Schreibt Hannovers Boulevardzeitung systematisch gegen den Trainer?

Mirko Slomka kennt beide HSVs: Als 96-Trainer führte er Hannover in die Europa League. Als Hamburg-Coach rettete er den HSV in der Relegation. Foto: Getty Images

Die Luft wird eng für Daniel Stendel – zumindest, wenn es nach der „Bild“ geht: Denn es liest sich, als stünde Stendels Entlassung unmittelbar bevor. Doch dahinter stecken auch andere Motive. Ein Kommentar.

Schon länger stichelt die „Bild“ gegen Trainer Daniel Stendel, doch der jüngste Artikel von dieser Woche auf Bild Online (der Link findet sich unter diesem Artikel) geht nochmal einen Schritt weiter.

Ihn würde die „Bild“ gerne wieder im Amt sehen: Mirko Slomka. Er bewahrte Hannover 2010 vor dem Abstieg und führte 96 dann bis ins Viertelfinale der Europa League, hinterließ aber auch viele Scherben bei Hannover 96. Ronny Hartmann/AFP/Getty

Fett gedruckt wird darin gefragt:

Wackelt Stendel?

Als angeblicher Beleg für die Aussage wird gleich eine exklusive Aussage von Martin Kind hinterher geschoben:

96-Boss Martin Kind (72) nach dem 3:2 mit sorgenvoller Miene zu BILD: „Es fehlt an Beständigkeit, Sicherheit und Stabilität.“

Zugegeben, dass es gerade Hannovers Hintermannschaft an Beständigkeit fehlt, ist nichts Neues. Ob das auf Daniel Stendel zurückzuführen ist oder auf Hannovers Einkaufspolitik (trotz bekannter Schwachstellen und dem Abgang von Hiroki Sakai keinen Außenverteidiger in der Sommerpause verpflichtet), sei mal dahingestellt.

Dass Stendel jedoch zur Diskussion steht, sagt Kind an keiner Stelle.



Trotzdem wird aus Zitaten von Martin Kind hier eine Trainerdiskussion kreiert, die so zurzeit nicht stattfindet.

Weiter geht es in dem Artikel der Boulevard-Zeitung:

Vor Weihnachten wird sich Kind mit Geschäftsführer Martin Bader, Sportlichem Leiter Christian Möckel und Aufsichtsrat Martin Andermatt zusammensetzen und die Hinrunde analysieren.

Geht‘s im Zukunfts-Gipfel nicht nur um Transfers (Wer soll weg? Sollen Neue kommen?), sondern auch um den Trainer?

Dass es bei der Hinrundenanalyse um eine Entscheidung geht, ob mit Trainer Daniel Stendel weitergemacht wird – auch dafür gibt es keinen Beleg. Hier wird von der „Bild“ aber geschickt eine Tatsache (Hinrundenanalyse) neben einen subjektiven Gedanken (Trainerdiskussion) gesetzt, so dass der subjektive Gedanke plötzlich realistisch erscheint – obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

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Warum diese Sticheleien der „Bild“ gegen Daniel Stendel, der bekanntermaßen Wunsch-Trainer und Identifikationsfigur der meisten Fans ist?







Aus dem Umfeld von Hannover 96 ist übereinstimmend von mehreren Personen zu hören, dass der Vertrag für Mirko Slomka im April 2016 bereits fertig ausgehandelt war. Der Vertrag für Slomka war unterschriftsreif. Insbesondere der Gesellschafter Gregor Baum soll sich dem Vernehmen nach stark für Slomka eingesetzt haben.

Kind, selbst kein allzu großer Slomka-Fan, war wohl bereit, sich zu fügen, zögerte aber noch.

Klar ist: Slomka war und ist ein inniger Freund der „Bild“, lässt sich gerne gemeinsam mit Carsten Maschmeyer und Veronika Ferres ablichten.

Im Streit zwischen Slomka und Schmadtke beispielsweise hatte sich die „Bild“ zugunsten von Slomka positioniert.

Offenbar schien sich die Boulevardzeitung schon darauf gefreut zu haben, mit Slomka ihren Trainer-Liebling wieder bei Hannover 96 am Ruder zu sehen.


Doch dann erzielte Daniel Stendel als interimstrainer plötzlich beachtliche Ergebnisse und gewann die Herzen der Fans.

Klubchef Martin Kind sagte später gegenüber 96Freunde.de, dass die Sympathie der Fans den Ausschlag für Stendel gegeben hätte (zum Originalzitat hier).

Für Stendel. Und damit gegen Slomka. Gegen den Liebling der Boulevard-Presse.



Möglicherweise hat die „Bild“ das Daniel Stendel nicht verziehen. Zumindest ist es anders kaum zu erklären, warum trotz Siegen wie gegen Heidenheim (3:2) mit allen Mittel versucht wird, eine Trainer-Diskussion zu entfachen. Denn auch wenn die anfängliche Stendel-Euphorie etwas nachgelassen hat: Es wäre eine schlechte Entscheidung, auf dem steinigen Aufstiegsterrain den Bergführer zu wechseln – erst recht, wenn das Ziel bereits in Sichtweite gerät, die Fallhöhe aber hoch ist.

Das war eine Medienkritik von 96Freunde.de. Es handelt sich hierbei um einen subjektiven Kommentar.

Zum diskutierten „Bild“-Artikel geht es hier.

Zur Aussage von Martin Kind über Daniel Stendels Beförderung zum Cheftrainer geht es hier.

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