DFB äußert sich zu Handelfmeter! „Video-Assistent muss sich fragen, ob die Entscheidung klar und offensichtlich falsch ist“

Hannover 96 geriet durch Videobeweis in den 0:2-Rückstand

Versteht die Welt nicht mehr: Sportdirektor Horst Heldt. Foto: Getty Images
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Der Aufschrei war groß am Samstagnachmittag. Beim Heimspiel von Hannover 96 kam es zu seinem strittigen Videobeweis. Schiedsrichter Robert Kampka stand wenige Meter von Haraguchi entfernt und ließ die Partie nach dessen Handspiel erstmal weiterlaufen.

Dann meldete sich Video-Schiedsrichter Guido Winkmann aus Köln, weshalb Kampka zur Seitenlinie ging, sich die Situation nochmal anschaute und dann auf Handelfmeter entschied – woraufhin Augsburg mit 0:2 gegen Hannover 96 in Führung ging.

Heldt: „Es war keine klare Fehlentscheidung, da haben die sich nicht einzumischen.“

96-Manager Horst Heldt war hinterher außer Rand und Band, weil sich Video-Schiri Winkmann eingemischt hatte. Heldt sagte bei Sky: „Die predigen Wein und liefern Wasser. Der Schiedsrichter hat das bewertet, es war keine klare Fehlentscheidung, da haben die sich nicht einzumischen.“ Der Sportdirektor von Hannover 96 verteidigte Haraguchi und griff den DFB für die Umsetzung des Videobeweises an. „Wer mal Fußball gespielt hat, weiß, dass man die Arme beim Fußballspielen braucht. Aber zum wiederholten Mal mischen sich die Assistenten ein.“ Laut Horst Heldt war es „keine klare Fehlentscheidung“, weshalb sich der Videoschiedsrichter nicht einmischen durfte.

Schiedsrichter Kampka: „Ich konnte nicht frontal, sondern nur von der Seite in Situation blicken.“

Nun versucht Schiedsrichter Dr. Robert Kampka die Situation zu erläutern. Er sagt: „Als der Augsburger Spieler Baier auf das Hannoveraner Tor schoss und der Ball anschließend abgeblockt wurde, konnte ich aufgrund meiner Position nicht frontal, sondern nur von der Seite in die Situation blicken. Ich habe hierbei zwar ein Handspiel des Hannoveraner Verteidigers Haraguchi wahrgenommen, konnte allerdings die Armhaltung des Spielers nicht gänzlich beurteilen, da der betreffende Spieler seinen Arm mit dem Körper verdeckte. Vor dem Hintergrund der Zweifel, entschied ich mich weiterspielen zu lassen. Da es sich in diesem Fall aber um einen möglichen Strafstoß handelte, schilderte ich meine Wahrnehmung via Headset meinem Video-Assistenten Guido Winkmann in Köln. In der darauffolgenden Spielunterbrechung teilte mir Guido unmittelbar mit, dass der Arm des Hannoveraner Verteidigers weit vom Körper abgespreizt war und empfahl mir einen On-Field-Review. Nach Ansicht der Bewegtbilder in der Review-Area entschied ich dann schließlich auf Strafstoß, weil es sich nach der aktuellen Regelauslegung in dieser Situation um ein klares strafbares Handspiel handelte. Da es sich darüber hinaus um einen Torschuss handelte, welcher mit dem Arm abgeblockt wurde, verwarnte ich den Hannoveraner Spieler Haraguchi mit der Gelben Karte.“

DFB-Mann Drees: „Der Video-Assistent muss sich fragen, ob die Entscheidung klar und offensichtlich falsch ist.“

Dr. Jochen Drees, mittlerweile fachlicher Projektleiter für den Bereich Video-Assistent, beurteilt die Vorgehensweise von Kampka wie folgt: „Bei der Strafstoßentscheidung in Hannover stellt sich der Sachverhalt hingegen anders dar. Hier hatte Schiedsrichter Dr. Robert Kampka eine Wahrnehmung zu der beschriebenen Handspielszene und kommunizierte diese auch zu seinem Video-Assistenten nach Köln. Nach Ansicht der Bilder hat Video-Assistent Guido Winkmann festgestellt, dass es sich um eine klare und offensichtliche Fehleinschätzung des Schiedsrichters gehandelt hat. Dementsprechend wurde die Spielfortsetzung gestoppt, nachdem der Ball ins Toraus gegangen war. Nach der auch in diesem Fall notwendigen Sichtung der Bewegtbilder durch Schiedsrichter Kampka in der Review-Area, hat dieser seine zunächst getroffene Entscheidung geändert. Bei einem Vorgang, der durch den Schiedsrichter auf dem Feld wahrgenommen und beurteilt worden ist, liegt – im Gegensatz zu dem beschriebenen Vorgang in Mainz – eine deutlich höhere Eingriffsschwelle für den Video-Assistenten vor. Dabei muss sich der Video-Assistent fragen, ob die Entscheidung klar und offensichtlich falsch ist. Dies war nach der aktuellen Auslegung bei Handspielvergehen hier der Fall und der Eingriff des Video-Assistenten daher völlig richtig. Ebenso war der Ablauf im Prozess sehr zügig und korrekt.“

Fazit: Laut Drees war die Vorgehensweise von Video-Schiri Winkmann korrekt, sich einzumischen. Allerdings beruht diese Beurteilung ausschließlich darauf, weil Feld-Schiedsrichter Kampka angibt, dass er „nicht gänzlich beurteilen“ konnte, wie das Handspiel zu werten sei, weil er nur eine seitliche Perspektive gehabt habe.

Unsere Beurteilung: Die Begründung von Kampka und Drees hört sich etwas zusammengeschustert und fadenscheining an. Muss ein Schiedsrichter nun eine exakte 180 Grad-Frontalperspektive haben, um Situationen richtig beurteilen zu können? Und wann ist eine seitliche Perspektive eine seitliche Perspektive – bei 60 Grad, bei 90 Grad, bei 120 Grad? Brauchen wir jetzt bald ein Geodreieck, um zu ermitteln, ob der Feld-Schiedsrichter eine seitliche Perspektive hatte (bei der der Video-Schiri offenbar eingreifen darf) oder eine frontale Perspektive hatte (bei der der Video-Schiri nicht mehr eingreifen darf)? Es bleibt ein fader Beigeschmack bei der Schiedsrichter-Entscheidung – und auch bei der anschließenden Rechtfertigung.

Quelle der Schiedsrichter-Statements: www.dfb.de/news/detail/kampka-konnte-haraguchis-armhaltung-nicht-gaenzlich-beurteilen-194784/

1 Kommentar

  1. Ich denke die DFL hat die SR angewiesen bei Hannover 96 überzogen 

    Videobeweise zu konstruieren..weil Martin Kind mit 50+1 nicht in die heile Welt dieser laienhaften Amateure passt…..

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