Ein gutes Omen? 96 mit den Schlachtenbummlern im Rücken und mit mehr Mut

Nach langem Leidensweg ist Charlie Benschop wieder zurück - und heiß auf Einsätze. Foto: Getty Images

96 und die Souveränität – wird es so reichen? Unser Kolumnist Maxi Fiedler schätzt pointiert die schwierige Lage im Liga-Endspurt an. Lest hier die neue Ausgabe von Maxis Meinung

Als der Schlusspfiff am Sonntagnachmittag in der HDI Arena ertönte, war nicht etwa ausgelassener Jubel zu vernehmen, was man nach einem so wichtigen Sieg und den entsprechenden 3 Punkten 4 Spieltage vor Schluss im unglaublich knappen Rennen um den Aufstieg erwarten könnte. Mehr war pure Erleichterung auf den Rängen und bei der Mannschaft zu spüren, die das frühe Führungstor mit Mühe, Not und unter Zutun der enorm ersatzgeschwächten und harmlosen Düsseldorfer über die Zeit retten konnte.

Es gehört bei 96 mittlerweile dazu, dass die Spiele nicht mehr souverän gewonnen werden, sondern, dass bis zuletzt gezittert werden muss. Der letzte souveräne Sieg war der gegen die Eisernen aus Berlin, ein Team, das mit um den Aufstieg spielt.

Sowohl gegen Würzburg als auch gegen Aue und Düsseldorf, spielte 96 erschreckend schwach und uninspiriert. Und da liegt das Problem: 96 kann die kleinen nicht. Man muss sich fragen, woran das liegen mag. Werden die Gegner unterschätzt? Braucht die Mannschaft die Kulisse? Oder liegt es ganz einfach daran, dass sie nicht weiß, wie sie das Spiel selber machen soll?

Sowohl gegen die Würzburger als auch in Aue und gegen Düsseldorf gab es viel zu wenige Torchancen. Obwohl die Qualität des Kaders und die spielerischen Mittel deutlich über denen der Gegner liegen, bekommt 96 jedes Mal kurz vor Ende das große Nervenflattern. Gegen Düsseldorf reichte es jetzt, gegen Aue kassierte man das Tor in der 94. Minute und verlor zwei wichtige Punkte.

Es kann und darf nicht sein, dass das Team von André Breitenreiter bei eigener Führung den Spielbetrieb einstellt und quasi darauf wartet, den Ausgleich zu kassieren. Dass der Leichtsinn nicht bestraft wird, ist ein Geschenk, über das wir uns glücklich schätzen müssen. Auffällig war dieser Leichtsinn am Sonntag vor allem bei Salif Sané, der mehrfach das Risiko suchte, anstatt den Ball sicher zu klären. Es ging gerade so gut, doch:

Das darf man sich im Kampf um den Aufstieg nicht erlauben.

Denn irgendwann geht es schief und man kassiert kurz vor Schluss den Ausgleich.

Die Roten müssen lernen in jedem Spiel bis zum Schluss durchzuziehen oder zumindest eine solide Führung herauszuspielen. Und die besteht nun mal aus mehr als einem Tor. Auch die Wechsel von Breitenreiter kann man infrage stellen. Dass erst ein Niclas Füllkrug, der offensichtlich noch deutlich mehr Power hatte als ein Martin Harnik, rausgenommen wird, ist fragwürdig. In der Schlussphase einen weiteren Stürmer statt eines Stabilisators zu bringen – mit Blick auf das Torverhältnis vielleicht gerechtfertigt, aber nichtsdestotrotz riskant.

Die Hoffnung bleibt jedoch, dass vor allem das nächste und hoffentlich letzte Heimspiel der Saison gegen den VfB Stuttgart wieder so souverän wird, wie die Auftritte gegen Berlin und die anderen im Aufstiegsrennen. Wenn der Gegner das Spiel macht, ist 96 stark. Dann fighten die Jungs und reißen sich zusammen und das muss vom Publikum honoriert werden.

Anders als am Sonntag – als gerade die sitzenden Fans ihr Übriges zur Situation beitrugen und die Führung der Roten mit Pfiffen quittierten. Das sind keine Fans und das ist alles, aber nicht hilfreich. Kontraproduktives muss nicht auch noch von den Tribünen kommen, die aber wenigstens einigermaßen gut gefüllt waren.

Wenn Salif und Kollegen sich gegen die Stuttgarter zusammenreißen, sieht es gut aus. Aber vorher kommen zwei kleine Spiele. Sandhausen und Heidenheim. Süddeutsche Provinz. Auswärts. Erfahrungsgemäß eine ganz schlechte Kombination, konnte 96 in der Rückrunde auswärts doch bisher nur gegen Dynamo Dresden gewinnen: ein stark spielendes Team. Diese Schwäche muss gegen Heidenheim und Sandhausen besiegt werden. Den letzten Spieltag kann man dabei hintenanstellen. Denn nur mit einem Sieg über Heidenheim sieht es weiterhin gut aus.

Zu hoffen ist, dass die Leistung stimmen wird, weil Heidenheim immerhin 7. ist. Obere Tabellenhälfte. Ein gutes Omen? Wir werden sehen. Mit den Schlachtenbummlern im Rücken und mehr Mut als zuletzt gegen Düsseldorf oder Aue ist die Ausgangslage zumindest nicht schlecht.

Und wer weiß, vielleicht macht sich ja ein lange verletzter Bulle aus Curaçao zum Helden in den letzten Wochen… Schön, dass du wieder da bist, Charlie!

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