weil Madsack den Stimmungsboykott 2014/15 bewusst ignoriert hatte und bis 2016 Anteile an der Hannover 96 Sales & Service GmbH & CoKG besessen hat, wird die Berichterstattung der Verlagsgesellschaft von den hannoverschen Fans kritisch beäugt. Madsack hatte zudem dem NDR ein Interview verweigert, in dem es um einseitige Berichterstattung bei Hannover 96 ging. Trotz dieser Vorkommnisse suchen die Fans jetzt auch den Dialog mit Madsack.

Die Diskussionskultur beim Fanszenetreffen war insgesamt lebhaft und positiv. Jeder Gast, der sich äußern wollte, kam zu Wort, niemand wurde ausgeschlossen oder ignoriert. Die allgemeine Bereitschaft zum Dialog mit Vereinsvertretern war spürbar. Unterm Strich lässt sich der Abend als ein konstruktiver Schritt in die richtige Richtung deuten. Es bleibt spannend, wie nun der Vorstand von Hannover 96 auf die Dialogbereitschaft der Fanszene reagiert.

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