Einmal kurz gepennt…

Ich merke beim Verfassen dieser Zeilen gerade, wie das Spiel immer noch emotional in mir arbeitet. Es war ein mega geiles Spiel, das Spannung bis zur letzten Minute anbot und 49.000 Fußballfans im Stadion elektrisieren konnte. Auch vor den Fernsehern fieberten und feierten unzählige Begeisterte mit. Um halb 11 war mein WhatsApp randvoll mit Nachrichten und Schulterklopfern aus der ganzen Republik, denn trotz des bitteren Endes für die Roten war das Nordduell beste Fußball-Unterhaltung…

Hannover 96 erwischte einen grandiosen Tag und zeigte sehr schnell, welcher HSV lange Zeit der Herr im Niedersachsenstadion sein würde. Mit kompromisslosen und nimmermüden Interceptions jagten die Roten den favorisierten Rothosen einen Ball nach dem anderen ab und spielten meist sofort mutig direkt wieder nach Vorne. In den Zweikampfwerten lag unser gesamtes Mittelfeld vorne, bevor überhaupt ein Hamburger in der Wertung auftauchte! Stark!

Marcel Halstenberg hatte alle Freiheiten, das Spiel im Vorwärtsgang zu eröffnen. So spielten sich die Jungs von Stefan Leitl schon früh in einen Rausch, der keine Langeweile aufkommen ließ. Unsere Abwehr empfing die hoch anlaufenden und immer wieder gefährlichen Gästestürmer Jatta, Glatzel, Königsdörffer und Dompé nach spontaner Umstellung mit einer 4er Kette. Durch das Risiko mit 4 Anläufern hatte der HSV dahinter nur 2-3 Mittelfeldspieler, sodass der Ball immer wieder die breit stehenden Köhn, Dehm, Schaub und Teuchert fand, die dann in die sich bietenden Räume stoßen konnten. Chancen für Schaub, Tresoldi 3x), Leopold und Köhn (2x) hätten gut und gerne auch im gegnerischen Kasten landen können.

Gegen den HSV wirkte 96 frisch und agil – hat aber einmal zu viel gepennt.

Vorne drin machte Nicolo Tresoldi ein starkes Spiel gegen die ihn mit allen Mitteln bearbeitenden Hanse-Verteidiger, allen voran Guilherme Ramos, der nach einer Notbremse in der 59. Minute folgerichtig die Rote Karte sah. Tresoldi ließ 90 Minuten lang stellvertretend für das gesamte Team sein Herz auf dem Platz, lief immer wieder als erster Mann hoch an und grinste bei diesem packenden Spiel über beide Ohren. Zu Recht verdiente er sich erneut den „Man of the match“!

Was Hannover so stark machte, war an dem Abend das Kollektiv. Die geschlossene Mannschaftsleistung liest sich dann auch auf den Internetportalen raus. In der Gesamtbewertung lag 96 sichtbar besser als der andere HSV. Die Jungs von Stefan Leitl investierten mehr und hielten die Intensität hoch. Derrick Köhn wurde hier anhand seiner Aktionen am stärksten bewertet, und auch Nicolo Tresoldi und Marcel Halstenberg stachen heraus. Danach folgten Louis Schaub, Jannik Dehm und Phil Neumann. Enzo Leopold schließt die Liste der auffälligsten Hannoveraner ab.

Zum Vergleich: bei den Hamburgern rangiert Torwart Daniel Heuer Fernandes in der Bewertung oben, da er sich immer wieder durch Paraden und kluges Mitspiel auszeichnen konnte. Seine Vorderleute blieben derweil eher blass.

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Und so war es dann ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, eine Unterschieds-Aktion von Robert Glatzel, und eine Kombination mit 3 Pässen an unserem Strafraum, die uns die Früchte harter Arbeit beraubte. Einmal kurz gepennt und es stand 0:1 für 10 dezimierte Hamburger. Warum das kurz mal weh tat, aber am Montag schon wieder fast vergessen ist? Weil der SV aus Hamburg nun mal ca. den doppelten Kaderwert im Vergleich zum glorreichen HSV von 1896 besitzt (42 Millionen zu 22 Millionen). Da ist es eher ein kleines Wunder, dass wir so gut so lange auf Augenhöhe mitspielen konnten. Geld schießt nun mal Tore, aber dazu am Ende noch ein Satz…

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Auch wenn die Offensive das erste Mal in dieser Spielzeit ohne Tor blieb – Tresoldis Kurve zeigt weiter steil nach oben.

Was mich ein wenig irritierte, sind diesmal die Zahlen und Werte unserer Spieler, die ich im munteren Schlagabtausch rein optisch doch etwas anders vermutet hatte.
3 Beispiele dazu: Marcel Halstenberg schien seinen ganzen Koffer an Erfahrungen und Skills aus Leipzig ausgepackt zu haben und kochte die Hamburger Offensive in Halbzeit 1 reihenweise ab. Er war es auch, der mit spektakulären langen Bällen immer wieder unsere eigene Offensive punktgenau fütterte. Er hatte 97 Ballkontakte und 80,2% erfolgreiche Pässe. Da viele seiner Pässe lange Bälle waren, kamen aber nur 8 von 18 an. Immerhin. Er leistete sich 17 Ballverluste. Live sah das allerdings alles viel phantastischer aus, was auch „Sky“ – Experte Torsten Matuschka in den höchsten Tönen schwärmen ließ.

Noch einen Tick mehr ge-hype-t wurde Enzo Leopold, der endlich mal wieder in der Startelf ran durfte. Sein letztes großes Spiel war übrigens das letztjährige Duell gegen den HSV an selber Stelle, danach wurde er wegen eines Fehlers in Schutt und Asche kommentiert. Unsere Fan-Foren eskalierten am Samstag geradezu, da er einen sehr dynamischen 6er/8er gab und sehr „chef-mäßig“ in der Zentrale auftrat. Genau so einen Leader suchen wir ja eigentlich noch auf dem Transfermarkt. Irgendjemand im Netz bezeichnete ihn sogar als „jungen Schmiedebach“ und das Kompliment geben wir gerne so weiter!

55 Ballkontakte und fette 92,5 Passgenauigkeit, dazu 8 von 13 gewonnene Zweikämpfe, sowie diverse erfolgreiche Dribblings, lange Bälle und wichtige Pässe. Es lief bei Leopold! Eine KI ermittelte sogar einen Wert bei ihm, demnach er mehr Pässe erfolgreich spielte, als zu erwarten war. Bei dieser „Pass-Effizienz“ lag er mit Kollege Ludovit Reis doppelt so hoch wie die danach folgenden Spieler.
Enzo Leopold sollte somit eine echte Option für die nächsten Spiele sein, denn seine Dynamik in der Zentrale tut uns gut! Leider mußte er Mitte der 2. Halbzeit stark gelb-rot gefährdet ausgewechselt werden…

Im Grunde war diese Niederlage zu genau diesem Zeitpunkt das Beste, was uns passieren konnte. 0:1 tut nicht zu lange und zu dolle weh. Wir hatten mit einer anderen Reibe gerechnet und stattdessen einen bockstarken Auftritt sehen dürfen. Und es hat 5 Tage vor Ende des Transferfensters nochmal die 2 großen Baustellen im Kader deutlich unterstrichen: eine Sturmkante und ein kreativer, dynamischer 8er.
(Update: am Montagnachmittag hat Hannover 96 die Leihe von Muhammed Damar aus Hoffenheim bekannt gegeben. U19-Nationalspieler, der bereits die ersten Schritte in der 1. Bundesliga machen durfte.)

Noch zwei Tage offenes Transferfenster, oder wie Marcus Mann sagen würde: „Langsam kommt der Markt in Bewegung“. Bewegt war auch Martin Kind nach dem Spiel, und zwar so positiv, dass nun wieder versöhnliche Worte für Stefan Leitl und seine Arbeit gefunden werden. Auch wenn die dicken Transfers im Teich längst verteilt sind, bleibt die Hoffnung, dass Marcus Mann mit der guten Laune von Martin Kind vielleicht doch noch einen dicken Transfer nach Hannover zaubert. Denn Geld schießt entscheidende Tore, wie wir sehen durften. Dann dürfen auch wir wieder öfters überraschend jubeln…

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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