Der große 96-Saisonrückblick

Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images.

Die Bundesligasaison 2017/2018 ist Geschichte, eine Spielzeit mit vielen Höhen und Tiefen liegt hinter Hannover 96.

Die Dauerthemen rund um unserer Roten waren Martin Kind, Horst Heldt, die 50+1 Regelung und besonders der Stimmungsboykott von Teilen der Fanszene. Die sportliche Entwicklung des Teams von André Breitenreiter ist dabei viel zu kurz gekommen, dabei hätte diese für die so gewünschten positiven Schlagzeilen sein können. In diesem Artikel wollen wir uns daher ausschließlich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich um die sportliche Leistung unserer Jungs.

Die Rückkehr in Deutschlands Oberhaus…
Als Aufsteiger wurde 96 von vielen „Experten“ als Absteiger Nummer 1 abgestempelt, doch anstatt sich kleinreden zu lassen wurde der Wille, alle anderen vom Gegenteil zu überzeugen, immer stärker. Man absolvierte ein straffes Sommertrainingslager in Velden und bereits vor dem ersten Spieltag war die mannschaftliche Geschlossenheit so stark wie nie. Auch Hiobsbotschaften wie beispielsweise der komplette Saisonausfall von Kapitän Edgar Prib warfen das Team nicht zurück. Am 19.08.2017 war es dann endlich soweit, in Niedersachsens Landeshauptstadt spielte man offiziell wieder Erstligafußball. Der Saisonstart der Norddeutschen war schlichtweg famos: Nach dem Dreier am ersten Spieltag (1:0 gegen Mainz 05), dem sensationellem Heimsieg gegen Schalke 04 (1:0) und einem starkem 1:1-Unentschieden beim Nachbarn aus Wolfsburg kam es am vierten Spieltag zum lang ersehnten Nordderby zwischen 96 und dem HSV. Vor ausverkauftem Haus und unter Flutlicht gelang ein souveräner 2:0 Erfolg und somit standen nach 360 Spielminuten 10 Punkte auf der Habenseite, die ersten Erinnerungen an die Europa League-Spielzeiten kamen auf.

Die Siegesserie ist gerissen…
Der Sieg gegen die Hanseaten sollte vorerst der letzte gewesen sein. In den zwei folgenden Wochen musste man sich jeweils mit einem Unentschieden zufriedengeben (1:1 gegen Freiburg; 0:0 gegen Köln), danach nahm das Niveau Stück für Stück ab. Gegen Gladbach (1:2) und Frankfurt (1:2) setzte es die ersten Saisonniederlagen, zu erklären war dies mit den vermeintlich schwächeren Auftritten der Defensive. In den ersten Wochen spielten Sané, Anton und Co. auf dem Niveau der Champions League-Aspiranten, dass dies kein Dauerzustand sein konnte, war wohl jedem bewusst. Viele rechneten nun mit dem Absturz unserer Mannschaft in den Tabellenkeller, doch mit dem Sieg gegen Augsburg (2:1) und dem famosen Auftritt gegen Dortmund (4:2) meldete man sich erneut eindrucksvoll zurück. Diese Leistungsschwankungen fanden bis zum Ende der Hinrunde kein Ende, sodass unter dem Strich 23 Punkte standen. Für einen Aufsteiger war dies allemal ein beachtliches Ergebnis, der 11. Tabellenplatz nach 17 Spieltagen schien eine sehr gute Ausgangslage für die Rückrunde und vor allem für den schnellstmöglichen Klassenerhalt zu sein.

Die Highlights der Hinrunde
Die Hinrunde hatte für 96-Fans viel zu bieten, allen voran die Offensivspiel-Liebhaber kamen voll auf ihre Kosten. Wir haben für euch unsere beiden Highlights herausgesucht.

Hannover 96 – Borussia Dortmund  4:2  
Am 10. Spieltag gastierte der vermeintliche Bayern-Jäger Nummer 1 in der HDI-Arena und für viele ging es vor der Partie lediglich um Schadensbegrenzung. Doch entgegen aller Erwartungen drehten die Hannoveraner komplett auf und spielten die „Schwarz-Gelben“ schwindelig. Rekordneuzugang Jonathas brachte 96 in der 20. Minute verdient mit 1:0 in Führung und auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Zagadou (27. Minute) brachte niemanden aus dem Konzept, eher im Gegenteil. Der Druck auf das Tor von Roman Bürki wuchs in den folgenden Minuten mächtig und die erneute 96-Führung war nur eine Frage der Zeit. Kurz vor der Pause knipste dann der zweite Sommerneuzugang Bebou (41. Minute), rückblickend lässt sich sagen, dass es wohl mit die stärksten 45 Minuten in dieser Saison waren. Nach dem Seitenwechsel übernahm vorerst der BVB die Spielkontrolle und legte alles daran, das Duell möglichst schnell zu drehen. In der 52. Minute wurden die Gäste belohnt (2:2, Yarmolenko), doch auch diese Freude war nur von kurzer Dauer, denn nur 8. Minuten später zirkelte Felix Klaus einen perfekten Freistoß aus ca. 20 Metern in den rechten Winkel. In der letzten halben Stunde war es insbesondere Keeper Tschauner zu verdanken, dass die Dortmunder zu keinem erneuten Treffer kamen. Den Schlusspunkt in einem denkwürdigen Spiel setzte erneut Bebou, der einen gut ausgespielten Konter in der 84. Minute eiskalt einnetzte.

Hannover 96 – Bayer Leverkusen  4:4 

Zum Abschluss der Hinrunde bekam ganz Fußballdeutschland noch einmal einen Leckerbissen serviert. Im Duell 96 gegen Leverkusen fielen sensationelle 8 Treffer, Zeit zum Durchschnaufen blieb in diesen 90 Minuten niemandem. Bereits in der 11. Minute fiel der erste Treffer, Julian Brandt brachte die Gäste mit einem schönen Schlenzer in Führung. Dass die Moral unserer Jungs stimmt, zeigte sich auch in diesem Duell, denn nur 60 Sekunden nach dem Rückstand meldete sich Hannover durch Bebou eindrucksvoll zurück. Hätte man einem neutralen Zuschauer gesagt, dass ein Aufsteiger so ein hohes Tempo mitgehen kann, hätte man wahrscheinlich Hohn und Spott geerntet, doch wie so oft in dieser Hinrunde bewiesen die 96-Profis das komplette Gegenteil. In der 21. Minute belohnte Derbyheld Füllkrug den mutigen Auftritt und verwandelte einen geschickt herausgeholten Elfmeter souverän zum 2:1. Bayer kam in der ersten Hälfte zwar noch einmal zurück (2:2, 25. Minute), doch quasi mit dem Pausenpfiff schoss Felix Klaus die Gastgeber in den 7. Fußballhimmel. Die zweiten 45 Minuten begannen genau so,  wie die ersten endeten, aus roter Sicht jedoch negativ. Nur 120 Sekunden nach dem Wiederanpfiff zappelte der Ball im Netz, der zur Halbzeit eingewechselte Leon Bailey schlenzte den Ball geschickt an Tschauner vorbei. In der 67. Minute war es erneut Bailey, der ganz Hannover zum Verzweifeln brachte. Der Jamaikaner setzte zum im Halbfeld zum Sprint an und vollendete gnadenlos (3:4). Ob die Hannoveraner diesen Rückstand verdauen können? Ja können sie. In den letzten Spielminuten rannten unsere Jungs aufopferungsvoll an und sollten belohnt werden. Verteidiger Julian Korb wagte in der 84. Minute den Ausreißer in den gegnerischen Strafraum, der 4:4 Endstand sollte sein einziges, aber dafür umso wichtigeres Saisontor bleiben.

Beginn der Rückrunde trügerisch
Auch in der Rückrunde machte der Powerfußball von 96 keine Pause. Am 18. Spieltag setzte es einen famosen 3:2-Heimerfolg gegen Mainz, bereits jetzt schien der Klassenerhalt für einige perfekt zu sein. Die voreiligen Fans sollten ihre Euphorie jedoch noch bereuen, denn zwischen dem 19. und dem 28. Spieltag konnten die Landeshauptstädter nur 5 (!) Punkte einfahren, mit nur einem Sieg (2:1 gegen Freiburg) aus 9 Spielen stand man als formschwächstes Team der Liga dar. Der Vorsprung auf Tabellenplatz 16 war rapide geschmolzen (5 Punkte) und das berühmte Abstiegsgespenst dreht auf einmal auch wieder bei uns seine Runden.

Der 29. Spieltag
Am 29. Spieltag gab es dann endlich mal wieder etwas zu jubeln. Ausgerechnet gegen den Rivalen Werder Bremen gab es den ersten Dreier nach einer gefühlten Ewigkeit, der 2:1-Heimsieg bedeutete zugleich die nahezu sichere Erfüllung des Saisonziels. Mathematisch war der Abstieg zwar noch möglich, 8 Punkte auf den FSV Mainz 05 zu verlieren, welcher zu diesem Zeitpunkt auf dem Relegationsplatz rangierte, schien jedoch extrem unrealistisch. Auch der folgende Spieltag war ein erfolgreicher, im Aufsteigerduell mit dem VfB Stuttgart sicherte man sich einen wichtigen Punkt (1:1), die zwischenzeitliche Schwächephase war wie weggeblasen. Nach den Niederlagen gegen den Rekordmeister Bayern München (0:3) und den Champions League-Aspiranten aus Hoffenheim (1:3), welche auch leider so zu erwarten wahren, brachte das letzte Heimspiel der Saison die endgültige Erlösung.

Hannover 96 – Hertha BSC Berlin  3:1

Der Sieg gegen Berlin war ein würdiger Abschluss einer zufriedenstellenden Saison. Passend zum letzten Spiel vor heimischen Publikum brannten unsere Roten erneut ein wahres Feuerwerk ab, 3 Treffer in den ersten 45 Minuten sind wahrlich eine Hausnummer! Den Auftakt des Spektakels machte Martin Harnik bereits nach 360 Sekunden.  Der Österreicher verwandelte einen direkt aufgelegten Kopfball von Füllkrug nicht weniger sehenswert zur viel umjubelten Führung. Die ausverkaufte HDI-Arena bebte endlich mal wieder, dass sich die Mannschaft hiervon beflügeln lies, war nicht zu übersehen. Kurz vor der Pause gelang dann der vernichtende Doppelschlag. In der 40. Minute war es Salif Sané, der einen Kopfball wunderschön Kopfball wuchtig in die Maschen setzte. Einen Treffer in seinem letzten Heimspiel, für den Senegalesen ein wahres Märchen. Nur wenige Sekunden nach dem 2:0 nutzte Topscorer Füllkrug die Berliner Schockstarre und hämmerte den Ball zum 3:0 in die Maschen. Die Messe war bereits zur Halbzeit gelesen, daher war es kein Wunder, dass Hannover das Tempo im zweiten Abschnitt etwas drosselte. Bis zur 70. Minute hatten die Hausherren alles im Griff, dann schlichen sich jedoch ein paar Unkonzentriertheiten in das Spiel ein. Eine solcher nutzte Selke zum Anschlusstreffer, viel mehr ließen unsere Jungs jedoch nicht mehr zu, der Klassenerhalt war perfekt!

Zum Abschluss wollen wir uns bei allen Spielern und Verantwortlichen von Hannover 96 bedanken. Auch wenn es rund um das Sportliche ordentlich rumort hat, habt ihr den Fokus nie verloren und alles für unseren Verein gegeben! Lasst euch ordentlich feiern und genießt die freien Tage, die habt ihr euch mehr als verdient. Wir sehen uns in der Saison 2018/2019.

 

1 Kommentar

  1. Es ist eine Schande,dass 96 Martin Harnik ziehen lässt – ein Bravo an die Ultras – mit ihrem Stimmungsboykott – leider wacht Hannover 96 immer zu spät auf – (Bittencord,Wolf ,Sane, Elias Huth, etc) dem Management eine glatte 5 – (Jonathas , Felipe werden gehalten – in der nächsten Saison vielleicht beide zusammen 20 Spiele ) das ist Logic 

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