Lame Duck süß-sauer oder: Der ganz normale 96-Wahnsinn

Daniel Stendel ist freigestellt. Am Trainer lag es nicht, dass Hannover 96 in einen leichten Abwärtstrend geraten war, sagte Martin Harnik vor einer Woche. "Da könnte uns auch Guardiola trainieren." Foto: Getty Images

Hannover – Hannoverliebt, das ist die neue Kolumne hier bei 96Freunde. Ihr kennt runnertobi von meinsportradio.de? Hier lernt ihr ihn ganz neu kennen. Genießt nun auch sein geschriebenes Wort. Natürlich weltexklusiv.

Bleibt er, oder bleibt er nicht? 96-Trainer Daniel Stendel. Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images.

Niemals geht man so ganz

Es ist doch alles Wahnsinn. Fünf Tage ist es her, dass ganz Fußball-Hannover in heller Aufregung war. In Kinds Kokenhof hatte sich die Führungsetage von Hannover 96 versammelt und am Ende lag die Wahrheit zwischen „Das war es für Daniel Stendel“ und „Kind räumt richtig auf und schmeißt Bader, Möckel und Stendel raus“. Hannover 96 hat sich am Ende „nur“ von Sport-Geschäftsführer Martin Bader und dem Sportlichen Leiter Christian Möckel getrennt. Daniel Stendel bleibt; zumindest vorerst.

„Herri“ für den Fußballgott

Ersetzt werden die beiden Ex-Nürnberger von Horst Heldt. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Mit Horst Heldt hat Hannover 96 einen Manager verpflichtet, der in den letzten zehn Jahren bei Stuttgart und Schalke überwiegend gute bis sehr gute Ergebnisse erzielt hat. Ich möchte behaupten, dass Hannover als Zweiligist soweit oben im Regal zugegriffen hat, wie es nur möglich war. Eine überraschende und für mich auch beeindruckende Verpflichtung.  Aber – und das ist der Punkt, der auch in der Antrittspressekonferenz am Montag nicht klar wurde – inwieweit hilft diese Verpflichtung Hannover 96 in der aktuellen Situation weiter um das Ziel Aufstieg zu erreichen? Die Rückrunde war trotz 10 Punkten aus 6 Spielen überwiegend von gruseligem Fußball geprägt. Und damit meine ich nicht nur die Klatsche in Fürth oder das Heimspiel gegen Bielefeld und den „Tiefpunkt in Karlsruhe“. Insbesondere nach dem Sieg in Dresden hat man sich schon gefragt, wie viele Kisten Herri der Fußballgott dafür bekommen hat. 

Nach Eins kommt Zwei

Diese sportliche Talfahrt möchte Hannover 96 nun also mit einem neuen Manager beenden und begibt sich dabei in eine gefährliche Zwickmühle. Nicht wenige Leute zweifeln inzwischen sehr stark an Daniel Stendel und seiner Fähigkeit das richtige System für die vorhandenen Spieler zu finden. Am Montagmittag war zu lesen, dass Andre Schubert im Kokenhof sitzt und Verhandlungen mit Hannover 96 führt. Der (erweiterte) Mannschaftsrat soll sich beim Trainer über Training, Umgangsformen und taktische Ausrichtung beschwert haben. Und selbst Martin Kind hat am Montag den Trainer mehr als deutlich angezählt: „Im Ergebnis sind wir dann gemeinsam – einstimmig – zu der Auffassung gelangt, dass wir einen Neubeginn insgesamt einleiten wollen. Wenn das so ist, dann ist auch die Reihenfolge der Entscheidungen deutlich definiert und so haben wir auch gestern die erste Entscheidung der Freistellung von Martin Bader und Herrn Möckel entschieden.“

Heimsieg mit Lame Duck?

Sonderlich weit von einem Rauswurf des Trainers ist das auch sprachlich nicht mehr. Es soll einen „Neubeginn insgesamt“ geben und die Trennung von Bader und Möckel war die „erste Entscheidung“. Wie sieht denn dann dieser Neubeginn aus? Und was wird die zweite Entscheidung sein? Ganz sicher nicht der Austausch des Torliedes oder der erneute Wechsel der Biermarke im Stadion. Daniel Stendel ist aktuell in Hannover der Inbegriff einer Lame Duck. Wenn Hannover am Samstag gegen 1860 München nur unentschieden spielt oder gar verliert, ist seine Zeit bei der ersten Mannschaft vorbei. Ein deutlicher und überlegender Sieg wird ihm vermutlich eine weitere Woche einbringen. Aber was passiert, wenn Hannover wieder uninspiriert im Spielaufbau, anfällig in der Defensive und ohne Willen und Leidenschaft auftritt, am Ende aber gegen noch schlechtere Münchener trotzdem gewinnt? Dass Trainer entlassen werden, weil sie schönen aber erfolglosen Fußball spielen lassen, hat man schon öfter gesehen. Aber nach einem Sieg den Trainer zu entlassen wäre schon ein sehr ungewöhnlicher Akt. Was bleibt also? Entweder noch mehr liegengelassene Punkte auf dem Weg zum Aufstieg und wieder ein Spiel weniger auf dem Spielplan oder ein Sieg und man muss mit dem öffentlich angezählten Trainer weiterarbeiten. Eine Zwickmühle, in die man sich selbst gebracht hat.

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